Interview Plattform Industrie 4.0

"Wir müssen lernen, unser herausragendes technologisches Know-how in neue Geschäftsmodelle umzusetzen."

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Welche konkreten Ergebnisse hat die Plattform Industrie 4.0 in den vergangenen Jahren erreicht?

Die Plattform Industrie 4.0 hat fünf Arbeitsgruppen zusammengestellt, die ich in diesem Zusammenhang gerne spezifizieren und mit Ergebnissen reflektieren möchte.

Die erste Arbeitsgruppe macht sich über „Referenzarchitekturen, Standards und Normung“ Gedanken. Sie hat mit dem Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0, kurz RAMI 4.0, ein Koordinatensystem geschaffen, das erstmals alle wesentlichen Aspekte von Industrie 4.0 in drei Dimensionen abbildet. Jüngst hat die Arbeitsgruppe ein einheitliches Interaktionsmodell entwickelt und ausgebaut, das Kommunikationsstandards für die Interaktion zwischen Maschinen, Anlagen, Sensoren und Produkten den Weg bereiten soll. Deutschland ist hier international ein zentraler Referenzpunkt.

Die zweite Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Themen „Forschung und Innovation“. Hier werden in Zusammenarbeit mit dem BMBF Anwendungsszenarien erdacht, Forschungsbedarf identifiziert und Testmöglichkeiten diskutiert. Die Arbeit der Expertinnen und Experten soll sicherstellen, dass Forschungs- und Förderschwerpunkte dort gesetzt werden, wo sie benötigt werden. Das nutzt natürlich auch dem Mittelstand.

Die dritte Arbeitsgruppe „Sicherheit vernetzter Systeme“ befasst sich mit IT-Sicherheit. Die Gruppe hat erst kürzlich einen Sicherheitsleitfaden für KMUs entwickelt, der neben den rein technischen Schutzmaßnahmen auch die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen einer digitalisierten Produktion beschreibt.

Die vierte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den „rechtlichen Rahmenbedingungen“. Hier identifizieren und bearbeiten Rechtsexperten aus spezialisierten Kanzleien und Unternehmen die aus ihrer Sicht wichtigsten rechtlichen Themen von Industrie-4.0-Prozessen – beispielsweise das AGB-Recht, Datenschutzrecht und Arbeitsrecht – und leiten Handlungsempfehlungen für den Gesetzgeber ab.

Die fünfte Arbeitsgruppe fokussiert sich auf das Thema „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“. Auf dem IT-Gipfel vor wenigen Wochen stellte die Gruppe zentrale Handlungsempfehlungen für Politik und Unternehmen vor und präsentierte 15 Good-Practice-Beispiele betrieblicher Qualifizierungsmaßnahmen für die Industrie 4.0.

Insgesamt haben wir also schon eine ganze Menge an Ergebnissen erarbeitet und auch wichtige Impulse in Richtung Politik und Wirtschaft gegeben. Wir sind sicherlich auch hier noch nicht am Ziel und müssen weiterhin viel tun, um unsere gute Position aufrechtzuerhalten.

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