Kreative KI Wie künstliche Intelligenz die Musikbranche aufmischt

Autor / Redakteur: Rory Kenny* / Hendrik Härter

Musik komponieren ist ein kreativer und auch sehr emotionaler Prozess. Kann künstliche Intelligenz Menschen ersetzen? Nein, sagt Rory Kenny von Loudly. Mensch und Maschine können nur gemeinsam Erfolg haben.

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Singen und kompnieren ist ein kreativer Prozess. Wird künstliche Intelligenz den Menschen verdrängen?
Singen und kompnieren ist ein kreativer Prozess. Wird künstliche Intelligenz den Menschen verdrängen?
(Bild: alisaapps / Pixabay )

Die Algorithmen einer künstlichen Intelligenz (KI) unterstützen uns im Alltag und in vielen Branchen sind sie nicht mehr wegzudenken. Doch ähnlich wie Maschinen vor über einhundert Jahren die menschliche Arbeitskraft zu bedrohen schienen, herrscht derzeit erneut Angst darüber, dass KI den Menschen eines Tages ersetzen wird.

So gehen laut einer Befragung von Bitkom Research aus September 2020 65 Prozent der Befragten in Deutschland davon aus, dass KI zum Abbau von Arbeitsplätzen führen wird [1]. 45 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass der Einsatz von KI wiederum langweilige Routinetätigkeiten reduzieren kann und so auch Fehler vermieden werden können. Immerhin kann die KI im Gegensatz zum Menschen innerhalb kürzester Zeit große Datenmengen auswerten und Datenmuster schnell und objektiv erkennen [2].

Die künstliche Intelligenz in der Musikbranche

Es stimmt zwar, dass die KI einige Berufsbilder verändert und sie neu definieren wird. Dennoch werden neue technische Entwicklungen die Arbeitsplätze der Menschen nie gänzlich ersetzen. Denn menschliche Arbeitsweisen, Emotionen und Empathie kann die KI nicht vollends ersetzen. Doch die Frage ist: Wie kann KI Menschen im Arbeitsalltag unterstützen und welche spannenden Arbeitsplätze schafft sie bereits jetzt?

Setzt man sich mit dem Thema KI auseinander, so stößt man auf die unterschiedlichsten Begriffsdefinitionen. Der häufig verwendete Oberbegriff KI umfasst Techniken wie maschinelles Lernen (ML), Deep Learning, Computer Vision oder Natural Language Processing (kurz NLP). Alle genannten Techniken, sowohl einzeln betrachtet als auch in Kombination, machen die dafür vorgesehenen Anwendungen erst intelligent.

Microsoft beschreibt das Konzept der künstlichen Intelligenz folgendermaßen: „Unter künstlicher Intelligenz (KI) verstehen wir Technologien, die menschliche Fähigkeiten im Sehen, Hören, Analysieren, Entscheiden und Handeln ergänzen und stärken [3].“ Hier finden wir das wesentliche Merkmal der KI, den Grundsatz der Ergänzung und Stärkung menschlicher Fertigkeiten, nicht des pauschalen Ersetzens – besonders in der Technologie- und Musikbranche findet dieses Merkmal seit geraumer Zeit großen Anklang.

Wenn eine künstliche Intelligenz kreativ wird

Der britische Logiker und Mathematiker Alan Turing verfasste bereits 1950 ein Papier, in dem er seinen berühmten Turing-Test vorstellte. Mit dieser Methodik sollte sich Intelligenz eines Computers bestimmen lassen. Über Text- und Spracheingabe kommuniziert ein Mensch mit einer Maschine. Die Maschine gilt dann als intelligent, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich bei seinem Gegenüber um einen anderen Menschen oder eine Maschine handelt.

Turing war ebenfalls von den kreativen Kompetenzen der Maschinen fasziniert. Ein Jahr später baute er ein Modell, welches in der Lage war, drei einfache Melodien eigenständig zu generieren. Die Technik hat sich seither wesentlich weiterentwickelt – heute sind Musiker der Meinung, dass mit einer KI eine neue, goldene Ära der Kreativität bevorsteht [4].

Hört man sich in der Gesellschaft um, so gehen viele davon aus, dass Roboter und Algorithmen immer mehr Aufgaben übernehmen werden, die bislang nur von Menschen erledigt werden konnten. Die logische Konsequenz scheint zu sein, dass Arbeitsplätze, die heute noch von Menschen besetzt werden, langfristig verschwinden werden. Laut des Weltwirtschaftsforums fallen im Zuge der immer stärkeren Nutzung von KI bis 2022 etwa 75 Mio. Arbeitsplätze weg. Gleichzeitig wird die Entstehung von 133 Mio. neuen Arbeitsplätzen prognostiziert. In Summe bedeutet das die Schaffung von 58 Mio. neuen Arbeitsstellen [5].

Neue Jobs dank künstlicher Intelligenz

Bereits jetzt hat KI nicht nur existente Jobs ersetzt – sie hat auch neue Arbeitsplätze und -profile kreiert. So etwa den Chief Trust Officer im Bankenwesen oder Data Scientists in der IT-Branche. Über die Zeit hinweg wird es wohl kaum eine Branche geben, die nicht auf die eine oder andere Weise von der KI-Technik profitieren wird. Besonders die Musikindustrie findet heute schon erste Einsatzbereiche für KI:

  • KI-Musikkomponisten wenden musikalisches Expertenwissen auf das KI-System an, einschließlich genrespezifischer Songstrukturen.
  • Music-Engine-Entwickler schreiben die Code-Basis für die Kern-Music-Engine, um die eigentliche Musik zu erzeugen, die von der KI generiert werden soll.
  • Musikproduzenten für loopbasierte Audio-Tracks komponieren mehrere Original-Musikstücke in Studioqualität pro Monat, die dem KI-Musiksystem hinzugefügt werden.

Doch KI ist nicht einfach da. Um sie gewinnbringend nutzen zu können, muss sie mit qualitativen Daten gefüttert, lernen und regelmäßig trainiert werden. Allein für diesen Aspekt bleibt der Mensch unabdingbar. Und so streben wir bei Loudly ein Miteinander zwischen Mensch und Technik an – kein entweder oder.

KI und der Mensch – gemeinsam wird ein Schuh draus

Genau wie die Arbeitswelt 4.0 von vernetzter Digitalisierung und Flexibilität geprägt ist, wird die Arbeitswelt 5.0 durch eine immer enger werdende Zusammenarbeit von Mensch und Maschine definiert sein. KI wird dabei zum intelligenten Assistenten des Menschen. Denn KI-Anwendungen haben das Potenzial Menschen aufwändige und zeitraubende Routinetätigkeiten abzunehmen. So verschaffen sie ihnen mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben. Beispielsweise können KI-Musikplattformen wie Loudly passende Songs oder Soundtracks für Künstler, Creator, Marketeers und Unternehmen komponieren.

Sicher ist auch, dass die KI menschliche Tätigkeiten nicht vollends ersetzen kann und wird. Durch die fortschreitende Automatisierung von Prozessen und den vermehrten Einsatz von KI werden andere Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen, wie etwa Kommunikations- und Verhandlungsgeschick, Sozialkompetenz, Empathie und Führungsvermögen. Diese Soft Skills lassen sich nicht durch eine KI ersetzen, hier wird immer menschliches Geschick gefragt sein.

KI-Musik und menschlich komponierte Musik trennen

Die Entwicklung von KI-Musik ist bereits jetzt im Gange. Es gibt allerdings noch einige Aufgaben und Probleme, denen wir uns in diesem Prozess stellen müssen. Daher wird es noch eine lange Zeit dauern, bis KI-Musik allein der Schönheit von von Menschen erzeugter Musik entsprechen wird.

KI-gestützte Musik wird einem anderen Zweck dienen und wir bei Loudly vergleichen sie auch keineswegs mit menschlicher Musik. Das zu tun wäre schlicht falsch. Menschliche Musik hat Geschichte, Kontext und persönliche Erfahrung, sie ist clever, lässt uns träumen, reißt uns mit und ist ein Tor zu Erinnerungen.

KI hat per Definition keine Geschichte oder Kontext und sie verfügt über keine Emotionen. Es ist daher wichtig, KI-Musik und menschlich komponierte Musik zu trennen. Wir denken, eine KI wird niemals in der Lage sein, einen menschlichen Ausdruck zu replizieren. Das kann auch niemand ernsthaft wollen. Was sie aber tun kann, ist uns zu helfen, kreativer zu sein. Wenn man eine KI-Software startet, ist das Level-Playing-Field für alle gleich, und was man dann darüber hinaus tut, ist was das einzigartige Talent ausmacht.

Für uns ist die Quintessenz bei der Musikkreation, dass sie kollaborativ sein muss. Und das ist das Ziel für KI [4].

Referenzen

[1] Künstliche Intelligenz – Von der Strategie zum Handeln. Abgerufen am 27. Oktober 2021.

[2] Künstliche Intelligenz vs. Mensch – Sind Wir Ersetzbar? Abgerufen am 27. Oktober 2021.

[3] Microsoft erklärt: Was ist künstliche Intelligenz? Definition & Funktionen von KI vom 4. März 2020. Abgerufen am 27. Oktober 2021.

[4] Interview: Wo und wie Künstliche Intelligenz bald Musiker*innen ersetzen könnte vom 16. Februar 2021. Abgerufen am 27. Oktober 2021.

[5] Insight Report: The Future of Jobs Report 2018. PDF-Dokument. Abgerufen am 27. Oktober 2021.

* Rory Kenny ist Gründer und CEO von Loudly, einem Musiktechnologie-Unternehmen aus Berlin, das KI-gestützte Musik für die weltweit wachsende Influencer- und Kreativ-Community anbietet.

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