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Management Statement

"Wir sind auf einer Reise in die digitale Welt"

| Redakteur: Julia Moßner-Klett

Der Weg in die digitale Welt ist auch für Unternehmen, die selbst Lösungen für die Umsetzung von Industrie 4.0 anbieten, noch nicht zu Ende. Wir haben mit Jürgen Siefert von Schneider Electric über die Herausforderungen, Stolpersteine und erste Erfolge gesprochen.

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Jürgen Siefert, Vice President Industry DACH bei Schneider Electric
Jürgen Siefert, Vice President Industry DACH bei Schneider Electric
(Bild: Schneider Electric)

80% Ihrer Kunden besitzen bereits Maschinen mit I40-Ansätzen. Welche Branchen sind Ihrer Erfahrung nach am weitesten, was die Umsetzung von „Industrie 4.0“ angeht?

Große Fortschritte sind mit Sicherheit in der Automobilindustrie, der Energieversorgung und im Maschinen- und Anlagenbau zu beobachten. Längst aber werden Industrie 4.0-Konzepte auch in anderen Branchen flächendeckend realisiert, etwa in der Elektrotechnik oder sogar in der Landwirtschaft. Letztlich ist die Umsetzung weniger eine Frage der Branche, als vielmehr des Unternehmens. Schließlich ist Industrie 4.0 kein fertiges Standardprodukt, dass sich beliebig einkaufen und implementieren lässt. Vielmehr setzt Industrie 4.0 ein Umdenken im Bereich der Fertigungsprozesse und der Automatisierungshierarchie voraus – unabhängig von der spezifischen Branche.

Worin liegt Ihrer Meinung nach der größte Vorteil von Industrie-4.0-Ansätzen in produzierenden Betrieben?

Ein bedeutender Aspekt ist die Datenerfassung. Genauer: die Big Data Analyse. Mit Industrie 4.0-Anwendungen können Maschinendaten in Echtzeit erfasst, verwaltet und analysiert werden. Die so gewonnenen, analytisch aufbereiteten Informationen geben Einblick in bis dato unbekannte Beziehungen in der Supply Chain. Mit diesen Erkenntnissen können Unternehmen ihre Produktion insgesamt effizienter und auch flexibler gestalten. Mit der Datenerfassung und -analyse eröffnen sich aber auch neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Denken Sie nur an Predictive Maintenance. Im Rückgriff auf die gesammelten Daten können Maschinenbauer die Lebensdauer von Maschinenkomponenten ständig überwachen und im Bedarfsfall sofort Ersatzteile liefern. Dadurch werden Anlagenstillstände und wartungsbedingte Ausfälle verhindert.

Laut dem Industrie 4.0 Index 2017 setzen 50% der deutschen Unternehmen Industrie 4.0 bereits um. Warum zögern die übrigen Unternehmen noch bei der Umsetzung?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Kleineren Unternehmen fehlt häufig das Personal und die Kapazität, um sich intensiv mit Konzepten der Industrie 4.0 auseinanderzusetzen. Diese Kunden unterstützen wir mit zertifizierten Systemintegratoren, die vor Ort, im Rahmen unseres Machine Integrator Programms, Hilfestellung leisten.

Andere Unternehmen wiederum haben den Mehrwert der Digitalisierung noch nicht für sich entdeckt oder schrecken grundsätzlich vor der Umsetzung von vermeintlich komplexen Industrie 4.0-Projekten zurück. Denn das Thema Industrie 4.0 wird teils sehr abstrakt dargestellt. Hier empfehlen wir in kleinen Schritten vorzugehen: erste Projekte anstoßen, umsetzen und auswerten. Und anschließend den nächsten Schritt gehen. Nehmen wir Augmented Reality als Beispiel. Anfangs können Anlagenbauer diese Technologie in der Fertigung erproben und umsetzen. Dieser Lernprozess bringt Erfahrung und eröffnet neue Geschäftsfelder. Denn nun können sich Hersteller fragen: Was davon wäre auch für unsere Endkunden interessant und was könnten wir ihnen anbieten?

Schneider Electric bietet Lösungen für die Umsetzung von Industrie 4.0 an. Wie schätzen Sie den Digitalisierungsgrad von Schneider Electric selbst ein, z.B. im Hinblick auf Prozesse, Mindset der Mitarbeiter, neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung etc.?

Wie auch unsere Kunden sind wir auf einer Reise in die digitale Welt und lernen ständig dazu. Unser Ziel ist klar: auf dieser Reise wollen wir niemanden verlieren. Daher investieren wir viel Zeit und Geld in Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen. Ebenso investieren wir sehr stark in Hard- und Software für neue, innerbetriebliche Prozesse. So werden beispielsweise sämtliche organisatorischen Führungsaufgaben, egal ob Kostenfreigaben oder Urlaubsanträge, mit Cloud-Lösungen umgesetzt.

Auch mit Blick auf neue Geschäftsmodelle arbeiten wir an vielen unterschiedlichen Ansätzen – und das mit Erfolg. Unsere Projektstudien zur Augmented Reality wurden vor Jahren noch als Spielerei abgetan. Inzwischen jedoch haben viele Kunden den Mehrwert dieser Technologie erkannt und setzen EcoStruxure Augmented Operator Advisor – unsere Augmented-Reality-Lösung – in ihren Maschinen oder in der Fertigung ein.

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