Digitale Transformation Wieso die Autoindustrie einen Digital Thread braucht

Ein Gastbeitrag von Christian Schwöbel & Soufiane Ameziane*

Dank der Digitalisierung entwickeln sich technologiegetriebene Geschäftsmodelle immer schneller. Dass ein Digital Thread hier entscheidend ist, merkt nun auch die Autoindustrie. Wie der digitale rote Faden Daten aus dem gesamten Unternehmen und den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen hinweg verknüpft.

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Ein verborgener Schatz? Bisher haben sich Fahrzeughersteller bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und Produkten nicht auf Daten verlassen können, weil eine übergreifende Datenstrategie in den meisten Unternehmen fehlte.
Ein verborgener Schatz? Bisher haben sich Fahrzeughersteller bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und Produkten nicht auf Daten verlassen können, weil eine übergreifende Datenstrategie in den meisten Unternehmen fehlte.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Bis vor Kurzem wähnte sich die Automobilbranche noch in Sicherheit und verzeichnete ein rentables Wachstum. Die Basis dafür waren vor allem die Konzentration auf Kosteneffizienz in der Forschung und Entwicklung sowie die Realisierung von Skaleneffekten in den Lieferketten und Fertigungsprozessen. Durch die Verschärfung von wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen in der Corona-Pandemie, wie etwa Lieferengpässe, die das Just-in-Time-Konzept sprengten, stoßen die bisherigen Ansätze jedoch an ihre Grenzen. Das zeigt sich laut Statista auch im Umsatz: 2020 lag der Umsatz bei 378,17 Milliarden Euro und damit um 58 Milliarden deutlich unter dem Vorjahreshoch.

Noch ist kein Ende der Pandemie in Sicht, der somit andauernde Ausnahmezustand feuert den Veränderungsdruck weiter an. Nun sind sowohl weitere Kostensenkungen als auch mehr Flexibilität und Agilität erforderlich. Automobilunternehmen können von erfolgreichen Transformationen in Branchen wie dem Bankwesen und dem Einzelhandel lernen. Diese Unternehmen haben die Art und Weise, wie sie Daten orchestrieren, integrieren und als Wettbewerbsvorteil nutzen, neu konzipiert.

Fragmentierte Daten blockieren Innovationen

Seit mehr als einem Jahrhundert bilden die Bereiche Forschung und Entwicklung, die Produktion sowie Service und Ersatzteile unterschiedliche Prozessphasen der Automobilindustrie. Obwohl in jeder Phase riesige Datenmengen von intelligenten Maschinen, Fahrzeugsensoren und durch Kundeninteraktionen gesammelt werden, bleibt die große Mehrheit davon isoliert. Das Fahrzeug bewegt sich entlang eines physischen Pfades: Es wird entworfen, geplant, produziert, verkauft und vom Endkunden genutzt. Die an jedem Punkt des Prozesses erzeugten und verwendeten Daten bleiben statisch. Sie sind unverbunden, fragmentiert und werden selten oder nur zufällig gemeinsam genutzt oder kombiniert, wie etwa über eine einzelne Maschine, einen Teilprozess oder ein Werk hinaus.

Um in der heutigen digitalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein, ist ein neues Modell erforderlich. Führende Automobilunternehmen sollten einen Digital Thread schaffen, der Daten als einen einzigen umfassenden und präzisen Unternehmenswert verbindet. Dazu gehört nicht nur das Sammeln von detaillierten Daten in verschiedenen Prozessphasen, sondern auch das Auflösen von Silos in verschiedenen Abteilungen oder Systemen, damit alle Daten kombiniert, analysiert und zur Wertschöpfung genutzt werden können.

Fragmentierte Daten blockieren Innovationen und die Einführung neuer Geschäftsmodelle. Effizienz, Kosteneinsparungen und die Flexibilität und Agilität, die für den Wettbewerb auf globalen Märkten erforderlich sind, hängen von integrierten Daten ab. Obwohl viele schnell auf maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz setzen, müssen Automobilunternehmen zunächst den richtigen Kontext und die richtige Datenumgebung schaffen, damit sich diese Technologien entfalten können. Viel zu viele Datenanalyseprojekte scheitern oder bleiben in der Konzeption stecken, weil es keine geeignete Plattform gibt, die sie auf Produktionsebene umfassend unterstützt. Ohne den wesentlichen ersten Schritt der Orchestrierung, Integration und Verwaltung von Daten als ein einziges Asset werden einzelne Projekte, so brillant sie auch sein mögen, nicht die digitale Transformation bewirken, die notwendig ist, um die Branche in die integrierte digitale Welt zu führen.

Daten als Treibstoff für analytische Ansätze

Das Konzept des digitalen roten Fadens überwindet Engpässe und ersetzt manuelle oder halb-manuelle Arbeit. Daten aus einem Teil des Lebenszyklus oder Prozesses fließen in den nächsten, um dort verwendet zu werden, wodurch Wiederholungen, Kopieren und sogar die papierbasierte Übertragung von Informationen von einem System zum anderen reduziert werden. Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch grundlegender: Granularität und Umfang der Daten sind die Grundlage für die Transformation der Industrie 4.0, die Customer Journey und die digitale Transformation des Produktentwicklungsprozesses.

Führende Automobilunternehmen sehen Daten nicht mehr nur als Geschäftsinformationen oder Berichte. Sie werden zum Treibstoff für analytische Ansätze, die schrittweise Verbesserungen bestehender Prozesse und die Innovation von Geschäftsmodellen ermöglichen. Der wirkliche Mehrwert entsteht, wenn der digitale rote Faden relevante Daten aus dem gesamten Unternehmen miteinander verbindet, um völlig neue Ansätze und Wertquellen zu erschließen. Weitsichtige Unternehmen erkennen bereits die Chance und das Potenzial, Digital Threads nicht nur durch das gesamte Unternehmen, sondern auch in die Lieferketten und sogar zu den Verbrauchern und anderen Stakeholdern zu spannen.

Die Industrie 4.0 braucht den Digital Thread als Grundlage

Damit der Digital Thread sein volles Potenzial entfalten kann, braucht es zuallererst eine solide Datenbasis. Gerade die Automobilindustrie kann hier meist aus dem Vollen schöpfen. Nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die Fertigung und Entwicklung sind stetige und hochwertige Datenquellen. Nur bleiben diese bisher oft ungenutzt. Nur jedes vierte europäische Unternehmen in der Automobilindustrie hat Big Data und Analytics bereits implementiert. Doch Daten nicht als statische Ressource, sondern als lebendiges Gut zu betrachten, wird nicht nur nachhaltige Kostenvorteile, sondern auch neue Einnahmequellen und mehr Kundenzufriedenheit ermöglichen.

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* Christian Schwöbel arbeitet als Account Director Automotive bei Teradata. Soufiane Ameziane ist Client Partner Automotive bei Teradata.

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