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Interview Plattform Industrie 4.0 "Wir müssen lernen, unser herausragendes technologisches Know-how in neue Geschäftsmodelle umzusetzen."

| Redakteur: Silke Höffken

Vor einigen Wochen sprach Prof. Dr. Andreas Syska im Interview mit unserer Redaktion über „Deutschlands naiven Traum von der deutschen Fabrik“ und die Sorge, dass Industrie 4.0 nicht funktioniert. Nachdem die düstere Prognose auf unserem Portal kontrovers diskutiert wurde, lassen wir nun mit Thomas Hahn von der Plattform Industrie 4.0 einen weiteren Experten zu Wort kommen, der das Thema aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

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(Bild: Pixaybay, CCO Public Domain)

Lieber Herr Hahn, vor einiger Zeit sprach Prof. Dr. Andreas Syska in seinem Expertenbeitrag auf unserem Portal davon, dass Industrie 4.0 eher von Fabrikausrüstern und der Forschung getrieben ist als vom Mittelstand selbst und dass es an Innovation mangelt. Wie sehen Sie diese Aussage?

Wir sind in Deutschland weltweit führend bei der Entwicklung von Industrie-4.0-Lösungen. In der Plattform Industrie 4.0 arbeiten Mittelständler, Konzerne, Vertreter aus Politik und Wissenschaft, Industrieverbände sowie Gewerkschaften daran, die digitale Transformation weiter voranzutreiben. Gerade aufgrund dieses gemeinsamen Vorgehens sind wir auf der ganzen Welt als Ansprechpartner gefragt. In der Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0 erhalten wir nahezu täglich Kooperationsanfragen aus dem In- und Ausland.

Vollkommen richtig ist, dass wir noch lange nicht am Ziel sind und den Blickwinkel nicht auf die rein technische Seite verengen dürfen. Wir müssen bei der Entwicklung an den Bedarf des Marktes denken und entsprechend neue Business-Modelle entwerfen. Auch hier gibt es schon innovative Ansätze, aber da muss noch viel mehr kommen. Auch Themen wie Arbeit, Aus- und Weiterbildung oder rechtliche Rahmenbedingungen sind von elementarer Bedeutung bei der Digitalisierung der Produktion und werden innerhalb der Plattform Industrie 4.0 bearbeitet.

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Was die stärkere Einbindung und Sensibilisierung des Mittelstandes für die angesprochenen Themen betrifft, sind wir bereits auf einem guten Weg. Die Plattform Industrie 4.0 veranstaltet sogenannte Mittelstandstage, über die wir nah an die Bedürfnisse des Mittelstandes herankommen. Darüber hinaus gibt es auch – um nur einige zu nennen – die Kompetenzzentren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die Förderprogramme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und das Labs Netzwerk Industrie 4.0, mit denen bundesweit Testinfrastrukturen zur Verfügung stehen, in denen Mittelständler neue Industrie-4.0-Lösungen testen können. Zum IT-Gipfel 2016 hat die Plattform Industrie 4.0 zur besseren Orientierung den „Industrie-4.0-Kompass“ auf ihrer Website veröffentlicht und bietet damit Orientierung und Zugang zu zahlreichen Unterstützungsangeboten in ganz Deutschland. Wenn Sie mich jetzt fragen, wie viele Mittelständler bereits in den Initiativen aktiv sind, ist der Anteil sicherlich noch zu gering – aber genau daran arbeiten wir, indem wir die entsprechenden Mechanismen aufsetzen.

Ergänzendes zum Thema
Plattform Industrie 4.0

Im Jahr 2013 griffen die drei Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI die Aufforderung der Bundesregierung zur Fortführung und Weiterentwicklung von Industrie 4.0 auf und gründeten die verbandsübergreifende Plattform Industrie 4.0. Im April 2015 wurde die Plattform Industrie 4.0 ausgebaut – weitere Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik kamen hinzu. Die Leitung der Plattform setzt sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Forschung, Industrieverbänden und Politik zusammen. Darüber hinaus sitzen mit Siemens, der Deutschen Telekom, Festo und SAP vier Industrieunternehmen im Lenkungskreis.

Weitere Informationen finden Sie unter www.plattform-i40.de.

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