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Expertenbeitrag

Dr.  Christian Baur

Dr. Christian Baur

CEO/COO, Swisslog Gruppe

Digital Life Wie Logistik die City smart macht

| Autor / Redakteur: Dr. Christian Baur / Jürgen Schreier

Immer mehr Menschen wollen in Städten leben und tun das auch, was für eine steigende Nachfrage nach Wohnraum, mehr Staus und Umweltverschmutzung sorgt. Auch die Logistik muss sich diesem Trend zur Urbanisierung stellen. Welche Lösungen denk- und machbar sind, skizziert dieser Artikel.

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Antwort auf die zunehmende Urbanisierung: Innovative Lösungen für die City- und Filiallogistik
Antwort auf die zunehmende Urbanisierung: Innovative Lösungen für die City- und Filiallogistik
(Bild: Swisslog Logistics Automation)

Mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung leben heute in Städten mit mehr als einer Million Einwohner, wie z.B. Köln oder München. In Europa ist diese Zahl mit 75 Prozent sogar noch deutlich höher. Und: In der Stadt zu leben wird immer populärer. Daraus ergeben sich zahlreiche Herausforderungen, vor allem auf struktureller Ebene. So sollten wir uns fragen, wie wir zukünftig mit Staus, Umweltverschmutzung und der steigenden Nachfrage nach Wohnraum umgehen können.

Es ist notwendig, dass Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, um das Leben in Großstädten weiterhin lebenswert zu machen. Schließlich wird es nach aktuellen Prognosen im Jahr 2030 mehr als 40 Megacities auf der ganzen Welt geben, also Ballungszentren mit mehr als zehn Millionen Einwohnern.

Micro-Living und Sharing – Gelebte Modelle der Stadt

Obwohl Wohnraum immer knapper wird, steht im Kontrast dazu das Überangebot von Kultur und Lifestyle und der Wunsch vieler, daran teilhaben zu können. Ein Ansatz, um der steigenden Stadtbevölkerung gerecht zu werden, sind alternative Wohnkonzepte wie Mikro- oder Makro-Living. Diese sind schon heute keine Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Realität. In Tokio beispielsweise verfügt jeder Bewohner im Schnitt nur über 19 Quadratmeter Wohnfläche.

Ein weiterer Trend: Fahrräder, Roller oder der öffentliche Nahverkehr ersetzen das Auto. In diesem Zusammenhang finden auch Sharing-Modelle mehr Zuspruch. Wir teilen das Fahrrad, unseren Wagen, ja sogar unseren Wohnraum. Dadurch wird die gesamte Stadt, trotz steigendem Mangel an Wohnraum, immer stärker zum Knotenpunkt des täglichen Lebens.

Megacities und Logistik: Wie kann eine Stadt lebenswerter werden?

In diesem dynamischen Prozess der Urbanisierung muss sich die Logistik den veränderten Rahmenbedingungen stellen. Das wichtigste Thema ist aktuell, wie die letzte Meile bis zum Endkunden in Zukunft organisiert werden soll. Eine Möglichkeit, den reibungslosen Transportfluss und eine effiziente Lagerlogistik zu garantieren, sind große Gemeinschaftslager, bei dem sich mehrere Unternehmen Lagerflächen teilen.

In den Randlagen von Großstädten wie Berlin oder Hamburg werden heute bereits solche Modelle erprobt. Dadurch wird der Lagerraum optimal genutzt. Zusätzlich können sich Unternehmen miteinander vernetzen und ihre Waren gemeinsam in die Innenstädte transportieren. So reduziert sich der Verkehr von nicht vollständig ausgelasteten Transportfahrzeugen auf den Straßen und unnötige Staus werden vermieden.

Microdepots in den Städten

Darüber hinaus arbeiten Logistikunternehmen auch an kompakteren Lagersystemen, die in den Innenstädten zum Einsatz kommen könnten. Während große Mengen von Waren in Zentren außerhalb der Stadt gelagert werden, fügen sich Microdepots in das Stadtbild ein. Diese sollen Orte sein, wo Menschen bestellte Waren direkt abholen und auch wieder zurückschicken können.

Der Vorteil: Pakete werden nicht mehr durch einen Zustellfahrer einzeln an den Besteller geliefert, vielmehr können Menschen flexibel Packstationen nutzen und der Warenfluss integriert sich reibungslos in den Alltag. Kürzere Transportwege und somit geringere CO2-Ausstöße wären nur weitere der daraus folgenden Vorteile.

Smart City – Zukunftsvision oder heute schon Realität?

Nur mit neuen Methoden wird es gelingen, eine schnelle und darüber hinaus auch flexible Zustellung zu bieten. Liefertaxis, Lastenfahrräder, Drohnen und Roboter werden zukünftig zu Schlüsselelementen in der Transportlogistik, um den steigenden Kundenansprüchen gerecht zu werden. Anwohner wollen keine 7,5-Tonner vor der Tür, die die Straßen verstopfen. Gleichzeitig wollen sie aber nicht auf Fast-Delivery verzichten.

Einige Städte, beispielsweise Amsterdam, leben bereits das Modell „Smart City“: Eine Stadt, an der jeder aktiv teilhaben und mitgestalten kann. Was wir brauchen, sind innovative Lösungen und neue Denkansätze, um auch die Stadt der Zukunft lebenswert zu machen.

Dr. Christian Baur ist CEO der Swisslog AG, Buchs (Schweiz).

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Über den Autor

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