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Industrie 4.0 Zwischen Überholspur und Standstreifen

| Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Rosemarie Stahl

Taiwan steht für hoch entwickelte Elektronik, aber auch für billig produzierte Massenware. Doch wie weit sind die Unternehmen bei Industrie 4.0? Eine Standortbestimmung zeigt: Das Thema ist überall angekommen, doch der Umgang damit ist sehr unterschiedlich.

Großes Interesse an Industrie 4.0: Gruppenfoto nach dem Vortrag von MM-Chefredakteur Frank Jablonski zum Thema.
Großes Interesse an Industrie 4.0: Gruppenfoto nach dem Vortrag von MM-Chefredakteur Frank Jablonski zum Thema.
(Bild: Jablonski)

Die Deutschen entwickeln eine neue Technik oder prägen einen Markenbegriff und lassen sich dann von pragmatischeren Nationen überholen. So lautet eine These, die auch im Zusammenhang mit Industrie 4.0 häufig genannt wird. Und in der Tat hat China Deutschland (und auch die USA) bei der Anzahl der Patentanmeldungen zum Thema weit hinter sich gelassen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse des Fraunhofer-IAO, das 1700 Patentdokumente aus der Volksrepublik analysiert hat. Drahtlose Sensornetze, Embedded Systems, Low-Cost-Roboter oder Big Data, überall haben chinesische Forscher wichtige Erfindungen geschützt.

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Diese Aktivitäten werden nicht nur im Mutterland von Industrie 4.0 aufmerksam registriert. Auch der Maschinenbau in Taiwan reagiert. Erst recht, seitdem man im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langer Zeit mit sinkenden Exportzahlen zu kämpfen hatte und sich mehr und mehr durch die neuen Strategien der chinesischen Regierung unter dem Begriff „Made in China 2025“ bedroht fühlt.

Pläne für einen rasanten Ausbau der Industrie in China

„Chinesen sind vernarrt in Industrie 4.0. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: In Deutschland sind von einem deutschen Autor über das Thema weniger als 3000 Exemplare eines Buches im Umlauf. China hat es übersetzen lassen in einer Auflage von mehr als 80.000 Exemplaren.“ Dieser Vergleich stammt von Eric Y. T. Chuo, Gründer des Hightech-Unternehmens Hiwin. Er sieht aufgrund der Entwicklung hin zu einer vernetzten, sich selbst steuernden Produktion einen großen Bedarf der Märkte an Robotik. Auch sei für sein Unternehmen eine wichtige Entwicklung, dass die chinesische Regierung sich das Ziel gesetzt hat, ein bedeutender Spieler beim Thema Werkzeugmaschinen zu werden. „Hier sollen hochwertige Fünf-Achs-Maschinen entwickelt werden, keine einfachen Drehmaschinen. Dafür wird der chinesische Markt die Schlüsselkomponenten benötigen. Das ist ebenfalls eine sehr große Chance für uns“, sagt Chuo.

Sein eigenes Team sei derzeit dabei, Kugelgewindetriebe mit eingebauten Sensoren zu entwickeln. Die Idee stammt von einem Werkzeugmaschinenhersteller aus Deutschland. In der Automobilindustrie wächst die Nachfrage nach Möglichkeiten für vorausschauende Wartung. Voraussetzung ist jedoch, dass eine Kernkomponente wie Kugelgewindetriebe Sensorinformationen bereitstellt. Die Herausforderung: Nur wenn Wärmeentwicklung und Vorspannkraft gemessen werden, kann der Anwender eine präventive Wartung durchführen.

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