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OEMs Zurück auf die Pole-Position mit Connected Services

| Redakteur: Vivien Deffner

Connected Services können für Automobilhersteller (OEMs) eine echte Goldgrube sein. Doch damit sie das gesamte Potenzial ausschöpfen können, müssen die OEMs schnell handeln, um das Feld nicht ihren digitalen Wettbewerbern zu überlassen. Das ist eine der vielen Erkenntnisse aus dem zweiten "Connected Vehicle Trend Radar" von Capgemini Invent.

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Automobilhersteller sollten zukünftig vermehrt auf Connected Services setzen, damit sie von ihren digitalen Wettbewerbern nicht abgehängt werden.
Automobilhersteller sollten zukünftig vermehrt auf Connected Services setzen, damit sie von ihren digitalen Wettbewerbern nicht abgehängt werden.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Bedeutung von vernetzten Fahrzeugen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Waren es im Jahr 2018 weltweit noch 119,4 Millionen, soll ihre Zahl bis 2023 auf 352 Millionen steigen. Dieser Anstieg geht mit einem schnellen Wachstum des Datenaufkommens einher. Daten sind ein hohes Gut und können zudem monetarisiert werden. Sie unterstützen dabei, Kosten zu senken, Forschung und Entwicklung sowie Produkte und Dienstleistungen zu optimieren und Emissionen zu begrenzen. Um an der Spitze zu bleiben, müssen OEMs über ausreichend Daten verfügen. Dafür benötigen sie im Vergleich zu ihren digitalen Wettbewerbern einen beträchtlichen Kundenstamm, derzeit sind die Nutzungsraten jedoch noch unzureichend.

Die Studie untersuchte, wie die Automobilindustrie mit vernetzten Diensten rentabel werden kann und was sich Verbraucher beim Thema vernetzte Dienste (Connected Services) im Fahrzeug wünschen. Dafür wurden über 3.000 Verbraucher aus Europa, den USA und China befragt.

Connected Services ja, aber noch nicht von OEMs

Die Studie ergab, dass erst 56 Prozent der befragten Verbraucher über vernetzte Dienste in ihren Fahrzeugen verfügen, lediglich 51 Prozent davon nutzen diese häufig oder sehr häufig. 29 Prozent nutzen sie nur gelegentlich. Zudem sagen zwei Drittel, dass vernetzte Dienste den Wert eines Autos erhöhen und das Fahrerlebnis verbessern würden. Das Interesse auf Verbraucherseite ist auf jeden Fall vorhanden.

Die Studie zeigt aber auch, dass die vernetzten Dienste der traditionellen Automobilhersteller von den Verbrauchern häufig noch nicht angenommen werden. Von den 23 untersuchten Kategorien werden sicherheitsbezogene Angebote im Auto wie intelligente Assistenzsysteme am meisten geschätzt. Den größten Wert messen die Verbraucher Diensten wie der Kollisionswarnung und Gefährdungswarnung (zum Beispiel bei Glätte oder Straßenschäden) sowie Diebstahlerkennungssystemen/Fahrzeugfinder bei. Die Lieferung von Einkäufen oder Paketen ins Fahrzeug (In-Car Delivery) stößt auf das geringste Interesse. In allen Kategorien ist die Zahlungsbereitschaft derzeit relativ gering: 39 Prozent der Verbraucher gaben an, dass die Dienstleistungen nützlich, aber nicht ausreichend entwickelt sind, während weitere 23 Prozent sich ihrer Vorteile nicht bewusst sind. Dies zeigt, dass die OEMs den Markt für vernetzte Dienste noch nicht umfassend durchdringen konnten.

Vernetzte Dienste und Tools können zu einem Alleinstellungsmerkmal werden. Dafür müssen die traditionellen Hersteller sicherstellen, dass sie die Verbraucher mit den von ihnen gewünschten Dienstleistungen ansprechen und auch über die Vorteile informieren.

Eine Öffnung des Connected-Services-Portfolios für Anwendungen von Drittanbietern gibt den Herstellern die Möglichkeit, ihre Pole-Position gegenüber ihren digitalen Wettbewerbern zurückzuerobern: Denn viele Nutzer greifen bereits auf Anwendungen von großen Technologieunternehmen zurück, so dass der Zugang zu diesen Anwendungen über die Benutzeroberfläche des Fahrzeugs der Schlüssel ist, sich die Schnittstelle zum Kunden und seiner Daten zu sichern.

Dr. Marc Cäsar, Director im Bereich Automotive bei Capgemini Invent und Experte für Connected Services, erklärt: "Die meisten Hersteller neigen dazu, die Wertschöpfung von vernetzten Diensten genauso anzugehen, wie sie Fahrzeuge produzieren. Sie erledigen die meisten Arbeiten selbst, indem sie Komponenten - und auch Services - von Zulieferern zusammenbauen, anstatt ihr Connected Car-Ökosystem für erstklassige Partner zu öffnen, die hier schon weiter sind. Doch der Verlust von Marktanteilen bei vernetzten Diensten schlägt sich in verloren gegangenen Umsätzen nieder - oder, noch gravierender, kann dazu führen, dass Hersteller zum Lieferanten für Technologieunternehmen werden."

Interesse an Nachhaltigkeit wächst

Nachhaltigkeit wird beim vernetzten Fahren für die Verbraucher zu einem immer wichtigeren Aspekt. Insgesamt sind 60 Prozent der weltweit Befragten der Meinung, dass vernetzte Dienste einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben können. 56 Prozent berücksichtigen nachhaltige vernetzte Dienste bei ihrer Kauf- oder Leasing-Entscheidung und 53 Prozent würden dafür mehr bezahlen, in China sind es sogar 77 Prozent, in Europa 44 Prozent. 53 Prozent würden die Automarke wechseln, wenn eine andere Marke nachhaltige vernetzte Dienste anbietet.

Der Studie zufolge bietet die Konnektivität den traditionellen Autoherstellern umfassendes Umsatzpotenzial und spielt bei ihrer zukünftigen Positionierung im vernetzten Ökosystem eine entscheidende Rolle. Digitale Player haben bereits erkannt, dass ein Fahrzeug nur eine weitere Einheit im digitalen Ökosystem eines Verbrauchers ist. Um die Kundentreue zu erhöhen, muss das Fahrerlebnis nahtlos in das digitale Leben einer Person übergehen. Dies verändert auch die Kundenbeziehung, da sich die Hersteller nun auch nach abgeschlossenem Kauf- oder Leasingvertrag stärker auf ihre Kunden fokussieren müssen, die für sie zum wichtigsten Asset für die Zukunft werden. Diese Entwicklung erfordert von den OEMs ein schnelles Handeln, um Dienstleistungen anzubieten, die von den Kunden geschätzt und genutzt werden.

OEMs müssen sich im Konnektivitäts-Ökosystem etablieren

Bisher gleicht der Ansatz bei vernetzten Services dem der üblichen Vorgehensweise von OEMs: die Aktivitäten, die über die Kernkompetenzen hinausgehen, werden ausgelagert. Ihre vernetzten Dienste haben zwar im Laufe der Zeit ein nahtloses Erscheinungsbild ("Look & Feel") erhalten, können häufig aber nicht mehr aktualisiert oder verändert werden, wenn das Fahrzeug erst einmal auf der Straße ist. Zudem variieren die gerade verfügbaren Dienste von Modell zu Modell sehr stark, selbst innerhalb eines Angebots des gleichen Herstellers.

"In der Vergangenheit mussten sich die Autofahrer mit dem begnügen, was die Hersteller ihnen zur Verfügung gestellt haben. Dieses Monopol existiert nicht mehr. Technologieunternehmen sind mit Smartphone-Diensten und einfach in das Auto zu integrierenden Anwendungen erfolgreich in den Markt eingetreten. Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen sich die OEMs intensiver mit dem Thema Konnektivität auseinandersetzen - vor allem, da die Kunden anspruchsvoll sind und immer weniger bereit, vernetzte Dienste zu akzeptieren, die nicht auf dem neusten Stand sind oder die den Aufpreis nicht rechtfertigen", stellt Marc Cäsar abschließend fest.

Die Studie können Sie hier kostenlos herunterladen.

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