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Zukunftsprognose Wie sieht die Zukunft des produzierenden Gewerbes aus?

| Autor / Redakteur: Peter Portner* / Clara Hartmann

Es ist schwer abzustreiten, dass Prognosen zur Zukunft des verarbeitenden Gewerbes zu treffen, ein viel komplizierteres Unterfangen ist als die Identifizierung künftiger Probleme mit Industriemaschinen. Wie sehen die top fünf Prognosen aus?

Wie wird die Zukunft des produzierenden Gewerbes aussehen?
Wie wird die Zukunft des produzierenden Gewerbes aussehen?
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Für die Analyse einer Vielzahl von Produktionsmaschinen, werden aussagekräftige, aus dem Betrieb dieser Maschinen stammende Daten herangezogen. Diese sind in Datenbanken und IoT-Plattformen gespeichert und werden mithilfe ausgeklügelter, sich selbst verbessernder Machine Learning Algorithmen überwacht und ausgewertet. Für die Konzeption solch raffinierter Algorithmen bedarf es langjähriger Erfahrung im Bereich des Deep Condition Monitoring. Dafür bieten diese einen einzigartigen Einblick in den Zustand jeder überwachten Maschine. Auf diese Weise können Nutzer der Algorithmen zukünftige Probleme frühzeitig erkennen.

Während zustandsbasierte Überwachung auf reichlich quantitative Informationen und modernste KI zurückgreifen kann, stützen sich Prognosen zur Zukunft der Produktionsindustrie mehr auf qualitative Einblicke und sind dadurch anfällig für die Unvollkommenheit und Subjektivität menschlicher Interpretation.

Aus diesem Grund ist eine seriöse Prognose – selbst für die nähere Zukunft – immer ein Wagnis. Deshalb bedient sich die folgende Vorschau eines reichhaltigen Fundus an Erkenntnissen und Informationen, die aus regelmäßigen Gesprächen und fachlichem Austausch mit Branchenexperten gewonnen wurden; viele davon sind Mitglieder der Fortune Global 500.

Auf dieser Datenbasis beruhen die folgenden Top fünf Prognosen für das produzierende Gewerbe im Jahr 2020.

1. Im Bereich der industriellen IoT-Plattformen werden sich Marktführer etablieren

Es ist davon auszugehen, dass sich der Markt für industrielle IoT-Plattformen weiter konsolidiert und im Laufe des Jahres 2020 der Kampf um die Marktführerschaft entschieden sein wird. Kunden und Partner werden sich im Verlauf der nächsten zwei bis drei Jahre um die aus dem Verdrängungswettbewerb hervorgegangenen Sieger versammeln, deren Lösungen sich als Standard etabliert haben. Siemens, OSIsoft und PTC verfügen alle über ein robustes Angebot und dürften sich gut entwickeln. Mit FANUC betritt ein neuer Wettbewerber die Spielfläche, der im Verlauf des nächsten Jahres eine starke Plattform auf die Beine stellen wird.

2. Stärkerer Fokus liegt auf der Erfassung operativer Daten

Im Jahr 2020 werden die Marktführer sich darauf konzentrieren, ihre aus dem Betrieb gewonnenen Daten intelligenter und effizienter zu verwerten. Bei den Herstellern reift gerade die Erkenntnis, dass sie konsistente, aussagekräftige und vergleichbare Datensätze benötigen, um ihre Produktionsprozesse zu optimieren. Sie trennen sich von der verschwenderischen Praktik, alle verfügbaren Daten zu sammeln und auszuwerten, stets in der Hoffnung versteckte Erkenntnisse zu fördern. Ihr Fokus wird sich auf spezifische Datensätze verlagern, wie z.B. die Indikatoren für den Anlagenzustand, die nachweislichen Mehrwert für ihre Unternehmen liefern.

3. Früher Return on Investment für Servitisierung

Der Schritt in Richtung Servitisierung wird 2020 noch mehr Tempo aufnehmen, wenn die Hersteller von produktzentrierten Geschäftsmodellen zu gebündelten Produkt- und Servicemodellen übergehen. Wir erwarten in den nächsten 12 Monaten große Fortschritte in dieser Richtung. OEMs werden in der Folge immer weitere Bereiche der Maschinenüberwachung und -wartung ihrer Industriekunden übernehmen.

4. Projekte zur Implementierung der vorausschauenden Instandhaltung werden größer

Die Etablierung bewährter Verfahren für die datengesteuerte Predictive Maintenance (PdM) – zu deutsch Vorausschauende Instandhaltung – wird im Jahr 2020 einen Wendepunkt darstellen. PdM-Spezialsoftware hat sich bereits durch eine Vielzahl von Implementierungen in kleinerem Rahmen und Proof-of-Concept-Arbeiten als überzeugende Lösung für Industrie 4.0-Anwender erwiesen. Immer mehr dieser Pionierleistungen liefern heute beeindruckende Ergebnisse und überzeugende Returns on Investment (ROI). PdM-Anwendungen werden im Bereich der Wartungslösungen für größere Industrieunternehmen zum Mainstream avancieren; ihre Implementierung wird auf die gesamte Produktion ausgeweitet werden.

5. Entscheider der Industrie fordern ein Aufschließen der Kultur zum aktuellen Stand der Technik

Große Industrieunternehmen werden sich im kommenden Jahr ernsthaft mit der Frage beschäftigen müssen, ob ihre bisherigen Instandhaltungsroutinen die Digitalisierung ihres Betriebs behindern könnten. Neue Technologien haben sich als mächtige Instrumente zur Produktivitätssteigerung erwiesen. Die Erschwinglichkeit der Angebote sowie deren schneller ROI lassen nur einen Schluss zu: Das Einzige, was einer echten digitalen Transformation heute noch im Wege steht, ist die Angst vor Veränderungen und die Scheu davor, die zur Veränderung nötigen Rahmenbedingungen im Unternehmen zu schaffen. Führungskräfte werden vermehrt die Unterstützung von Anbietern in Anspruch nehmen, um einen unternehmerischen Spagat zu meistern. So müssen sie ihren Mitarbeitern die Notwendigkeit für Veränderungen erklären und ihnen im gleichen Atemzug die Angst davor nehmen, dass Maschinen ihnen den Arbeitsplatz stehlen werden.

Es gilt, der gesamten Belegschaft ein Verständnis dafür zu vermitteln, dass der Einsatz von Technologie ihre Arbeit erleichtern und unterstützen soll und nicht darauf abzielt, sie zu ersetzen.

* Peter Portner ist Managing Director bei Senseye.

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