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Expertenbeitrag

 Mauro Adorno

Mauro Adorno

Managing Director für Europa, ToolsGroup GmbH

Supply Chain Wie ist der Stand der digitalen Transformation in der Supply Chain?

| Redakteur: Vivien Deffner

Laut einer in Nordamerika durchgeführte Umfrage* haben zwei Drittel der Unternehmen die digitale Transformation in der Supply-Chain-Planung noch nicht vollzogen. Nur 7 Prozent der Unternehmen sind bereits so weit, dass sie von der digitalen Transformation profitieren. Hierzulande dürften die Zahlen ähnlich oder sogar schlechter aussehen.

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Die digitale Transformation in der Supply Chain schreitet bis jetzt eher langsam voran. Doch nach und nach werden Vorkehrungen für einen digitalen Wandel getroffen.
Die digitale Transformation in der Supply Chain schreitet bis jetzt eher langsam voran. Doch nach und nach werden Vorkehrungen für einen digitalen Wandel getroffen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

So hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 500 Unternehmen mit Logistikprozessen ergeben, dass vier von fünf Unternehmen, die Waren transportieren, die Digitalisierung als größte Herausforderung in der Logistik ansehen. Nur eine Minderheit der Befragten setzt demnach in der Logistik heute bereits Technologien wie 3D-Druck, Blockchain oder KI ein.

Vorsichtig mit neuen technologischen Innovationen...

Supply-Chain-Führungskräfte sind keine Vorreiter bei der Einführung von disruptiven und innovativen Technologien (siehe auch Abbildung 1). Das ist verständlich. Schließlich können fehlgeschlagene Technologie-Implementierungen in der Supply Chain schnell zu dauerhaften Reputationsschäden einer Marke führen. Darüber hinaus ist die Integration vieler Technologien, die für die digitale Transformation der Supply Chain gebraucht werden, oft komplex, langwierig und teuer. Die Verknüpfung von Business-IT-Systemen mit proprietären Altsystemen ist in diesem Umfeld oft besonders schwierig.

Die eingangs erwähnte Umfrage zeigt, dass Supply-Chain-Führungskräfte in Nordamerika am ehesten IoT- und Robotik-Technologien nutzen, wobei 21 Prozent beziehungsweise 18 Prozent der Befragten hier aktuell Projekte durchführen. Beides sind Technologiekategorien, die sich bewährt und im Mainstream etabliert haben.

Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und verwandter Technologien wie digitale Assistenten, Conversational Commerce und maschinelles Lernen sieht man in Nordamerika eine breitere Akzeptanz als in Deutschland. Während dort bereits 16 Prozent der Befragten KI-Projekte durchführt, sind es laut der erwähnten Umfrage der Bitkom in Deutschland nur 6 Prozent.

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Nur wenige Befragte aus Nordamerika berichteten, dass sie bereits Projekte mit Drohnen (12 Prozent) oder fahrerlosen Transport (sieben Prozent) durchführen – trotz des erheblichen Hypes um diese Technologien. Auch in Deutschland zeigt die Umfrage der Bitkom ähnliche Ergebnisse – hier setzen nur 2 Prozent Drohnen, aber immerhin 21 Prozent fahrerlose Staplersysteme ein.

Angesichts der Risiken und relativen Unreife vieler dieser neuen disruptiven Technologien ist es verständlich, dass deren Einsatz in einem so kritischen Bereich wie der Supply Chain eher langsam an Fahrt gewinnt. Es ist davon auszugehen, dass sich dies ändern wird, sobald mehr Tests abgeschlossen und gesetzliche Rahmenbedingungen definiert sind.

...und bei dem Ersatz von alten Technologien

Interessanterweise gibt es bei den Befragten in Nordamerika einen Zusammenhang zwischen deren Einstellung zum Wandel und deren Befürchtungen bezüglich der Altsysteme. 30 Prozent nannten die Angst vor Veränderungen als Hauptfaktor, der die digitale Transformation behindert. Risikoscheu nimmt mit 24 Prozent den dritten Platz ein. Datenqualität/ Datenmangel wurde immerhin von 25 Prozent und eine rigide Technologieinfrastruktur von 22 Prozent der Befragten als Hindernisse genannt (siehe auch Abbildung 2).

Viele Supply-Chain-Führungskräfte sind risikoavers und befürchten Änderungen, gerade weil sie sich im Rahmen der digitalen Transformation mit großen Problemen der Altdaten- und IT-Infrastruktur auseinandersetzen müssen. Zwar liegen hier keine Zahlen aus Deutschland vor, aber aus Erfahrung würde ich sagen, dass die Situation hierzulande ähnlich ist.

Die „echte“ digitale Transformation ist komplex und erfordert viel Integrationsarbeit

Supply Chain Verantwortliche betrachten die digitale Transformation zu Recht als eine komplexe, integrierte Initiative, die Menschen, Prozesse, Technologien, Richtlinien und Kennzahlen umfasst. Dies ist ein Grund, warum wir sehen, dass einige Unternehmen von rein technologieorientierte Lösungen wie „digitale Zwillinge“ zunächst zurückschrecken. Anstatt sich zu beeilen, disruptive und innovative Technologien einzuführen, bauen diese Unternehmen erst die richtige Infrastruktur auf, um diese Technologien in Übereinstimmung mit den operativen Geschäftszielen richtig zu implementieren und zu warten. Sie arbeiten auch daran, Fachkräfte weiterzubilden und einzustellen, um die Technologien gewinnbringend einzusetzen und Change-Management-Prinzipien zu integrieren, um diese Fähigkeiten effektiv in die Unternehmenskultur einzubinden.

Die Umfrage aus Nordamerika hat gezeigt, dass viele der befragten Unternehmen auf bestehenden Mitarbeiter setzen, um die digitale Transformation in der Supply Chain zu bewältigen. 41 Prozent setzen auf internes Wachstum/ Beförderungen und 31 Prozent auf gezielte Weiterbildungsmaßnahmen (siehe auch Abbildung 3). In Deutschland sind diese Zahlen laut Bitkom noch höher – hier vermitteln bereits 44 Prozent der befragten Unternehmen einzelnen Mitarbeitern und 23 Prozent allen oder einen Großteil der Mitarbeiter Digitalkompetenz. Angesichts des vorherrschenden Fachkräftemangels eine gute Maßnahme, um den digitalen Wandel reibungslos durchzuführen.

Darüber hinaus schreiten die Bemühungen, die Vorteile der digitalen Transformation in der Supply Chain auszuschöpfen, durchaus voran. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Möglichkeiten von Technologien wie KI, IoT & Co dazu geführt haben, dass die Supply Chain mehr Aufmerksamkeit vonseiten der Geschäftsleitung und des Vorstands bekommt. Und das ist gut so, denn es ist jetzt an der Zeit, eine Strategie für die digitale Transformation der Supply Chain umzusetzen, bevor Chancen und Wettbewerbsvorteile verloren gehen. Schließlich will kein Unternehmen sein „Kodak Moment“ erleben und die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen, sich sofort auf die eigene digitale Transformationsstrategie festlegen zu müssen oder möglicherweise für immer von der Bühne zu treten.

* Die Umfrage finden Sie hier.

(ID:46309670)

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 Mauro Adorno

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