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Netzwerkvirtualisierung

Wie funktionieren Service Connection Plattformen?

| Autor/ Redakteur: Michael Kochanik / Jürgen Schreier

Weil Distributed Computing die Basis für die digitale Transformation bildet, muss auch das Netzwerk transformiert werden. Mit einer Service Connection Plattform lassen sich anwendungsspezifische Netze über jeden Internetzugang aufzusetzen.

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Wirklich verteilte Anwendungen und Micro-Services in der Cloud benötigen ein Netzwerk, das stabil, sicher und automatisiert ist, das überall verfügbar ist und flexibel erweiterbar bleibt.
Wirklich verteilte Anwendungen und Micro-Services in der Cloud benötigen ein Netzwerk, das stabil, sicher und automatisiert ist, das überall verfügbar ist und flexibel erweiterbar bleibt.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Ohne Zweifel ist die digitale Transformation gegenwärtig die wichtigste Aufgabe für Unternehmens- und IT-Leiter. Es gilt sicherzustellen, dass ihr angestammtes Geschäftsmodell in einer sich schnell verändernden Wettbewerbsumgebung überleben kann. Lediglich das Internet hat das Potenzial, als Wide-Area-Network für die vierte industrielle Revolution zu dienen.

Tatsächlich wird der Begriff vierte industrielle Revolution derzeit noch vielerorts diskutiert. Einige Experten sind der Ansicht, dass verteiltes Rechnen lediglich eine neuere Version der Digitalisierung darstellt. Tatsächlich gibt es einige Charakteristika, die die gegenwärtige Entwicklung der Technologie von reinem digitalen Rechnen unterscheidet – und sie basieren alle auf der Fähigkeit, Menschen, Funktionen und Geräte über Netzwerke miteinander zu verbinden.

Funktionsweise einer Service-Connection-Plattform am Beispiel der NetFoundry-Lösung
Funktionsweise einer Service-Connection-Plattform am Beispiel der NetFoundry-Lösung
(Bild: NetFoundry )

Wir sehen uns heute Milliarden von verteilten PCs und IoT-Geräten gegenüber, die alle über unterschiedlichste mobile und kabelgebundene Netzkonfigurationen gekoppelt sind. Selbst die wichtigsten Unternehmensanwendungen basieren inzwischen auf der Kooperation von Micro-Services und Schnittstellen von unzähligen Entwicklern und Herstellern, die über unterschiedlichste Provider bereitgestellt und über verschiedenste Netzwerke transportiert werden. Und weil die Evolution nicht mehr länger durch Hardware-Entwicklung und -Installation behindert wird, findet dies alles in Softwaregeschwindigkeit statt, angetrieben durch Technologien wie künstliche Intelligenz oder Augmented Reality und folglich mit der Notwendigkeit, Big Data zu transportieren.

Das Ende einer Ära

Es ist klar, dass das Netzwerk selbst die Grundlage für die digitale Transformation bildet, ebenso wie die Gleisanlagen und Autobahnen die Basis für den Transport von Gütern die erste industrielle Revolution ermöglicht haben. Selbstverständlich muss auch das Netzwerk selbst fortentwickelt werden, um den Anforderungen der digitalen und verteilten Prozesse gerecht werden zu können.

Telekommunikationsanbieter, Service-Provider und Unternehmen haben weltweit Netzwerke installiert, die auf den jeweils zeitgemäßen Technologien, Kundenanforderungen und wirtschaftlichen Kalkulationen beruht haben. Sie waren für die ökonomische Servicebereitstellung konzipiert. Noch heute vertrauen Organisationen weltweit auf konventionelle Netzwerke, die ihren Fokus auf Client-Server-Computing mit einer sehr kleinen Zahl von festen Standorten haben. Tatsächlich basieren diese Netzwerke auf Hardware-Boxen, die einen hohen manuellen Aufwand für die Installation bedingen und ihre jeweils eigenen Betriebs- und Managementsysteme mit sich bringen. Sie leiden unter fehlender Automation, sie arbeiten in Silos und sie verfügen nicht über die Fähigkeit, sich mit Applikationen zu verbinden.

Wirklich verteilte Anwendungen und Micro-Services in der Cloud benötigen aber ein Netzwerk, das stabil, sicher und automatisiert ist, das überall verfügbar ist und flexibel erweiterbar bleibt. Dies kann nur mit einem Netz erreicht werden, das weitestgehend auf Software basiert und nicht auf Boxen. Folgerichtig ist Software Defined Networking (SDN) der erste Schritt im Prozess der Netzwerkautomatisierung. Mit SDN werden die Netzgeräte via Softwareschnittstelle programmiert. Dies erlaubt zunächst schnellere Konfigurationsänderungen und verbesserte Sicherheit, völlig unabhängig von jeweiligen Herstellern der Geräte.

Die Technologie der Network Functions Virtualization (NFV) geht noch einen Schritt darüber hinaus, indem sie die Transportfunktion von der darunterliegenden Netzwerkinfrastruktur entkoppelt. Auch wenn NFV heute vorzugsweise von Service-Providern genutzt wird, beschäftigt sich die Mehrzahl der großen Unternehmen derzeit damit, diese Technologie zu erforschen oder zu installieren. NFV ermöglicht es, neue Services schnell zu entwickeln, bereitzustellen und zu verwalten.

Das Internet wurde lange Zeit als wenig berechenbar hinsichtlich der Leistung, der Zuverlässigkeit und der Sicherheit im Vergleich zu konventionellen Netztechnologien betrachtet. Bei näherer Betrachtung aber bietet ausschließlich das Internet gerade die Skalierbarkeit, die Verbreitung, die Stabilität, die Flexibilität sowie die Wirtschaftlichkeit, um als Gleisanlage für die vierte industrielle Revolution zu taugen.

Netzressourcen einfach und nutzerfreundlich verwalten

Allerdings ist ein entscheidender Schritt notwendig, um das Internet zur Erfüllung der Anforderungen zu ertüchtigen. Es benötigt eine zusätzliche Schicht zwischen den Anwendungen und dem Netzwerk. Dieser „Service Connection Layer“ ermöglicht die Entwicklung neuer Funktionen, die als Virtualisierungs- und Abstraktionsplattformen dienen und Anwendungen wie Administratoren in die Lage versetzen, die verfügbaren Netzressourcen einfach und nutzerfreundlich zu verwalten.

Mit diesem Konzept ist es möglich, softwarebasierte und anwendungsspezifische Netze über jeden Internetzugang aufzusetzen und die Notwendigkeit privater Netze, herstellerspezifischer Hardware und Telekommunikationslösungen zu eliminieren. Um allerdings als Infrastruktur selbst für geschäftskritische Prozesse zu dienen, müssen diese Service Connection Plattformen vier wichtige Funktionen erfüllen:

  • Erstens entkoppelt der Service Connection Layer das Netzwerk von der zugrunde liegenden Infrastruktur und ermöglicht unabhängige Programmierung von Funktionen via Programmierschnittstellen (APIs).
  • Zweitens müssen die Service Connection Plattformen Integration, Kommunikation und Kooperation ermöglichen, basierend auf APIs und Steuerungen, die dafür geschaffen sind, Netzwerkfunktionen in die jeweiligen Anwendungen einzubetten.
  • Drittens müssen die Service Connection Plattformen es den Applikationen ermöglichen, bei Bedarf anwendungsspezifische virtuelle Netze quasi ad hoc aufzubauen.
  • Schließlich ist es viertens unverzichtbar, die notwendige Authentisierung, Autorisierung, Compliance, Kontrolle und Transparenz bereitzustellen, um die geschäftskritischen Datenübertragungsprozesse zu sichern. Unter dieser Voraussetzung wäre ein entsprechendes Sicherheitsmodell sogar weniger angreifbar als konventionelle Virtual Private Networks (VPN), die vor dem Problem der Verschlüsselung im Zeitalter der Quantencomputer stehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die zukünftigen Hochleistungsrechner auch komplexe Verschlüsselungsmethoden aushebeln werden können.

Agile Netzwerke sind die Voraussetzung für die digitale Transformation

Agile Netzwerke sind die Voraussetzung für die digitale Transformation. Aber die gegenwärtige hardwarebasierte Infrastruktur ist hochkomplex und unflexibel. Die zeitaufwendige Installation, Änderung und Optimierung von Netzen sind einer der Mühlsteine um den Hals des digitalen Business. Das Konzept des anwendungsspezifischen und bedarfsgerechten Networkings auf Basis des Internet ist der Ausweg für Organisationen, die ihrem Wettbewerb voraus sein wollen – und auf lange Sicht die Perspektive für ein immer verfügbares und flächendeckendes Netz der Zukunft. Entsprechende Lösungen sind verfügbar und erlauben es heute, jede Anwendung sicher und performant über das Internet an beliebigen Orten zu vernetzen.

Michael Kochanik ist Co-Founder von NetFoundry. Er besitzt einen Bachelor in Engineering sowie einen MBA der Seton Hall University. Seine Laufbahn startete er bei Lockheed Martin, bevor er mehrere Start-ups durch die erste Finanzierungsrunde begleitete.
Michael Kochanik ist Co-Founder von NetFoundry. Er besitzt einen Bachelor in Engineering sowie einen MBA der Seton Hall University. Seine Laufbahn startete er bei Lockheed Martin, bevor er mehrere Start-ups durch die erste Finanzierungsrunde begleitete.
(Bild: NetFoundry )

Dieser Beitrag ist ursprünglich in unserem Magazin "Next Industry" erschienen.

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