Expertenbeitrag

Dr. Sören Trebst

Dr. Sören Trebst

Vorsitzender der Geschäftsführung, 1&1 Versatel

Industrial Cyber-Security Wie kritische Infrastrukturen mit Digitalisierung zukunftssicher werden

Autor / Redakteur: Dr. Sören Trebst / Stefan Guggenberger

Kritische Infrastrukturen zählen zu den Hauptpfeilern von Gesellschaft und Wirtschaft, weshalb ihr reibungsloser Betrieb zu jeder Zeit gewährleistet sein muss. Defizite bei der Digitalisierung dieser Strukturen wurden in der COVID-19-Krise deutlich.

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Zeitgemäße Vernetzungs- und IT-Sicherheitslösungen sowie Glasfaser-Verbindungen können dabei helfen, kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke sicherer zu machen.
Zeitgemäße Vernetzungs- und IT-Sicherheitslösungen sowie Glasfaser-Verbindungen können dabei helfen, kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke sicherer zu machen.
(Bild: gemeinfrei // Pexels)

Energie, Gesundheit, Staat und Verwaltung, Ernährung, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen, Medien und Kultur, Wasser sowie Informations- und Kommunikationstechnik– zählen zu den kritischen Infrastrukturen (KRITIS) und sind für das staatliche Gemeinwesen unverzichtbar. Fallen sie aus oder sind beeinträchtigt, hat dies nachhaltige Versorgungsengpässe und erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit zur Folge. Eine zuverlässige und leistungsfähige Telekommunikationsinfrastruktur ist für KRITIS daher besonders entscheidend – sei es für die Ausstattung von Arbeitsplatzrechnern oder für den Betrieb bestimmter industrieller Kontrollsysteme, zum Beispiel in der Wasserversorgung.

Erhöhter Bandbreitenbedarf in Krisenzeiten

Die COVID-19-Pandemie hat KRITIS vor neue Herausforderungen gestellt: Damit ihr Betrieb auch während der Krise weiterlaufen konnte, waren sie auf moderne digitale Lösungen angewiesen. Das spiegelte sich auch im steigenden Bandbreitenbedarf wider. Standortübergreifendes und mobiles Arbeiten, der Versand großer Datenmengen und der verstärkte Einsatz von Videokonferenzsystemen sowie anderer Kollaborationstools erfordern hohe Stabilität der Anbindungen sowie stabile Bandbreiten mit geringen Latenzzeiten.

Bandbreitenupgrades können hier schnell Abhilfe schaffen. Allerdings sind diese nur bedingt technisch realisierbar – VDSL-Anschlüsse beispielsweise ermöglichen maximal 250 MBit/s. Anders sieht es bei Glasfaser-Anschlüssen aus: Mit möglichen Bandbreiten von bis zu 100 GBit/s sind diese nahezu unbegrenzt skalierbar und somit problemlos in den hohen Gigabit-Bereich upzugraden.

Immer wichtiger wird zudem die sogenannte symmetrische Anbindung, das heißt die gleiche Geschwindigkeit im Up- wie im Downstream. Während heute noch für einfaches Internetsurfen asymmetrische Anschlüsse mit deutlich reduzierter Upstreamleistung – wie zum Beispiel DSL oder TV-Koaxialkabel – ausreichen, benötigen Cloudapplikationen, Videokonferenzen und andere Geschäftsanwendungen symmetrische Bandbreiten – diese bietet nur echte Glasfaser.

Von einer flächendeckenden Glasfaserverfügbarkeit ist Deutschland derzeit allerdings noch weit entfernt. Laut einer repräsentativen Umfrage, die Yougov im Auftrag von 1&1 Versatel durchgeführt hat, haben erst 23 Prozent der deutschen Unternehmen bereits einen Glasfaseranschluss – 43 Prozent glauben, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre einen brauchen werden.

Cyberrisiken durch einheitliche IT-Infrastrukturen vorbeugen

Die Coronavirus-Krise hat aber auch offenbart: Noch längst nicht alle KRITIS-Unternehmen und -Einrichtungen erfüllen aktuell die technischen Voraussetzungen für ortsunabhängiges Arbeiten im Homeoffice. Notwendige IT- und Telekommunikationsinfrastrukturen mussten in einigen Fällen mehr oder weniger über Nacht geschaffen werden – ein idealer Nährboden für Cyberrisiken.

Einheitliche Firmennetzwerke können mögliche Sicherheitslücken schließen: Um stets den Überblick über den Sicherheitsstatus des Gesamtsystems zu behalten, sollten offene und verschlüsselte Internetverbindungen sowie hochsichere MPLS-VPN-Anbindungen ausschließlich unter Anwendung einer leistungsfähigen Overlay-Struktur (zum Beispiel SD-WAN) vermischt werden, über die auch eine zusätzliche Verschlüsselung der Daten aktiviert werden kann. Wichtig ist zudem, dass sich die Dienste keinesfalls gegenseitig beeinflussen können und stets die am besten geeignete und verfügbare Leitung für die dienstbezogenen Datenpakete gefunden wird.

Eine Glasfaserinfrastruktur schafft hier wichtige Voraussetzungen, beispielsweise für die Einrichtung von Virtual Local Area Networks (VLANs), die Terminierung von Sprachdiensten sowie die Bereitstellung von Internet oder Firmendaten über verschiedene Router. So können bei einem Hardware-Ausfall die anderen Dienste problemlos weiterarbeiten. Backup-Systeme über getrennte Access-Technologien (zum Beispiel VDSL oder LTE) ermöglichen ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Auf diese Weise ist im Ernstfall gewährleistet, dass nur ein Dienst ausfällt und nicht alle Bereiche auf einmal betroffen sind.

Viele Unternehmen haben die Sicherheitsrisiken erkannt und investieren verstärkt in IT-Sicherheits- und -Vernetzungslösungen, um digitale Daten und Infrastrukturen zu schützen. Das belegt auch die oben genannte Yougov-Umfrage: Jedes zweite Unternehmen gab an, bereits Investitionen zum Datenschutz getätigt zu haben beziehungsweise diese aktuell zu planen. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch auch, dass es bei diesem Thema noch erheblichen Nachholbedarf gibt.

Telekommunikationsinfrastrukturen krisen- und zukunftssicher aufstellen

Die COVID-19-Pandemie hat deutliche Digitalisierungs-Defizite bei deutschen Unternehmen und Einrichtungen offengelegt. Sie sollte daher als Anstoß gesehen werden, die Telekommunikationsinfrastrukturen von KRITIS für die Zukunft zu wappnen und auf zuverlässige und moderne Lösungen umzurüsten. Wenn das gelingt, bietet die Krise aber auch die Chance, die digitale Transformation in Deutschland nachhaltig und in nie dagewesenem Maße voranzutreiben.

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