3D-Druck Kolumne Wie Unternehmen richtig Wissen zum 3D-Druck aufbauen

Autor / Redakteur: Johannes Lutz / Stefan Guggenberger

Beim Wissensaufbau für AM setzten Unternehmen oft auf umfangreiche Schulungen für Mitarbeiter. Wieso diese ‚Druckbetankungen‘ zum 3D-Druck oft nicht den gewünschten Erfolg bringen und was Sie stattdessen tun sollten.

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Zu schneller Wissensaufbau ('Druckbetankung') führt oft nicht zu den gewünschten Erfolgen, weil die Umsetzung scheitert.
Zu schneller Wissensaufbau ('Druckbetankung') führt oft nicht zu den gewünschten Erfolgen, weil die Umsetzung scheitert.
(Bild: 3D Industrie GmbH)

Die monatliche 3D-Druck-Kolumne entsteht in Kooperation mit unserem Autor Johannes Lutz von 3D Industrie. Mehr zum Autor finden Sie am Ende des Textes. Interessieren Sie sich noch für weitere Themen aus der Welt des 3D-Drucks? Dann hören Sie sich den 3D-Druck-Podcast von Johannes Lutz an.

Kleine wie auch große Unternehmen haben immer mehr den Wunsch, die additive Fertigung in ihr tägliches Handeln zu integrieren. Egal welches Ziel verfolgt wird, die erfolgreiche Umsetzung von 3D-Druck ist stark vom Know-how und der Umsetzungskraft der Involvierten abhängig. Der Faktor Mensch wird dabei häufig maßlos unterschätzt. Welche Maßnahmen sind jetzt relevant und welche Tätigkeiten führen zu schnellen und nachhaltigen Resultaten?

Im letzten Beitrag der Kolumne ging es darum, wie Führungsperson einen Leitfaden für die ersten Schritte mit 3D-Druck finden. Diese Kolumne setzt noch früher an, da vor dem Finden eines Leitfadens noch wichtige Schritte durchlaufen werden sollten, die zu einem ‚Booster‘ in der erfolgreichen Umsetzung ihres AM- oder 3D-Druck-Teams führen.

Um als Verantwortlicher für das Thema 3D-Druck schnelle Erfolge in Form von 3D-gedruckten Bauteilen oder dem Kauf eines professionellen 3D-Druckers vorlegen zu können, ist eine schnelle Veränderung der aktuellen Situation notwendig. Dabei wird gerne auf eine umfangreiche und intensive Schulung rund um die additive Fertigung zurückgegriffen. Diese finden nicht selten an renommierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen statt, die sich im Detail auskennen und Erfahrungen teilen.

Nach der ‚Druckbetankung‘ von 3D-Druck-Know-how folgt leider Stillstand

Ist die ‚Druckbetankung‘ mit 3D-Druck-Technikwissen abgeschlossen, soll mit der Umsetzung gestartet werden. Und genau an diesem Punkt fängt es für viele Unternehmen an, schwierig zu werden. Jetzt müssen Anwendungen gefunden und wichtige verantwortungsvolle Entscheidungen, wie die Drucktechnologie, die in Zukunft verwendeten Werkstoffe und Nachbearbeitungsprozesse getroffen werden.

Ab diesem Moment bieten Google, Fachbücher oder Videos keine aussagekräftigen Antworten mehr für die Fragestellungen zur Umsetzung. Kann dann keine Entscheidung getroffen werden, ist das angesammelte Wissen oder die angeschaffte Technologie schnell obsolet. Jede vergangene Woche erhöht den Druck, endlich grundlegende Entscheidungen zur Umsetzung der additiven Fertigung zu treffen.

Diesen Zustand kann man als analytische Lähmung bezeichnen, in dem niemand Sicherheit für die Ungewissheit geben kann, obwohl Wissen und Möglichkeiten vorhanden sind. In Folge neigen Unternehmen eher dazu, weiter abzuwägen und keine Entscheidung zu treffen. Sie harren so lange in der Lähmung aus, bis der Schmerz so groß ist, dass schon beim Gedanken an die additive Fertigung Widerstand oder sogar Reaktanz im Unternehmen entsteht.

Welche Maßnahmen können die Lähmung lösen?

Sollte bei den involvierten Personen Stillstand und Widerstand entstanden sein, so dass es schwer oder energiezehrend ist, neue Dynamik in die additive Fertigung zu bekommen, haben nachstehende Schritte vor allem in meiner Tätigkeit als Berater für 3D-Druck in den Bereichen Anwendungsfindung und Technologieberatung große und schnelle Erfolge geliefert, die zudem nachhaltige Veränderungen hervorgebracht haben:

  • 1. Analyse von Überzeugungen in den Köpfen der involvierten Personen bezogen auf 3D-Druck: Diese Überzeugungen kommen nur durch sehr gut gestellte Fragen des Beraters zum Vorschein. Wichtig ist zu erkennen, wie die vergangenen Geschehnisse zum Thema 3D-Druck bewertet wurden. Es werden also Fragen gestellt, auf die man selbst oder im Team nie gekommen wäre, da man selbst zu tief in der Situation steckt und die eigenen Bewertungen diesbezüglich nie hinterfragt hat.
  • 2. Blockierende Überzeugungen aufzeigen und für die Zukunft richtigstellen: Oft werden Bewertungen angenommen, die in Realität unsinnig sind, aber dennoch als die eine eigene ‚Wahrheit‘ wahrgenommen werden. Somit hat man selbst an eine blockierende Überzeugung geglaubt, die zu Widerstand führte und das Handeln für das zu erreichende Ziel sabotiert.

Sogeffekt baut Druck ab

Bei gefühlten Widerständen in der Umsetzung ist es besser, der Person erst zu verdeutlichen, dass es sich nicht um einen Widerspruch handelt, sondern um eine neue Bewertung der Situation. Dadurch entsteht eher ein Sogeffekt, der eine produktive Entscheidungsfindung fördert und Druck abbaut.

Es ist also ratsamer, durch externe Hilfe unterbewusste Sorgen und Unsicherheiten gegenüber 3D-Druck zu klären. Lösungen mit dem Vorschlaghammer zu erzwingen, bringt nichts, wenn das involvierte 3D-Druck-Team nicht bereit ist, zusätzliches Wissen aufzunehmen. Ein gedanklicher Widerstand besteht nur so lange, bis Sie die richtigen Fragen stellen können. Welche Frage könnte Sie in Ihrer 3D-Druck-Situation weiterbringen?

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