IoT-Factory Wie Sie IoT-Cases im Unternehmen methodisch strukturiert entwickeln

Autor / Redakteur: Marcel Mohr* / Sebastian Human

IoT-Projekte können in Unternehmen nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sie ganzheitlich gedacht werden. Methodisch kommt hier die IoT-Factory ins Spiel. Was es mit diesem Ansatz auf sich hat.

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Sollen IoT-Projekte nachhaltig erfolgreich sein, müssen sie ganzheitlich gedacht werden.
Sollen IoT-Projekte nachhaltig erfolgreich sein, müssen sie ganzheitlich gedacht werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Einsatz des Internet of Things bietet viele Potentiale. Dabei ist es egal, ob Unternehmen die Technik ausschließlich zur Effizienzsteigerung beziehungsweise Optimierung von Produktionsprozessen nutzen oder die Digitalisierung von Endprodukten, inklusive der damit einher gehenden Möglichkeiten bis hin zu After-Sales-Angeboten, zum Ziel haben – die Einsatzmöglichkeiten und Lösungsansätze sind vielfältig. Doch das gilt auch für die Herausforderungen bei deren Einführung.

Herausforderungen beim Einsatz von IoT-Lösungen

Nicht nur die umfassende Anzahl von Einsatzmöglichkeiten und IoT-Lösungen können heraus- und überfordernd wirken, oft herrschen noch immer Unklarheiten und Missverständnisse rund um das Themengebiet IoT vor, die schon am Anfang der Wertschöpfungskette beginnen:

  • Wie definieren einzelne Mitarbeiter des Unternehmens das Internet of Things und wie ist das unternehmensweite IoT-Grundverständnis?
  • Wo fängt IoT im Unternehmen an und wo hört es auf?
  • Wer ist für IoT-Lösungen zuständig?
  • Und welchen Mehrwert erhofft sich das Unternehmen eigentlich?

Insbesondere für große Unternehmen und Konzerne ergeben sich daraus im Kern zwei Herausforderungen:

  • 1. Die Vermeidung von heterogenen Insellösungen, die aus verschiedenen Fachbereichen jeweils für einen bestimmten Anwendungsfall geschaffen werden.

    Beispiel: Das Innovations-Team eines Herstellers mobiler Arbeitsmaschinen arbeitet an der Entwicklung von Predictive-Maintenance-Cases für die eigenen Produkte und baut dazu eine IoT-Infrastruktur auf Microsoft Azure auf. Gleichzeitig verfolgt der Service das Ziel, dem Kunden zukünftig auch ein Flottenmanagement aus der Cloud anbieten zu können und greift dazu auf einen Hersteller zurück, der eine IoT-Hardware mit passenden Cloud-Services als OEM Komplettpaket anbietet.
  • 2. Der Wissensaufbau über IoT-Technologie und die damit einhergehende Förderung von guten Ideen, wie IoT das eigene Unternehmen besser dastehen lassen kann.

    Beispiel: In einem Unternehmen der Prozessindustrie müssen täglich bestimmte Füllstände kontrolliert werden. Aufgrund des großen Werkgeländes ist dafür ein Mitarbeiter jeden Tag 2 Stunden unterwegs. Eine digitale Erfassung über batteriebetriebene IoT-Sensoren wäre einfach und kostengünstig möglich.

Um also einerseits Lösungen technologisch aneinander auszurichten, diese wartbar zu betreiben und langfristig skalieren zu können, und andererseits die Potentiale des Internet of Things für sich beurteilen und kanalisieren zu können, ist eine strategische Verankerung des Themas in der Organisation erforderlich. Hier unterstützt die IoT-Factory.

Die drei Säulen der IoT-Factory

Die IoT-Factory ist ein methodisch unterstützter, organisatorischer Ansatz, um Know-how, Consulting, Entwicklung, Qualitätssicherung und den Betrieb von IoT-Systemen zentral in einem Unternehmen zu bündeln, und im Zusammenspiel mit der bestehenden IT und OT optimal und reaktiv einsetzbar zu machen. Sie fungiert als Bindeglied zwischen Business-Unit, dem Innovationsbereich und der Technik.

Idealerweise folgt die IoT-Factory methodisch dem folgenden Aufbau:

Säule eins: das Team
Diese erste Säule ist der wohl größte Faktor, der über Erfolg oder Scheitern der Methode entscheidet: der organisatorisch getriebene Aufbau eines interdisziplinären Teams, das fachbereichsübergreifend als zentrale Anlaufstelle für alle Projektvorhaben im Bereich IoT-Anwendungen verankert wird.

Expertinnen und Experten sämtlicher Unternehmensbereiche schlüpfen in definierte Rollen und Zuständigkeitsbereiche wie Solution-Responsibles oder Technologie- beziehungsweise Business-Experten und betrachten Use- und Business-Cases. So wird gemeinsam internes Know-how gebündelt und fokussiert auf die Unternehmensziele auf- und ausgebaut.

Die Realisierung von individuellen IoT-Lösungen und die Marktintegration wird somit durch eine fachübergreifende Arbeitsweise mit Experten aus dem IT-Betrieb, der Infrastruktur, dem Vertrieb und Business Development sichergestellt.

Das Aufgabenfeld dieser Experten ist breit gefächert: Sie begleiten alle Schritte des IoT-Projektes und sichern den operativen Unternehmenserfolg durch flexible und schnelle Reaktionen in dem jeweiligen Projekt:

  • von der Aufnahme des Ist-Zustandes bis hin zur Identifikation und Empfehlung relevanter IoT-Technologien
  • von der technischen Detaillierung und Konzeptionierung bis hin zum laufenden Betrieb
  • von organisatorischen Anpassungen bis hin zur strategischen Verankerung

Säule zwei: die Prozesse
Die zweite große Säule für den Erfolg der IoT-Factory ist die Verankerung von Prozessen. Innerhalb des Teams, das sich um die Umsetzung der Methodik kümmert, müssen bestehende Prozesse abgebildet, optimiert oder neu eingeführt werden. Die Themen, die hier behandelt werden, sind komplex:

  • Strategie & Planung von Digitalisierung, Innovation und Innovationsmanagement, Mobilisierung, Produkten und Dienstleistungen
  • Delivery & Infrastruktur – also der Aufbau von Übertragungstechnologien, QS-Prozessen und Firmware-Management
  • Enabling von Mitarbeitern und Fachbereichen, Coaching/Mentoring, Schulungen, Methodik, Agilität
  • IoT-Security – also die Einführung und Einhaltung von Security-Richtlinien, Security-Checks, Frequenzband-Berechtigungen oder Massenupdates bei IoT-Geräten

Alle nötigen Prozesse sollten gemeinsam spezifiziert und in die Organisationsstruktur implementiert werden – immer angelehnt an die Anforderungen, Rahmenbedingungen, Erfahrungen und Best Practices der jeweiligen Experten.

Agile Prozesse und Methoden einzuführen, hilft der transparenten Darstellung von Fortschritten und bietet gleichzeitig die besten Möglichkeiten zur Anpassung von Prioritäten und Rahmenbedingungen. Erarbeitet werden müssen außerdem Automatismen und Regeln für die schnelle und unkomplizierte Schaffung von zusätzlichen Potenzialen, die zur Vereinfachung betrieblicher Abläufe und Prozesse eingesetzt werden können. Technologie-Kataloge stellen hier beispielsweise einen Prozess zur Kategorisierung von Anforderungen dar und helfen, den Umgang und die Implementierung von einzelnen Technologien klar im Unternehmen zu kommunizieren.

Säule drei: die Außenwirkung
Die dritte großen Säule einer IoT-Factory ist die Kommunikation – oder genauer: das interne Marketing. So selbstverständlich und einfach es auch klingen mag: Zu einer ganzheitlichen IoT-Strategie gehört, dass sie im gesamten Unternehmen öffentlich gemacht wird. Verantwortliche müssen für eine Sichtbarkeit der Organisationseinheit IoT-Factory sorgen. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss nicht nur die Methodik dahinter klar sein, sondern auch mit welchen Themen sich das Team beschäftigt – und nicht zuletzt, dass dieses der zentrale Anlaufpunkt aller IoT-Bestrebungen ist.

Das Team, das die IoT-Factory bildet, sollte hier vor allen Dingen eins tun: präsent sein. Sei es in Form von regelmäßigen Informationsveranstaltungen, Plakaten, bedruckten USB-Sticks oder ähnlichem. Das mag unbedeutend klingen, hilft aber ungemein, anhaltende Sichtbarkeit im Unternehmen zu erlangen und somit von einer „Mode-Erscheinung“ zu einer im Unternehmen eingebetteten Organisationseinheit zu werden.

Zukunftsfähigkeit sichern

IoT-Projekte müssen ganzheitlich gedacht werden, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Dies gelingt nur, wenn das Thema Digitalisierung tief im Unternehmen verankert, geplant und umgesetzt wird. Die IoT-Factory hat hier – richtig eingesetzt – als zentrale Einheit mit ihrem methodischen Ansatz die Chance, die unternehmensweiten Ansätze, Ideen und Planungen zu bündeln und strategisch umzusetzen.

Gleichzeitig ist die hinter der IoT-Factory stehenden Methodik kein Wundermittel – ihr Einsatz erfordert zunächst einmal Aufwand. Werden nicht genug Ressourcen investiert, ist auch die IoT-Factory – genau wie alle anderen Projekte und Initiativen – zum Scheitern verurteilt. Bündelt man jedoch die unternehmensweiten IoT-Bemühungen in einer zentralen Einheit, kann dies zum Erfolg führen und langfristig ganz klar auf die digitale Zukunftsfähigkeit des Unternehmens einzahlen.

* Marcel Mohr arbeitet als IoT-Consultant bei der Com2m GmbH.

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