Suchen

Expertenbeitrag

Dr. Christoph Schlünken

Dr. Christoph Schlünken

Mitglied des Vorstands ALTANA AG, ALTANA AG

Recruiting

Zukunft „Made in Germany“?

| Autor/ Redakteur: Dr. Christoph Schlünken / Linda Bergmann

Die Fachkräfte von morgen haben ganz konkrete Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. Familie, Beruf und Freizeit sollen vereinbar sein. Ein Trend, auf den es zu reagieren gilt.

Firmen zum Thema

Der digitalen Fachkräftelücke begegnet man mit der Schaffung eines attraktiven Arbeitsplatzes und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Der digitalen Fachkräftelücke begegnet man mit der Schaffung eines attraktiven Arbeitsplatzes und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Schöne neue Berufswelt? Fast möchte man es glauben! Es scheint, dass wir in Deutschland den dynamischen Anforderungen der globalen Digitalisierung und den immer neuen Hightech-Berufsbildern mit einer hohen Zahl von MINT-Absolventen begegnen können.

Jedenfalls wurde eine kürzlich veröffentlichte OECD-Studie zum weltweiten Ausbildungsstand in MINT-Berufen hierzulande als kraftvolle Bestätigung hiesiger Bildungspolitik gewertet. Nicht ganz zu Unrecht, denn Deutschland ist mit 40 Prozent aller Studienanfänger/innen, die sich für MINT-Berufe entscheiden, internationale Spitze; der OECD-Durchschnitt liegt bei nur 27 Prozent. Doch ein kritischer zweiter Blick enthüllt Schwächen: Zum einen sind diese Zahlen über zwei Jahre alt - in Zeiten der Digitalisierung also von vorgestern. Zum anderen fehlt der Umfrage die Zukunftsorientierung. Die liefert dafür die parallele MINT-Studie des Technologieunternehmens Emerson, die einen erheblichen Generationenkonflikt in der Bewertung von MINT-Berufen aufzeigt. So sind diese zwar für 53 Prozent der befragten „Babyboomer" wichtig, aber in der Generation Z nur noch für 35 Prozent. Fast zwei Drittel der Befragten fühlen sich überdies nicht ausreichend über Chancen in MINT-Berufen informiert. Unsere künftige Fachkräftegeneration muss von ihrer eigenen Perspektive erst noch überzeugt werden.

Berechtigte Zweifel: Sieht so die Zukunft „Made in Germany“ aus?

Seien wir ehrlich: Wo wird der Hochschulabsolvent mit Anwendungskenntnissen in der Chemie ausgebildet? Wo der Maschinenbauer, der 3D-Drucker und KI miteinander vereint? Und wo der Mechatroniker, der Machine Learning und Big Data handhaben kann? Es gibt eine digitale Fachkräftelücke, die unmittelbar unseren technologischen Vorsprung bedroht – und sie stellt den deutschen Bildungsföderalismus vor große Herausforderungen. Auf der Langstrecke liefert dieser zwar sehr gute Ergebnisse, doch wir befinden uns in einem globalen Sprint - und die Läufer aus den USA, China und Südostasien sind schon gestartet.

Was also tun? Die Industriekonzerne sollten vorangehen und sich an der Qualifizierung neuer Berufsbilder mit mehr Eigeninitiative beteiligen.

Gegenwärtig rekrutieren Unternehmen, wie beispielsweise Altana, in aller Welt, um auch neue, durch die Digitalisierung erforderlich werdende Stellenprofile besetzen zu können. Doch müssen auch die hiesigen Bildungswege fit für die Zukunft gemacht werden. Zum Beispiel sind mit Blick auf 3D- Drucktechnologien Chemiker mit Maschinenbaukenntnissen gefragt. Es besteht also nach wie vor Interesse an Absolventen der Ingenieurswissenschaften und der Chemie, es ist jedoch sinnvoll, diesen zusätzliche „Cross-over“-Qualifizierungs- und Einsatzmöglichkeiten, etwa durch die Schaffung einer eigenen Kompetenzplattform „Process Engineering & Technology" im F&E-Bereich anzubieten. Weitere Schlüsselkompetenzen, die bei der Personalauswahl eine wesentliche Rolle spielen, sind Agilität, Lern- sowie Veränderungsbereitschaft und Teamfähigkeit.

Von manchen belächelt, aber in der Praxis immer wichtiger, sind auch der eigentliche Arbeitsort und -platz: Das fängt bei innovativen Workspaces an und hört bei flexiblen Modellen, wie mobilem Arbeiten, noch lange nicht auf. Dieses Lehrstück gibt uns das Silicon Valley schon seit über 20 Jahren vor. Die Generationen Y und Z wollen Arbeit, Auslandserfahrungen, Familie und Freizeit gleichzeitig und entscheiden sich im Zweifelsfall für jenes Unternehmen, das diesen Mehrklang am besten bedient.

Das müssen Konzerne hierzulande verinnerlichen – und wie? So wurden beispielsweise in einem aufwändigen Pilotprojekt des Chemiekonzerns Altana Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen befragt, was sie von einem modernen Arbeitsumfeld erwarten. Das Ergebnis wurde jüngst in Form eines neuen Bürokomplexes für 140 Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen IT und Digitalisierung eingeweiht. Die neue Bürolandschaft ermöglicht einfache, direkte Kommunikation, optimale Vernetzung, flexibel gestaltete Teamarbeit und mobiles Arbeiten im offenen Raum, der auch Rückzugsmöglichkeiten bietet. Das fördert nicht nur die Motivation, sondern stellt auch die Wertschätzung, die Offenheit und den Handlungsspielraum, den Arbeitgeber heute anbieten sollten, um Spitzenkräfte und High Potentials dauerhaft an sich binden zu können, unter Beweis.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46205380)

Über den Autor

Dr. Christoph Schlünken

Dr. Christoph Schlünken

Mitglied des Vorstands ALTANA AG, ALTANA AG