Expertenbeitrag

 Michael Finkler

Michael Finkler

Business Development / Mitglied der Konzerngeschäftsleitung, proALPHA Software GmbH

Trend-Dossier 2021 Wunsch nach Flexibilität und Resilienz fördert das IoT

Autor / Redakteur: Michael Finkler / Lea Täufer

Die Entwicklung des Industrial Internet of Things bleibt sehr dynamisch und findet in der Industrie zunehmend Verbreitung. Neue Potenziale eröffnen sich. Wir haben Michael Finkler um eine Einschätzung zu aktuellen IoT-Trends gebeten.

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Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
(Bild: pixabay)

Das Jahr 2020 war kein normales Jahr mit organischen Innovations- und Technologieentwicklungen. Vielmehr haben sich deutsche Industrieunternehmen in den vergangenen Monaten sehr unterschiedlich weiterentwickelt: Neben Unternehmen, die ihr Investitionsvolumen massiv heruntergefahren haben, gibt es Firmen, die die Zeit für den Ausbau ihrer Digitalisierungsstrategie genutzt haben.

Ich bin überzeugt, dass die Krise langfristig die Digitalisierung beschleunigen wird. Denn gerade digital starke Firmen haben sich oft als resilient gezeigt. Das erhöht die Dringlichkeit der Digitalisierung. Wir sehen aktuell viele Initiativen in dieser Richtung. Es geht um Flexibilität, neue Geschäftsmodelle, um Resilienz, Transparenz und Automatisierung im Unternehmen. Dabei zeichnen sich fünf starke Technologietrends ab:

Prozessoptimierung

Für fast jeden zweiten Mittelständler steht die Prozessoptimierung ganz oben auf der Innovationsagenda – und dies schon vor der Pandemie. Nur an der Umsetzung haperte es. Dies zeigt eine gemeinsame Studie von PAC und Pro Alpha aus dem Frühjahr 2020. Die Corona-Virus-Pandemie wirkte dann wie ein Brennglas: Sie erhöhte sowohl das Bewusstsein für Anfälligkeiten als auch den Handlungsdruck. Unternehmen müssen und werden dieses Momentum nutzen und sich im kommenden Jahr verstärkt auf die Suche nach Prozessbrüchen machen.

Automatisierte Prozesse

Zu den Automatisierungstechnologien, die zukünftig für mehr Fluss in diesen Prozessen sorgen werden, gehört das Process Mining. Dabei werden zunächst aus den Log-Daten eines Systems die Ist-Abläufe abgebildet und visualisiert. Abweichungen von den Soll-Prozessen werden so direkt sichtbar. Sind die Schwachstellen analysiert, kann Machine oder Deep Learning helfen, Lösungen dafür zu finden und im Idealfall diese sogar automatisiert anstoßen. Die Vorteile einer automatisierten Prozessoptimierung sprechen gerade auch den fertigenden Mittelstand an: 41 Prozent der von uns befragten Unternehmen sehen im Process Mining großes Potenzial – Tendenz steigend.

Künstliche Intelligenz

Eine Produktionsoptimierung mithilfe von Algorithmen ist nur einer von vielen Einsatzbereichen von KI in der Industrie. Verstärkt kommen Bots zur Sprachsteuerung von Systemen zum Einsatz. Ein weiteres Einsatzfeld ist die Robotic Process Automation, die eher auf der operativen Ebene ansetzt. Sie unterstützt bei manuellen, sich wiederholenden, zeitintensiven oder fehleranfälligen Tätigkeiten. Dabei werden Softwareroboter angelernt, diese Aufgaben auszuführen.

Dieser Ansatz ist besonders für Unternehmen vielversprechend, die sehr unter dem Fachkräftemangel leiden. Sie können dadurch wertvolle Ressourcen möglichst wertschöpfend einsetzen. Hersteller von ERP-Systemen arbeiten aktuell mit Hochdruck daran, diese und weitere neue Technologien sinnvoll und rentabel nutzbar zu machen.

Geschäftsmodelle und Plattformökonomie

In den Geschäftsmodellen wird sich 2021 ein deutlicher Wandel vom Produkt zu mehr Service abzeichnen. Eine Studie des Bitkom aus dem Mai 2020 hat ermittelt, dass 73 Prozent der deutschen Produktionsunternehmen im Zuge von Industrie 4.0 nicht nur einzelne Abläufe, sondern ganze Geschäftsmodelle verändern. Ein sattes Plus von 14 Prozent gegenüber 2018. Über die Hälfte dieser Unternehmen entwickelt aktuell neue Produkte und digitale Services oder plant dies – und sie setzen dabei mehrheitlich auf Plattformen: 88 Prozent kreieren digitale Plattformen neu, entwickeln sie weiter oder beteiligen sich daran.

Digital Supply Chain

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass digitalisierte Unternehmen oft widerstandsfähiger waren – gerade auch, wenn es um die Flexibilität der Lieferkette geht. Kein Wunder, dass eine bessere Lieferkettensteuerung derzeit eines der wichtigsten Innovationsthemen im Mittelstand ist. ERP-Systeme lassen in eine digitalisierte Supply Chain alle nötigen Informationen fließen. So tauschen Unternehmen Bestelldaten oder Abrufe über Web-Portale oder EDI aus. Auch die Integration von Katalogsystemen ist eine Option. Wesentlich dabei: Im Sinn eines ganzheitlichen Life Cycle Managements müssen Prozesse unternehmensübergreifend zu Ende gedacht und auch abgebildet werden – bis hin zur nahtlosen Rückverfolgbarkeit von Serien- und Chargennummern.

Datengetriebene Geschäftsmodelle werden dominieren

Alle diese Technologietrends schaffen die Grundlage für neue datengetriebene Geschäftsmodelle, die in den kommenden Jahren zur Norm werden. Intelligente ERP-Systeme helfen, diese Grundlage zu schaffen, indem sie Daten in der lernenden Fabrik aus KI-gesteuerten Entitäten zusammenführen. Diese Systeme wachsen und verlangen kontinuierliche Optimierungen.

Sie integrieren Daten aus unterschiedlichsten Quellen: aus selbstoptimierenden Prozessen und digitalen Assistenten, aus der RPA, umfangreichen KI-gestützten Business Analytics sowie aus intelligenten, selbststeuernden und durchgängig vernetzten Produktionsprozessen. Sie sammeln Daten, um Machine Learning und Deep Learning innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu nutzen. Sie integrieren auch neue Technologien – aus Robotik, Virtual Reality oder via Blockchain.

Für Unternehmen aus der Industrie – und auch das hat das Jahr 2020 gezeigt – bleibt in Richtung Plattform und neuer digitaler Geschäftsmodelle allerdings keine Zeit für weiteren Aufschub.

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