Suchen

Use Case Wie sich Viessmann für die digitale Zukunft aufstellt

| Autor / Redakteur: Claus Gruenewald* / Sebastian Human

Globale Prozesse harmonisieren, um schneller und kostengünstiger zu arbeiten: Mit seiner Zukunftsplattform 2025 treibt Energiesystemhersteller Viessmann den digitalen Wandel voran. Kern der Transformation: ein neues ERP-System.

Firmen zum Thema

In dem es seine ERP-Prozesse weltweit harmonisiert, geht Viessmann einen entscheidenden Schirtt auf dem Weg zur vollständig vernetzten Produktion.
In dem es seine ERP-Prozesse weltweit harmonisiert, geht Viessmann einen entscheidenden Schirtt auf dem Weg zur vollständig vernetzten Produktion.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash )

Die einen fürchten eisige Temperaturen im Wohnzimmer, die anderen Mietminderung: Droht im Winter in einem Mehrfamilienhaus die zentrale Gastherme auszufallen, könnte das für Mieter wie für Vermieter unangenehme Folgen haben.

Solchen und anderen Störungen kann man zuvorkommen, indem die Heizungsanlage mit den Softwaresystemen des Herstellers vernetzt ist und kontinuierlich aktuelle Zustandsdaten überträgt.

Auf diese Weise bemerkt der für die Wartung zuständige Fachpartner rechtzeitig, dass bestimmte Komponenten bald ausfallen können und kann seine Heizungs-Handwerker rechtzeitig losschicken – mit allen passenden Ersatzteilen im Gepäck. So ist der Austausch aller betroffenen Teile vor Ort schnell erledigt, lange bevor die Anlage ausfällt und die Wohnung kalt wird.

Diesen Service will auch Viessmann seinen Kunden bieten. Das Familienunternehmen wandelt sich in diesem Zuge vom klassischen Heiztechnikhersteller zum Komplettanbieter für vernetzte Klimalösungen. Das Unternehmen ist dabei, seine Produkte über Online-Plattformen und digitale Services zunehmend miteinander zu verzahnen. Im Rahmen seiner Zukunftsplattform 2025 will der Hersteller den Wünschen seiner Kunden mit digitalen, datengetriebenen Services entgegenkommen und die vorausschauende Wartung der Energiesysteme möglich machen.

Prozesse weltweit harmonisieren

Innerhalb der kommenden fünf Jahre will der Energiesystemhersteller sämtliche Bereiche und Produktsparten digitalisieren sowie seine Prozesse harmonisieren. Bei den Produktionsprozessen gab es bislang Unterschiede zwischen den einzelnen Standorten.

Hinzu kam, dass die bisher genutzte ERP-Lösung SAP ECC 6 unter anderem Einschränkungen bezüglich der Skalierbarkeit hatte. Mit dem Altsystem hätte Viessmann seine digitalen Zukunftspläne nicht umsetzen können. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Verantwortlichen für den Umstieg auf SAP S/4HANA. Die Entscheidungsträger wollten das ERP-Projekt möglichst zügig über die Bühne bringen. Daher entschieden sie sich gemeinsam mit einem SAP-Partner bewusst dafür, die Prozesslandschaft zu renovieren, unter eine Global Ownership zu stellen und zentral in SAP S/4HANA abzubilden.

Abschied von überflüssigen Eigenentwicklungen

Gemeinsam mit den externen Beratern wurden die Kernprozesse definiert, die verändert werden mussten. Weiterhin definierte man die Prozesse, deren Änderung ein hohes Potenzial für die Fachbereiche boten.

Das Ergebnis: 60 Prozent der bisherigen Prozesse mit hohem Reifegrad ließen sich ins neue ERP-System übernehmen. Gleichzeitig verabschiedete sich der Heiztechnikspezialist von überflüssigen Add-ons und Eigenentwicklungen.

Die übrigen 40 Prozent der Prozesse passten die Berater gemäß der Maxime „Bewährtes erhalten, Überholtes erneuern“ an. Ersetzten also ältere, redundante Lösungen generell durch SAP-Standardfunktionen, zum Beispiel das konsequente Einsetzen des Material Resource Planning (MRP).

Der Effekt: In der Produktion befindet sich das benötigte Material zuverlässig zum benötigten Zeitpunkt am richtigen Ort. So lässt sich die Komplexität innerhalb der Produktionsprozesse reduzieren. Der Vorteil: Kundenaufträge werden schneller und effektiver abgewickelt.

30 Milliarden transferierte Datensätze

Mit dem Umstieg auf seine neue ERP-Lösung konnte Viessmann gezielt einzelne Prozesse optimieren und harmonisieren, globale Standards schaffen, Systeme entschlacken und Daten bereinigen.

Das Gesamtprojekt schlossen die Verantwortlichen in 18 Monaten ab. Die Inbetriebnahme des neuen ERP-Systems erfolgte im „Big Bang“ an einem Wochenende und gilt als die bislang größte Transformation auf SAP S/4HANA in der produzierenden Industrie: In nur zwei Tagen migrierte das Unternehmen 28 Produktionseinheiten in 34 Ländern sowie weltweit 78 Vertriebsorganisationen auf die neue Software. Es galt, 30 Milliarden Datensätze zu transferieren und zu konvertieren – die ältesten reichten bis ins Jahr 1985 zurück – und mehr als 6.000 Nutzer reibungslos auf das neue System umzustellen. Zentrale Bereiche wie Produktion, Versand, Lager liefen währenddessen ohne Unterbrechung weiter.

* Claus Gruenewald arbeitet als Global Vice President Portfolio Management SAP S/4HANA bei SAP.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46568747)