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Expertenbeitrag

Jan Rodig

Jan Rodig

CEO tresmo

IoT-Studie

Zu wenig IoT-Spezialisten für steigende Zahl an Projekten

| Autor/ Redakteur: Jan Rodig / Sebastian Human

Jedes zweite Unternehmen findet IoT-Projekte wichtig, die Anzahl der realisierten Projekte hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und die Investitionen in diesem Bereich steigen weiter – so weit, so gut.

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Das IoT ist da und wird von den Unternehmen ernst genommen. Nun gilt es, IoT-Anwendungsfälle auszubauen und sie in die internen Prozesse zu integrieren.
Das IoT ist da und wird von den Unternehmen ernst genommen. Nun gilt es, IoT-Anwendungsfälle auszubauen und sie in die internen Prozesse zu integrieren.
( Bild: Photo by Bryan Minear on Unsplash / CC0 )

Die kürzlich veröffentlichte Studie „Internet of Things 2019“, veröffentlicht von IDG Research Service, tresmo und weiteren Kooperationspartnern, zeichnet ein insgesamt wachstumsorientiertes Bild. Aber sie benennt auch kritische Faktoren, die Unternehmen an der Umsetzung von IoT-Projekten hindern. Diese sind eher organisatorischer denn technologischer Natur.

Neugier und Interesse am IoT

Von Zurückhaltung oder gar Ablehnung kann keine Rede sein: Nur gut 10 Prozent von über 500 befragten IT-Verantwortlichen gaben an, entweder keine IoT-Aktivitäten zu planen oder sich noch nicht damit beschäftigt zu haben. Der größte Teil der Unternehmen befindet sich derzeit in einer konkreten Startphase – fast 46 Prozent der Befragten arbeiten im Moment an einer IoT-Strategie oder haben erste IoT-Anwendungen kurz- bzw. mittelfristig geplant. Die übrigen knapp 44 Prozent stecken mittendrin und setzten bereits zum Teil mehrere Anwendungsfälle im Umfeld des Internet of Things um. Damit hat sich die Anzahl der realisierten Projekte im Vergleich zur Umfrage des letzten Jahres mehr als verdoppelt.

Der Weg für IoT-Projekte kann steinig sein

Die Zahlen sprechen für sich und zeigen dennoch nur eine Seite der Geschichte. Denn wenn IoT-Projekte über das Experimentier-Stadium hinauswachsen, werden sie komplex, greifen zunehmend in gestandene Unternehmensstrukturen ein und entwickeln Potenziale, die ganze Geschäftsmodelle verändern können. Dafür sind Know-how und Ressourcen gefragt. Der Mangel daran wird von fast einem Drittel der Unternehmen als die größte Hürde bei der Umsetzung von Internet-of-Things-Ansätzen angesehen. Sprich: Viele entsprechende Projekte können nicht konzipiert oder realisiert werden, weil IoT-Spezialisten fehlen. Als weitere organisatorische Hemmnisse kommen unter anderem Vorbehalte der Mitarbeiter (24 Prozent), Bedenken gegenüber der Anpassung von Geschäftsprozessen (22 Prozent) und mangelnde Skills der eigenen Belegschaft (21 Prozent) hinzu.

Als technologische Herausforderungen sehen die IT-Entscheider vor allem Fragen der Datensicherheit, des Disaster Recovery, der Security und der Datenintegrität. Dass diese Themen so weit oben auf der Agenda stehen, zeigt, dass die Unternehmen das Internet of Things und dessen Potenziale ernst nehmen und langfristig planen. Schnellschüsse ohne hinreichendes Sicherheitskonzept sind sowohl praktisch als auch strategisch riskant. Knapp ein Viertel der Unternehmen schreckt die Komplexität des Themas an sich ab, während 22 Prozent der Befragten zusätzlich mit veralteten Betriebssystemen ohne Patch-Möglichkeit zu kämpfen haben.

Die Liste der technologischen Schwierigkeiten lässt sich natürlich fortsetzen. Im Gegensatz zu den organisatorischen Herausforderungen können die technischen Belange aber durch Investitionen aufgewertet werden. Bei der überwiegenden Mehrheit (88 Prozent) der Unternehmen, die sich mit dem Internet der Dinge beschäftigen, wird derzeit mehr Geld als im Vorjahr hierfür ausgegeben.

Wann ist ein IoT-Projekt erfolgreich?

Wer investiert, will, dass es sich lohnt. Für die meisten der befragten Unternehmen ist ein IoT-Projekt dann erfolgreich, wenn die Kosten gesenkt und die Produktivität von Produktion und Mitarbeitern erhöht werden konnte. Das sind gute und wichtige Ziele – das richtungsweisende Potenzial von IoT-Konzepten wird dabei jedoch (noch) zu stiefmütterlich behandelt. Denn der enorme strategische Werthebel des Internet of Things liegt in der Schaffung neuer Geschäftsmodelle – von relativ einfachen Pay-per-Use-Ansätzen bis hin zu Plattform- und Ökosystem-Modellen mit unterschiedlichen Erlösmodellen für die einzelnen Stakeholder. Solche Initiativen kommen noch deutlich zu kurz.

Je nachdem, wie man die Zahlen dazu in der Studie interpretieren will, ergeben sich unterschiedliche Sichtweisen. Die Frage, ob das IoT eine große Chance für ihr Unternehmen darstellt, bejahten fast die Hälfte der Befragten. Mehr als ein Drittel war sich da allerdings nicht so sicher und 16 Prozent sahen die Sache sogar negativ. Und dass sie möglicherweise zu konservativ denken, vermuteten einige IT-Entscheider ebenfalls: Der Frage, ob sie von Start-ups, die mit IoT-Technologien arbeiten, überholt werden könnten, stimmten gut 48 Prozent mehr oder weniger stark zu. Noch dramatischer sehen die Unternehmen die Wettbewerber aus den USA und China: Mehr als 56 Prozent sind überzeugt davon oder halten es zumindest für möglich, dass Anbieter aus diesen Ländern sie in den Bereichen IoT und Künstliche Intelligenz überflügeln werden.

So ergibt sich insgesamt ein ambivalentes Bild zum Stand der Dinge. Die wachsende Zahl konkreter Projekte zeigt den steigenden Stellenwert in den Unternehmen. Gleichzeitig stehen dem vor allem zu wenige Fachleute gegenüber, die die Projekte verwirklichen können. Und möglicherweise genügt es langfristig nicht, das Internet der Dinge nur als Produktionsoptimierer und Kostensenker zu sehen. Vielmehr sollten neue smarte Services entwickelt werden, um die digital immer anspruchsvoller werdenden Kunden nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Denn das Nutzererlebnis entscheidet immer stärker über den Unternehmenserfolg und sollte in IoT-Projekten daher auch oberste Priorität haben.

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