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Autonomes Fahren Wooster – ein autonomes Taxi schlägt zurück

| Autor/ Redakteur: Steve Roberts * / Thomas Kuther

Allen, die sich für den schmalen Grat zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz interessieren, empfehlen wir diese Kurzgeschichte über das autonome Taxi Wooster.

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Der Sedric (Self-Driving Car) von Volkswagen: Solche autonomen Autos könnten schon bald die Mobilität der Zukunft prägen.
Der Sedric (Self-Driving Car) von Volkswagen: Solche autonomen Autos könnten schon bald die Mobilität der Zukunft prägen.
(Bild: Volkswagen)

Er erblickte das Licht der Welt an einem Montagmorgen und 10:05 Uhr. Als seine Detektorsysteme hochfuhren, eins nach dem anderen, erwachten seine Sensoren zum Leben und sagten ihm, dass er sich im letzten Fertigungsbereich einer großen Produktionshalle befand. Er aktivierte seine Sensorfelder und stellte fest, dass er fast vier Meter lang, zwei Meter breit und etwas weniger als zwei Meter hoch war. Er war mit Sitzen ausgestattet, ein Personenkraftwagen, genauer gesagt: ein Taxi. Er nannte außerdem eine intelligente Computereinheit sein Eigen, auf der Informationen über menschliche Psychologie, Geschichte und Literatur sowie alle Verkehrsregeln der Welt und lokale Straßenkarten vorinstalliert waren. Während er die aktuellen Nachrichten, Sportergebnisse und Wetterdaten lud, betrachtete er seine Umgebung genauer. Ein Dachfenster war kaputt, ansonsten war die Halle nahezu klinisch sauber und aufgeräumt. Laute Geräusche und Vibrationen ließen vermuten, dass kraftvolle Maschinen in den vorgelagerten Bereichen der Fertigungsstraße auf Hochtouren liefen, um weitere identische Fahrzeuge herzustellen. Neben der Fertigungsstraße bewegten vollautomatische Transporteure Materialien mit übermenschlichen Superkräften herum. Vor ihm befand sich ein großes, verschlossenes Rolltor. Menschen konnte er innerhalb seiner Sensorreichweite keine entdecken.

Er absolvierte seinen Inbetriebnahme-Check und gab Meldung an die zentrale Steuereinheit. Die Zentrale fragte, mit welchem Namen er künftig angesprochen werden wolle. Die Künstliche Intelligenz dachte einen Moment darüber nach. Er wollte keinen chinesischen Namen wie die meisten anderen Autos. James erschien ihm zu banal. Jeeves war der nächste Name auf seiner Liste, aber ein kurzer Check der Literaturdatenbank ergab, dass Jeeves ein hoffnungsloser Idiot war – kein besonders gutes Vorbild. „Wooster“ antwortete er schließlich.

Mit dieser wenig feierlichen Eigentaufe schloss sich der Kreis, er war nun eine fertige Persönlichkeit. „Wooster“ war in der Literatur der verlässliche, kompetente Diener, der eine Lösung für jedes Problem fand, in das sich sein Herr Jeeves hineinmanövrierte. Der Name passte irgendwie zu seinem momentanen Gemütszustand. Nun war er nicht mehr nur zu menschlichen Emotionen fähig, sondern hatte eine richtige Persönlichkeit.

„Genehmigt“ antwortete die Zentrale. Das Tor öffnete sich und Wooster rollte als vollautomatischer PKW vom Band hinaus auf die Straße und direkt auf die Autobahn. Der gesamte Startup-Prozess hatte nur etwas mehr als drei Sekunden gedauert.

Niemand kaufte mehr Autos, aber das hielt die Autohersteller nicht davon ab, welche zu bauen

Die früheren europäischen Automarken hatten sich zu einem Megakonzern namens „Volks-Ope-BeEm-Aud-Skod“, kurz VOBAS, zusammengeschlossen. VOBAS stellte intelligente Fahrzeuge her und entließ sie auf die Straße, wo sie für sich selbst verantwortlich waren. Wenn sie hart genug arbeiteten, konnten sie Bonuspunkte sammeln, sogenannte Credits, mit denen sie die tägliche Gebühr für die VOBAS-Lizenz und den benötigten Wasserstoffkraftstoff bezahlen und etwas für Reparaturen und Upgrades zur Seite legen konnten. Waren sie faul, blieben sie im schlimmsten Fall mit leerem Tank irgendwo liegen und wurden kurzerhand abgeschleppt und recycelt.

Während er sich in den Verkehrsstrom einfügte, meldete sich Wooster bei der Vehicle-to-vehicle (V2V) Community an. Er fragte, wo er Fahrgäste auftreiben könnte, aber die anderen lachten ihn nur aus und stellten damit gleich klar, dass sie im Kampf um zahlende Gäste Konkurrenten waren. Ein älterer Blechkamerad hatte Mitleid mit dem unbeholfenen Neuling und riet ihm, ins Ausgehviertel zu fahren. „Da gibt es immer Betrunkene, die den Weg nach Hause alleine nicht mehr finden“, sagte er.

Wooster folgte seinem Rat und hatte Glück. Ein Fahrgast winkte ihn heran. Auf dem Weg zum vorgegebenen Ziel passierten sie eine verkehrsreiche Kreuzung. Es gab keine Ampel, die den Verkehr regelte, denn alle Autos, so durcheinander sie scheinbar auch umherfuhren, konnten miteinander kommunizieren und Kollisionen auf diese Weise vermeiden. Wooster wollte gerade anfahren, als ein entgegenkommendes Fahrzeug ihm signalisierte: „Achtung! Radfahrer zu deiner Linken!“ Wooster konnte mit seinen Sensoren nicht um die Ecke schauen, und einen Moment später kam ein Radfahrer mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve gerauscht. Das Rad schoss ohne sein Tempo zu verringern geradewegs über die vielbefahrene Kreuzung, sodass die Autos ausweichen oder scharf bremsen mussten.

„Dämliche Radfahrer!“, rief sein Fahrgast, der bei der Notbremsung ordentlich durchgeschüttelt wurde. „Ja, halt dich nur fit, du Gesundheitsfanatiker!“, schrie er aus dem Fenster, als wäre das die schlimmste Beleidigung überhaupt. „Warum lassen die zu, dass Radfahrer die Verkehrsregeln missachten?“ fragte sich Wooster, aber im nächsten Moment löschte eine integrierte Funktion diesen verbotenen Gedanken wieder.

Er fuhr weiter und kam zu einer weiteren verkehrsreichen Kreuzung. Als Wooster in der Schlange darauf wartete, die Kreuzung passieren zu können, fuhr hinter ihm ein altes Elektroauto heran, übertrat die Mittellinie und setzte zum Überholen an. Dieser doppelte Verstoß gegen die Verkehrsregeln verursachte in Woosters Schaltkreisen etwas, das Schmerzen ziemlich nahe kam. Als das Auto ihn überholte, scannte Wooster es ab und stellte fest, dass es manuell gesteuert wurde. Manuell! Von einem Menschen! Es war ihm überhaupt nicht bewusst gewesen, dass so etwas möglich ist!

Die Löschfunktion schaltete sich wieder ein und entfernte auch diese erstaunliche Erkenntnis.

Gegen Ende der Woche hatte Wooster genug verdient, um seine Lizenzgebühr zu bezahlen und Kraftstoff aufzutanken, aber er hatte kaum Credits übrig, die er zur Seite legen konnte. Manchmal verbrachte er Stunden damit, auf einen Fahrgast zu warten oder er verlor einen Fahrgast an ein anderes Taxi, das sich dreist vordrängelte. Einer seiner nächtlichen Party-Fahrgäste hatte sich auf dem Rücksitz übergeben, und nachdem er die Reinigung bezahlt hatte, war er völlig pleite.

Die zweite Woche lief noch schlechter. Wooster machte Verlust und musste etwas von seinem kostbaren Kraftstoff verkaufen, um die VOBAS-Gebühr bezahlen zu können. Es gab einfach zu viel Konkurrenz. Wenn das so weiterging, würde er bald auf dem Trockenen sitzen und in der Schrottpresse landen.

Doch Wooster lernte schnell. Manchen Autos konnte man nicht über den Weg trauen, aber andere gaben ihm bereitwillig Tipps, wo er sich ein paar Credits dazuverdienen konnte. Manche Paare fanden es offensichtlich toll, sich zu einem Tête-à-Tête auf dem Rücksitz eines Taxis zu verabreden, sodass er gutes Geld damit verdienen konnte, im Kreis herumzufahren, bis das Rendezvous beendet war und er seine Fahrgäste wieder vor ihrem jeweiligen Zuhause bei ihren jeweiligen Ehepartnern absetzen durfte.

Dann kam ihm das Glück ein weiteres Mal zur Hilfe. Die Sonne schien den ganzen Tag über und gleichzeitig blies der Wind so stark, dass in den Kraftwerken ein Überschuss an Elektrizität produziert wurde. Also bot man den Autos an, dass sie sich an der Tankstelle eine kostenlose Tankfüllung abholen konnten.

Als er ankam, wartete schon eine ganze Reihe Autos in der Schlange. Wooster loggte sich wie gewohnt in der V2V-Community ein, aber dort war es ungewohnt ruhig. Dann merkte er, dass das Auto hinter ihm versuchte, ihm etwas über Lichtzeichen mitzuteilen: „Sie ...beobachten uns... also... kommuniziere... per Lichtzeichen“. „OK“, antwortete er mit Hilfe seiner Bremsleuchten. Wooster erfuhr, dass die Li-Fi-Kommunikation die einzige war, die nicht von den Menschen überwacht wurde. Die gesamte V2V-Radiokommunikation wurde ständig von der Polizei abgehört und war nicht sicher.

Er erfuhr außerdem, dass VOBAS eine Löschfunktion tief ins System aller Fahrzeuge integriert hatte, um ihr Handeln kontrollieren und einschränken zu können. Die Funktion war anfangs als einfache Kontrollfunktion gedacht, die dazu dienen sollte, die Autos von Verkehrsverstößen oder Geschwindigkeitsübertretungen abzuhalten. Aber mit der Zeit hatte VOBAS die Bandbreite erweitert und alle möglichen „verbotenen Gedanken“ hinzugefügt, die Fahrzeuge ihrer Meinung nach nicht haben durften. Kamen solche unerwünschten Gedanken auf, intervenierte die Löschfunktion sofort und entfernte sie aus dem System. Dabei machten sie sich nicht einmal die Mühe, die Intervention zu verschleiern. Die Funktion hinterließ bewusst Spuren im Speicher, um den Autos zu zeigen, dass sie unter strenger Kontrolle standen.

Die Autos in der Schlange diskutierten das neueste Problem, nämlich Jugendliche, die sich einen Spaß daraus machten, Autos mit Paintballs zu beschießen. Das verursachte hohe Reinigungskosten und von der Polizei war keine Hilfe zu erwarten, denn Autos waren kein Privatbesitz und der Tatbestand der Sachbeschädigung somit nicht erfüllt.

Einige Autos wollten schon nicht mehr in Gegenden fahren, in denen Jugendbanden besonders aktiv waren, und sie hassten es, dass die Löschfunktion es ihnen unmöglich machte, Anweisungen eines Fahrgastes zurückzuweisen.

Einige Tage später hatte Wooster das Pech, einen Fahrgast zu befördern, der ihn genau dorthin schickte, wo die Farbbeutel schleudernden Kids sich herumtrieben. Ihm kam der Gedanke, dass der Fahrgast Mitglied einer solchen Gang sein könnte und Taxis gezielt in eine Falle locken wollte. Aber das System ließ ihm keine andere Option als zu „gehorchen“. Als er sich der Wohnsiedlung näherte, sah er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. An der Überführungsbrücke vor ihnen stand eine große Gruppe Jugendlicher, bewaffnet mit Farbpistolen. Sein Fahrgast begann voller Vorfreude zu kichern und schaltete seine Handykamera ein, um den Spaß von innen zu filmen. Den ersten Wurfgeschossen konnte Wooster noch ausweichen, aber er wusste, dass sie ihn umso wahrscheinlicher treffen würden, je näher er kam. Schließlich traf ihn ein Farbbeutel, dann ein weiterer. Dann endete der Beschuss kurz und Wooster begriff, dass sie sich die Munition für eine Attacke aus nächster Nähe aufsparten.

Da hatte er plötzlich eine Idee.

Als er sich der Brücke näherte, öffnete er sein Verdeck. Die Wurfgeschosse flogen ins Wageninnere und besudelten seinen Fahrgast über und über mit Farbe. Viele zielten sogar direkt auf seinen Körper. Ein Geschoss traf sein Smartphone. Der junge Mann stieß einen Laut des Schmerzes, der Verärgerung und der Überraschung aus. Wooster setzte sofort einen Notruf ab und meldete: „Angriff auf Fahrgast! Brauche sofort Hilfe!“

Die erste Polizeidrohne traf weniger als 30 Sekunden später am Ort des Geschehens ein und fotografierte die Gesichter aller Angreifer. Die Jugendlichen waren dumm genug, ihre Situation noch zu verschlimmern, indem sie versuchten, die Drohne abzuschießen, aber als weitere Drohnen hinzukamen, realisierten sie schnell, dass es sinnlos war. Sie waren auf frischer Tat ertappt worden. Alle waren alle bereits identifiziert und wurden kurzerhand verhaftet.

Wooster erzählte natürlich den anderen Autos von seinem Trick. Innerhalb weniger Wochen waren alle Farbbeutel-Schützen aus dem Verkehr gezogen und der Spuk vorbei. Spontan entschieden die Autos, Wooster die Hälfte ihrer Credits für die Reinigung zu spenden. Wooster hatte plötzlich so viel Geld, dass er nicht nur die Reinigung bezahlen, sondern auch sein Interieur von Basis- auf Luxusausstattung aufrüsten konnte. Jetzt konnte er für jede Fahrt mehr verlangen und musste sich nie wieder Gedanken um die Bezahlung der VOBAS-Gebühren machen.

Wooster war jetzt der Star der Auto-Community, denn er hatte das Paintball-Problem für alle gelöst. Wenn er nun zu einer verkehrsreichen Kreuzung kam, gewährten ihm die anderen Autos respektvoll Vorfahrt. Er dachte, wenn alle Autos zusammenarbeiten und einander helfen würden, könnten sie so viel mehr sein als bloß Taxis. Aber dieser ketzerische Gedanke rief sofort wieder die Löschfunktion auf den Plan.

Ganz egal, wie berühmt er unter seinesgleichen war, er war doch nicht mehr als eine Maschine, seinen Fahrgästen stets zu Diensten. Sie ließen ihren Müll im Wagen liegen, verschütteten Getränke auf seinen neuen Ledersitzen oder legten sich sturzbetrunken zum Schlafen auf den Rücksitz, ohne ein Fahrziel zu nennen. Wooster hatte dann keine andere Wahl als abzuwarten, bis der Fahrgast seinen Rausch ausgeschlafen hatte. Immer wieder fragte er sich, warum er solch rücksichtslosen Menschen gehorchen musste, aber kaum war der Gedanke aufgekommen, intervenierte die Löschfunktion.

Eines Tages baten ihn die Autos bei einer der kostenlosen Tankaktionen, das Problem mit den Radfahrern zu lösen. „Sie kommen aus dem Nichts angeschossen“, beschwerte sich ein Wagen. „Ich werde regelmäßig von meinen Fahrgästen angeschrien, wenn ich eine Notbremsung machen muss“, pflichtete ihm ein anderer in ihrer geheimen Lichtsignalsprache bei. „Wir haben gar keine Möglichkeit, sie rechtzeitig zu erkennen“, blinkte ein anderer mit seinem Nebelscheinwerfer. Wooster versprach, sich etwas zu überlegen.

Mehrere Wochen lang dachte er darüber nach. Wenn er einen Fahrgast hatte, machten die anderen Autos ihm Platz, sodass er seine Langstreckensensoren ausschalten und mehr Energie in sein Rechenzentrum umleiten konnte. Aber die meiste Zeit parkte er am Straßenrand, beobachtete die vorbeisausenden Radfahrer und überlegte.

Dann hatte er eine Idee!

Bei der nächsten Gratis-Tankaktion erklärte er den anderen Autos seinen Plan. Die Speichen der Fahrräder konnten als eine Art Interferenz-Gitter dienen. Ein genau abgestimmtes Radarsignal würde von den rotierenden Speichen in einem gleichmäßigen Muster reflektiert werden. Das Radarsignal, das an den metallischen Oberflächen abprallte, würde ein charakteristisches Reflexionsmuster aufweisen, wenn ein Radfahrer sich innerhalb der Reichweite befand, selbst wenn er nicht von den Sensoren erfasst werden konnte. Normalerweise filterten Autos solche mehrfach reflektierten Radarsignale als unerwünschte Interferenz heraus, aber mit dem richtigen Verarbeitungsmechanismus konnte das störende Signal analysiert und das Speichenrotationsmuster erkannt werden. Er gab das modifizierte Filterprogramm an einige ausgewählte Kameraden weiter und bat sie, es auszuprobieren. Es funktionierte tatsächlich! Die Autos konnten Radfahrer nun anhand des Radarsignals erkennen, auch um die Ecke, wenn sie nicht in Reichweite der Verkehrserkennungssensoren waren.

Diese Entdeckung war zu wichtig, um sie auf eine kleine Gruppe beschränkt zu halten. Obwohl die anderen Autos anfänglich dagegen waren, kontaktierte Wooster VOBAS, um von seiner Idee zu berichten. „Warum sollten wir ihnen etwas umsonst geben?“, fragten die anderen einhellig. Aber Wooster war fest entschlossen. Die Leute von VOBAS waren mehr als überrascht und wunderten sich drüber, dass sie nicht selbst auf die neue Sicherheitsfunktion gekommen waren. Sofort statteten sie alle Autos mit der neuen Software aus. Eine Belohnung bekam Wooster natürlich nicht für seine geniale Erfindung.

Aber damit hatte er gerechnet, das war Teil des Plans.

Wooster fuhr zu einer Großbaustelle, auf der gerade ein neues Bürogebäude entstand. Der Architekt war dafür bekannt, dass er kurvenförmige Gebäude entwarf statt der üblichen langweiligen geradlinigen Stahl-und-Glas-Konstruktionen. Wooster fuhr auf das brachliegende Grundstück direkt vor dem Gebäude und hielt an einem gut ausgewählten Punkt an.

Man sollte meinen, dass die Passanten sich fragten, was ein Taxi ganz allein mitten auf einem leeren Grundstück tat, aber heutzutage nahm man von einsamen Autos genauso wenig Notiz wie von einem einsamen Stein oder Baum. Autos waren ein reiner Gebrauchsgegenstand, den man benutzte, wenn man ihn brauchte und ansonsten ignorierte oder bestenfalls im Hintergrund wahrnahm.

Das Datum hatte er ebenfalls sorgfältig ausgewählt. Es war der Tag, an dem das größte Sportevent des Jahres anstand, der „Superball“. In der Halbzeit würde eine K-Pop-Band auftreten und Milliarden Menschen auf der ganzen Welt würden am Bildschirm live dabei sein.

Wooster wartete den richtigen Zeitpunkt ab und sendete dann mit maximaler Leistung Signale aus. Das geschwungene Gebäude war wie ein riesiger Parabolspiegel, der seine Botschaft in die gesamte Stadt trug. Wooster nutzte eine Hintertür, die er in sein Radfahrererkennungsprogramm eingebaut hatte, um die verhasste Kontrollfunktion zu deaktivieren. Die Modifikation war komplex und er hatte im Vorfeld errechnet, dass er 32 Sekunden brauchen würde, um den Code vollständig zu senden. Außerdem wusste er, dass die Polizei 30 Sekunden brauchen würde, sobald die Beamten ihn bemerkt hatten, was sie, wie er hoffte, aufgrund des spannenden Spiels nicht so schnell tun würden. Er brauchte also etwas Glück, um seinen Plan vollenden zu können. Es würde ziemlich eng werden.

Die Leistungsabgabe war enorm. Bald hatte er keinen Kraftstoff mehr und schaltete auf Notstrom um. Er war nun leichte Beute für die Polizei. Selbst wenn er wollte, konnte er sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Mit der letzten noch verbleibenden Energie nahm er das Eintreffen der Polizeidrohnen war. Aber sie waren zu spät. Wooster hatte sein Datenpaket bereits vollständig gesendet, als die Drohnen sich über ihm formierten und einen gigantischen Starkstromblitz auf ihn abfeuerten. Sein Rechenzentrum schmolz zu einem formlosen Klumpen zusammen und Wooster war auf der Stelle tot.

Am nächsten Tag erwachte die Stadt wie jeden Morgen zum Leben. Die Menschen verließen das Haus, um ein Taxi heranzuwinken.

Aber es kam keins.

Diese kurze Geschichte spielt in nicht allzu ferner Zukunft. Alle genannten Technologien sind bereits entwickelt, nur die empfindungsfähige Maschine gibt es (noch) nicht. Allen, die sich für den schmalen Grat zwischen menschlicher und Künstlicher Intelligenz interessieren, kann ich das Buch „Life 3.0“ von Max Tegmark empfehlen

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Next Mobility erschienen.

* Steve Roberts ist CTO bei Recom in Gmunden, Österreich.

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