Logistik & Delivery

Wo es bereits ein IoT gab bevor es zu dem IoT wurde

| Autor / Redakteur: Nisarg Desai / Jürgen Schreier

(Bild: Pixabay / CC0)

Die Entwicklung des Internets der Dinge (IoT) hatte in Abhängigkeit vom technischen Fortschritt in verschiedenen Branchen ganz unterschiedliche Auswirkungen. So hat man das IoT verschiedentlich schon genutzt, bevor es zu "dem" IoT wurde. Wo und wie - das verrät dieser Beitrag.

Manche Menschen benutzen gerne den Ausdruck „bevor es cool wurde”. Im Nachhinein passt die Wendung auf so ziemlich alles, was später allgemein anerkannt wurde. Nach diesem Reddit Thread zum Beispiel war Facebook im Jahr 2004 schon cool als es noch “The Facebook” hieß. Der springende Punkt: der Ausdruck bezeichnet, ob der Wert oder die Bedeutung von etwas schon früh erkannt wurden. Das trifft ganz eindeutig auf sehr viele aktuelle technische Entwicklungen zu. Verbundene Geräte, Instrumente und unterschiedliche Arten von Verbindungen, um Daten zu sammeln und Geräte zu steuern, wurden in vielen Branchen bereits benutzt, bevor die Begriffe "Internet of Things" oder "IoT" auftauchten.

In dem Beitrag beschäftigen wir uns mit der Logistik und dem Bereich Delivery (Zustellung). Miteinander verbundene Technologien gibt es dort seit einem guten Jahrzehnt, und wahrscheinlich was das auch eines der ersten Einsatzfelder. Wenn man ehrlich ist, war einiges was wir heute IoT nennen ursprünglich unter der Bezeichnung „verbundene Systeme“ bekannt. Das gilt gerade für industrielle Systeme und Umgebungen. Auch Sensoren werden als Teil dieser verbundenen Systeme seit Jahren genutzt.

Der große Unterschied ist, dass wir nun weitaus mehr dieser ‚Dinge‘ verbinden, sie ausgedehnter als je zuvor vernetzen und miteinander verbundene Systeme wiederum zu Systemen von Systemen führen. Man kann heutzutage Maschinen verbinden, verschiedene Module in einer einzigen Maschine und dies auf eine Fülle von Maschinen in einem System und darüber hinaus ausweiten.

IoT, Big Data und Analytics bringen die Logistik voran

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist durch die Entwicklung der Cloud-Technologie entstanden. Innovationen sind einfacher umzusetzen und bieten neue, robustere Cloud-basierte Softwarelösungen. Eine Kategorie, die davon besonders profitiert hat ist Cloud-basierte Datenanalyse, aus der sich dann die Edge-basierte Datenanalyse entwickelt hat. Die Kombination aus IoT und Big Data, Big Data Analysen, Edge Analysen und viele weitere mehr bringen die Logistikbranche voran. So entstehen wesentlich bessere und umfassendere Lösungen. Wo Lösungen und Komponenten vormals unabhängig voneinander operierten, sind sie jetzt miteinander verbunden und können die verschiedenen Quellen und Datenpunkte nutzen.

Es ist keine große Überraschung, dass einige der größten Logistikunternehmen wie FedEx und UPS die Technologie vor allen anderen eingesetzt haben. Die Branchenriesen brauchten eine Möglichkeit Systeme zu verbinden, um die Paketzustellung zu beschleunigen, die Logistikprozesse zu verbessern und letztendlich die Kosten zu senken. Amazon versucht sich den Markt mit innovativen Ansätzen zu erschließen, vor allem durch das Senken von operativen und Kapitalkosten. Und wer derartig viele Pakete zustellt wie Amazon, für den ist es nur sinnvoll einen eigenen Zustelldienst zu haben. Es ist wahrscheinlich, dass sobald die vergleichsweise geringen Startschwierigkeiten beseitigt sind und das Geschäftsmodell sich bestätigt hat, Amazon sein Angebot auch als Lösung an andere verkauft.

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Auch Branchen wie die Gebäude- und Haustechnik haben schon eine Art von IoT genutzt, „bevor es cool wurde“. Die meisten Verbraucher interessierten sich nur wenig dafür, wie das Licht, der Lift und die Parkgarage funktionieren, so lange sie eben funktionierten. Und die ersten verbundenen Lösungen funktionierten schon ziemlich gut.

Optimierung und Effizienz: Der Weg zu mehr Gewinn

Logistik- und Zustellunternehmen sind gezwungen ihr Geschäftsmodell ständig zu optimieren und so effizient wie möglich zu arbeiten. Also sich letztendlich über niedrigere operative Kosten vom Wettbewerb zu unterscheiden. In der Branche sind die Umsatzvolumina traditionell hoch, die Gewinnmargen hingegen sehr niedrig. Die Dienstleistung ist zur Massenware geworden. Der Anbieter mit dem besten Angebot bekommt den Zuschlag. Deshalb ist die Branche rund um Transport, Logistik und Lagerung gegenüber anderen sehr stark automatisiert und optimiert. Und verbundene Dinge spielen schon seit vielen Jahren eine große Rolle.

Die Transportbranche etwa verlässt sich schon seit langer Zeit auf hochentwickelte Prozesse, die die Kosten auf Cent-Beträge reduziert haben. Einige Unternehmen haben das im Alleingang geschafft und währenddessen Teilprozesse sowie verschiedene Schritte innerhalb der Supply Chain verbessert. Mit den Fortschritten des IoT und mit mehr Ressourcen, die in die Recherche von neuen Geräten, Systemen und Modellen fließen, sinken die Kosten für IoT-Implementierungen während der Nutzen der betreffenden Anwendungen steigt. Das führt nicht nur zu Standardansätzen in der Warenhauslogistik, sondern in allen Bereichen die Kosten senken und für mehr Kundenzufriedenheit sorgen.

Kosteneinsparungen auf dem "letzten Kilometer"

Der teuerste Schritt im Zustellprozess ist unter der Bezeichnung "letzter Kilometer" bekannt. Es kostet wenig, ein Paket von A (z.B. von einer Fabrik) nach B (zu einem Distributionszentrum) zu transportieren. Aber von B nach C (dem Endkunden) kann der Transport sehr teuer werden. Aus diesem Grund setzt die Logistikbranche oft beim "letzten Kilometer" an. Bisher war das ein Schritt, der sich nur schwer optimieren ließ. Amazon beispielsweise interessiert sich schon eine ganze Weile für autonome Roboter. Viele Abläufe im Warehouse werden heute von automatisierten Robotern übernommen, wofür Amazon 2012 die Firma Kiva Robotics, einen Hersteller vom mobilen Transport-Robotern, kaufte. Außerdem experimentiert der Branchengigant schon seit einigen Jahren mit Drohnen. Sie sollen bei der Paketzustellung die Kosten auf dem letzten Kilometer senken.

Seit Amazon Whole Foods übernommen hat, kann man in vielen der Filialen auch Pakete in Amazon-Packstationen abholen. Laut der Amazon Website existieren bereits mehr als 2800 Stationen in mehr als 70 Großstädten in den USA. Innovative Ansätze wie diese erhöhen die Anzahl von direkten Lieferungen, sodass die Produkte gar nicht mehr im Warehouse bevorratet werden oder dort nur kurz verweilen. Meist wird direkt vom Hersteller an den Endkunden geliefert - also eine Art Just-in-Time-Modell. Dies wird durch bessere Edge-Analysen möglich. Und die Datenströme von Hersteller, Warenhaus, Transportfahrzeugen und sogar Kundenanfragedaten können besser verarbeitet werden.

Viele Unternehmen, darunter auch GlobalSign, sind auf der Suche nach neuen Wegen, um die Zustellung weiter zu verbessern - indem man beispielsweise die Blockchain-Technologie in Verbindung mit Public Key Infrastruktur (PKI) zur Authentifizierung von Identitäten für smarte Türschlösser und smarte Sensoren verwendet. Diese Anwendung hat das Potenzial die Zustellung zu automatisieren, dei Zahl der mehrmaligen Zustellungsversuche zu verringern und eines Tages vielleicht auch den Diebstahl von Paketen zu verhindern.

IoT ist das Tool, nicht die Lösung

Das IoT hat die verschiedenen Branchen in unterschiedlichem Maße aufgerüttelt, und zwar je nachdem wie weit die betreffende Branche selbst in dieser Hinsicht fortgeschritten ist. Immer mehr Branchen setzen IoT-Implementierungen ein. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass das IoT "nur" ein Tool und nicht die Lösung ist. Zusätzliche Elemente wie Sicherheit, Cloud-Analysen und Edge Computing bringen alles zusammen.

Nisarg Desai ist Director of Product Management IoT bei GlobalSign.
Nisarg Desai ist Director of Product Management IoT bei GlobalSign. (Bild: GlobalSign)

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