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IoT-Start-ups „Zwischen Fachbereich und IT-Abteilungen toben seit Jahrzehnten Grabenkämpfe“

| Redakteur: Sebastian Human

Um etwas Licht in die Welt der verschiedenen IoT-Start-ups zu werfen, widmen wir uns heute Firestart. Ein paar Fragen an Robert Hutter, Gründer und CEO, über Potenziale des Prozessmanagements, Erfolg bei den Investoren – und auf den Bermudas.

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Links ein Einblick in die Benutzeroberfläche der Softwareplattform, rechts Gründer und CEO Robert Hutter.
Links ein Einblick in die Benutzeroberfläche der Softwareplattform, rechts Gründer und CEO Robert Hutter.
(Bild: Firestart)

In der Welt des Internet of Things und seiner zahlreichen Technologien finden sich neben bereits bekannten und etablierten Unternehmen auch immer wieder interessante Neugründungen. Diese jungen Firmen wollen wir näher betrachten, Hintergründe zu ihren Geschäftsmodellen beleuchten und mit ihnen einen Ausblick in die Zukunft wagen.

Was macht ihr genau? Warum braucht es euch?

Wir entwickeln eine Softwareplattform, die es Unternehmen ermöglicht, Geschäftsprozesse visuell zu modellieren und dann später als Workflow zu automatisieren. Unsere Plattform ist das Bindeglied zwischen Menschen, Maschinen und Applikationen und steuert Wertschöpfung anhand der Geschäftsprozesse.

Statt generischen, wenig aussagekräftigen E-Mails und Excel Sheets bekommen die User passgenaue Formulare samt Geschäftsdaten zu ihren Aufgaben und werden Schritt für Schritt durch den Prozess geführt. Das verbessert insgesamt die Durchlaufzeit, Daten- und Entscheidungsqualität und minimiert Risiken. Agilität und Time-to-Markt sind zwei wesentliche Assets für jedes Unternehmen, das digital und zukunftsfähig sein möchte.

Was macht ihr besser als andere?

Zwischen Fachbereich und IT-Abteilungen toben seit Jahrzehnten Grabenkämpfe über die Anforderungen an die Geschäftsprozesse und die Umsetzungsmöglichkeiten durch die IT. Wir haben es als erster Anbieter geschafft, dass beide Zielgruppen an einem Strang ziehen. Mit unserer Plattform können effizient und passgenau Prozesse für das Unternehmen umgesetzt werden. Durch den Low-Code-Ansatz heißt es Konfigurieren statt Programmieren, was die Entwicklungsgeschwindigkeit um den Faktor 10 gegenüber herkömmlicher Programmierung steigert. Gerade im Punkt Usability sind wir vielen Mitbewerbern voraus.

Wie läuft das Geschäft?

Sehr gut. Digitalisierung und Prozessflexibilisierung ist in aller Munde. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist vielen Unternehmen bewusst geworden, wie schnell manuelle Prozesse brechen können, wenn diese nur in den Köpfen von wenigen Mitarbeitern existieren.

Wir haben in der DACH-Region als Heimmarkt bereits eine gute Marktposition mit vielen namhaften Referenzkunden und die ersten Erfolge in den Zielmärkten USA und UK verbucht - bis hin zu den Bermudas. Da wir stark über Partner in den einzelnen Märkten agieren, können wir dort auch entsprechend schnell skalieren.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Das Datum für den IPO an der New York Stock Exchange haben wir uns auf den 25.6.2025 festgelegt, da 25 meine Glückzahl ist.

Sitzen oder stehen? Also eher Schreibtisch oder eher Produktionsband?

Eher sitzen am Schreibtisch oder rennen - von Veranstaltung zu Veranstaltung oder Kunde zu Kunde.

Was Investitionen in eure Firma angeht, scheint ihr ganz gut aufgestellt zu sein. Wie angelt man sich einen so “dicken Fisch” als Investor?

Genauer gesagt sind es mehrere „dicke Fische“, die wir uns da geangelt haben, und alles ist das Ergebnis eines langen Prozesses und passiert nicht von heute auf morgen. Wir haben im letzten Jahr sicher mit über 50 unterschiedlichen Investoren gesprochen, bis wir mit Paua Ventures den Lead Investor gefunden haben, der uns am meisten überzeugt hat. Am Ende des Tages muss die Chemie passen, das Team, das Produkt und das Timing am Markt. Durch Paua als Leadinvestor konnten wir auch eine Reihe sehr namhafter Business Angels überzeugen, mit an Bord zu kommen. Netzwerk, Kapital und Unternehmergeist waren auf unserer Seite - die wichtigsten Kriterien für die Entscheidung.

Gestalten Sie mit uns die besten Fachmedien der Welt!

Die Arbeitswelt verändert sich fortlaufend und mit ihr auch die fachspezifischen Aufgabenstellungen, denen Sie sich Tag für Tag stellen. Hierbei wollen wir Sie mit unserem Fachmedien-Angebot auch zukünftig zielführend unterstützen und Ihnen Inhalte mit echtem Mehrwert liefern.

Warum Linz als Standort?

Linz ist die Heimatstadt von mir und ein sehr gutes Pflaster für die Entwicklung von Enterprise Software Unternehmen, wie zuletzt das Team von Dynatrace sehr erfolgreich mit ihrem Börsengang 2019 bewiesen haben. Man findet mit der JKU und FH-Hagenberg sehr gute Ausbildungsstädten für Software-Entwickler, was für uns auch ein maßgebliches Kriterium war.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Typischerweise habe ich sehr viele Meetings mit den einzelnen Teams im Bereich Produktentwicklung, Operations und Vertrieb. Ich bin mit vielen strategischen Kunden und Partnern laufend im Austausch, da es für mich sehr wichtig ist, dass sie ihre Erfahrungen aus erster Hand mit uns teilen und wir unser Produkt somit zielgerichtet weiterentwickeln können. Wir hatten im Schnitt über 40 Events pro Jahr, was auch sehr viel Organisationsarbeit und Reisetätigkeit bedeutet, das wird sich in Zukunft aber viel stärker auf Onlineevents und Webmeetings verlagern.

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