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Wie sich mit der virtuellen Fahrzeug-Fotografie Kosten reduzieren lassen

| Autor / Redakteur: Herbert Baumberger / Benjamin Kirchbeck

Das Zusammenspiel von Cloud-Computing, 5G-Netz, Data Analytics und Künstlicher Intelligenz bietet enormes Potenzial für Automobilhersteller. Zum einen eröffnen sich neue Wege der personalisierten Kundenansprache, zum anderen lassen sich massiv Kosten einsparen. Beispielsweise könnten aufwendige Fahrzeug-Shootings künftig virtuell umgesetzt werden.

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Virtuelles Fotoshooting: Die neue Entwicklung birgt enormes Potenzial, um Kostenreduzierung zu forcieren und Wettbewerbsvorteile zu sichern (Symbolbild).
Virtuelles Fotoshooting: Die neue Entwicklung birgt enormes Potenzial, um Kostenreduzierung zu forcieren und Wettbewerbsvorteile zu sichern (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mittels Render Streaming werden in Zukunft hoch detaillierte Produktpräsentationen auch ohne Spezial-Hardware verfügbar sein. Die personalisierten 3D-Experiences werden damit praktisch auf jedem Gerät erlebbar. Um jedoch diese aufwendigen Produktpräsentationen im Visualizer oder Car Configurator einer Website oder App bieten zu können, wird eine kaum vorstellbare Vielfalt von Bildmaterial erforderlich sein.

Dabei spielen Parameter wie Modellvarianten, Ausstattungsmerkmale, Extras, Farben, Umgebung und Nutzungskontext eine Rolle. Die Varianten der abzubildenden Fahrzeuge wachsen dadurch exponentiell. So wird schnell eine enorme Menge an hochwertigen Fotografien benötigt, die mit klassischer Produktion nicht zeitgerecht und in überschaubarem finanziellen Rahmen produzierbar ist. Alleine der notwendige logistische Aufwand, um ein Fahrzeugmodell in mehreren Varianten an verschiedene Locations zu schaffen, dort unter optimalen Witterungsbedingungen und unter strenger Geheimhaltung aus verschiedensten Blickwinkeln zu fotografieren, und das Bildmaterial dann aufwändig nachzubearbeiten, würde wohl jedes übliche Projektbudget sprengen. Hinzu kommt, dass aufgrund der aktuellen Covid-19-Lage keine oder kaum Fotoshootings stattfinden können. Somit verstreicht ungenutzt wertvolle Zeit bis zur Wiederaufnahme der Geschäfte nach überstandenem Lockdown.

Automatisierte Fotoberechnungen in der Cloud

Das muss aber nicht sein, denn moderne Grafikprozessoren (GPUs) in der Cloud sind heute dazu in der Lage, Fotoshootings virtuell in Echtzeit zu realisieren. Die schier unendliche Bildervielfalt wird hierbei nach den künstlerischen Vorgaben des Designteams einerseits und nach den Personalisierungsansprüchen des Users andererseits in Sekundenbruchteilen errechnet und umgehend ausgeliefert. Die Position und die Einstellungen der Kamera wie ISO-Wert, Blende, Brennweite und Belichtungszeit können wie in der realen Fotografie frei gewählt werden. Sinnvolle Fix- bzw. Grenzwerte sind hier natürlich auch von Nöten.

Das Fahrzeug selbst kann in all seinen Varianten, so sie im CAD (Computer Aided Design) vorliegen und entsprechend aufbereitet wurden, am Set platziert und dargestellt werden. Der logistische Aufwand und die Unsicherheit aufgrund von Umwelteinflüssen wird maximal reduziert. Eine Location muss nur ein einziges Mal geshootet werden und steht von da an digital zur Verfügung steht. Die mühsame Nachbearbeitung, um eventuell unerwünschte Spiegelungen wegzuretuschieren, entfällt komplett, da am virtuellen Set keinerlei störende Objekte, Personen oder Gerätschaften präsent sind.

Bereits im Herbst 2019 konnten Besucher der Unity Unite Konferenz einen entsprechenden Prototypen bestaunen. Die US-Agentur Team One der Publicis Groupe zeigte in Zusammenarbeit mit ihrem Kunden Lexus, wie ein Art Director künftig die unzähligen Möglichkeiten eines Shootings ohne Zeitdruck ganz einfach am Bildschirm durchspielen kann. Der nächste Schritt von dieser vorerst manuellen digitalen Produktion einzelner Bilder hin zu einem automatisierten Fotoshooting-Service in der Cloud liegt nahe.

Automobilhersteller sollten sich daher jetzt mit den technologischen Innovationen auseinandersetzen, die durch die Rechenleistung in der Cloud und schnelle Datenübertragung beflügelt werden. In Zeiten von Covid-19 steht die Branche massiv unter Druck. Die neuen Entwicklungen bergen jedoch enormes Potenzial, um Kostenreduzierung zu forcieren und Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal next-mobility.news erschienen.

* Herbert Baumberger ist Technologie-Experte beim Beratungshaus Publicis Sapient und befasst sich seit über 20 Jahren mit der Konzeption und Implementierung digitaler Services.

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