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Expertenbeitrag

Martin Schössler

Martin Schössler

Managing Partner, CAUSA

Plattformwirtschaft

Wird auch die industrielle Wertschöpfung in Zukunft von Plattformen dominiert?

| Autor/ Redakteur: Martin Schössler / Sebastian Human

Bisher dominieren Dienstleistungen und Industrie die europäischen Volkswirtschaften. Diesen traditionellen Akteuren steht auch in Deutschland heute eine neue Gruppe von Unternehmen zur Seite, die ein anderes Wertschöpfungsprinzip verfolgen, indem sie sich als Plattformen organisieren.

Plattformen werden zukünftig für viele Wirtschaftsbereiche relevant sein. Auch der industrielle Mittelstand kann sich dem globalen Trend zur Plattformwirtschaft nicht entziehen.
Plattformen werden zukünftig für viele Wirtschaftsbereiche relevant sein. Auch der industrielle Mittelstand kann sich dem globalen Trend zur Plattformwirtschaft nicht entziehen.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Die Entwickler und Betreiber dieser Plattformen agieren dabei länderübergreifend und über die etablierten Wirtschaftssektoren hinweg; ihr Nutzenversprechen umfasst für alle Teilhaber Vorteile, die in der operativen Anwendung liegen. Aktuell stellen digitale Plattformen sechs der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt und vier der fünf stärksten Marken. Bei Kennzahlen wie Umsatzwachstum oder Börsenwertzuwachs haben sie die großen Industrieunternehmen längst überflügelt. Maschinen werden zunehmend vernetzt und die anfallenden Daten auf Plattformen aufbereitet und für neue Geschäftsmodelle genutzt. Digitale Plattformen sind heute ein allgegenwärtiger Bestandteil der Internetökonomie. Es gibt sie in immer mehr Sektoren und Bereichen der Wirtschaft und in vielfältigen Ausgestaltungsformen. Die Plattformbetreiber haben es geschafft, eine sehr dominante Rolle auch gegenüber den anderen Marktparteien einzunehmen und wachsende Anteile der Wertschöpfung zu internalisieren.

Die Anforderungswelle bewältigen

Plattformen werden absehbar auch für weitere Bereiche der Wirtschaft von Bedeutung sein: Auch der industrielle Mittelstand kann sich dem globalen Trend zur Plattformwirtschaft nicht entziehen.

Dabei ist aus unserer Sicht die zentrale Frage, wie in Zukunft die arbeitsteilige Wertschöpfung in produzierenden Unternehmen organisiert werden muss, bislang nur unzureichend beantwortet worden: Zum einen kommt auf viele mittelständische Zulieferer eine „Anforderungswelle“ der OEM zu, wenn es um neue - organisatorische wie technische - Standards geht. Zum anderen ist fraglich, inwieweit neue Geschäftsmodelle, die auf Datenbewirtschaftung beruhen, überhaupt den notwendigen Ertrag bringen, um die bisherige Gewinnerwirtschaftung schrittweise abzulösen.

Warum sich der Einstieg jetzt auszahlt

Wie kann ein Unternehmen einzigartig bleiben, wenn ganze Branchen globalen Wertschöpfungsmustern folgen sollen? Ein Teil der Antwort liegt wohl in der Verbreitung und Veräußerung der generischen Fähigkeiten der einzelnen Unternehmen in Form von Dienstleistungen: Für Industrie und Mittelstand ist es zentral, die Entwicklung hin zur Plattformwirtschaft nicht zu verschlafen, denn Wertschöpfung wird sich zukünftig weniger durch Herstellung und Verkauf von Produkten, sondern zusätzlich über Dienstleistungen im Rahmen von Plattformökosystemen realisieren lassen. Wer die Hoheit über Plattformen und Teilnehmer erringt, kann anscheinend einen großen Wettbewerbsvorteil erzielen. Um Größenvorteile und Vernetzung klug zu kombinieren erscheint eine neue Art von Konglomeraten sinnvoll, bei dem die Plattformteilnehmer einen Betreiber nominieren oder subventionieren, damit sich dieser auf die Qualität der Interaktionen und Leistungen und sie selbst sich auf die Leistungserbringung und den Austausch fokussieren können. Die Strategie der Wettbewerber besteht aktuell im Wesentlichen darin, sich zwischen aktuelle Handelspartner und Großkunden zu setzen, etwa über verbesserte Abwicklung.

Gerade für den deutschen Mittelstand, der den Großteil seiner Umsatzerträge in Auslandsmärkten erwirtschaftet, erscheint das Organisationsprinzip Plattform so doppelt reizvoll: Nur so kann er für seine Leistungen branchenübergreifend die notwendige Reichweite und Qualität der Kundenbeziehung gegenüber der neuen Konkurrenz im B2B-Bereich aufrechterhalten.

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