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Smart School Wie digital muss die "Penne" sein?

Redakteur: Jürgen Schreier

Brauchen wir mehr digitale Bildung? "Ja", sagt die große Mehrheit der vom Bitkom befragten Bürger. Diese spricht sich für Investitionen in die digitale Bildung aus, in mehr digitale Technologie und Lernmittel an den Schulen. Um das Thema voran zu bringen, hat der Digitalverband einen Smart-School-Wettbewerb ausgerufen.

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Schule digital - allerdings in China!
Schule digital - allerdings in China!
(Bild: Pixabay / CC0 )

„Mit ihrer heutigen Aussage hat Kollegin Wanka die gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Gemeinden für eine moderne Bildungsinfrastruktur sowie den nachhaltigen Willen, diese Verantwortung am Beispiel der Computertechnologie gemeinsam wahrzunehmen, nochmals bestätigt", schwärmte in der vergangenen Woche Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spänle.

Deutschland offline?

Gemeint war die Aussage von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bezüglich einer "konsequente Fortsetzung" des Wegs zu dem zwischen Kultusministerkonferenz und Bundesbildungsministerium besprochenen „DigitalPakt Schule von Bund und Ländern“. Im Herbst 2016 hatte Ministerin Wanka für den Bund erklärt, die Länder bei der Ausstattung der Schulen mit Computertechnologie nachhaltig unterstützen zu wollen, zugleich aber betont, dass die Umsetzung erst nach der Bundestagswahl 2017 erfolgen solle.

Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund. Und "Weile haben" ist oft die einzige Alternative in einem Land, in dem man sich als Internet-Poweruser - zumindest in bestimmten Regionen - eher "offline" wähnt. "Überall schnelles Internet? Gibt es demnächst in Ruanda, aber nicht in Deutschland", ätzte dieser Tage ein bekanntes Nachrichtenmagazin aus Hamburg auf seinem Internetportal.

Gut 80 Prozent der Bürger wollen die Digitalisierung der Schule

Doch nicht allein die in dem Artikel erwähnte Familie Bücking, die irgendwo zwischen Erfurt und Halle auf dem Dorfe leben soll, wird der erhoffte Genuss eines Youtube-Videos wegen permanenten Ruckelns rasch zum Verdruss. Sogar in Spänles Heimat, im Land von "Laptop und Lederhose" (so 1998 der frühere Bundespräsident Roman Herzog anlässlich der Eröffnung der "Neuen Messe München" ), das sich gerne seiner Innovations- und Wirtschaftskraft rühmt, kommt der Ausbau des Breitband-Internet nicht wirklich zügig voran.

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verspielen. Deutschland braucht jetzt zwingend eine digitale Bildungsoffensive.“
Bitkom-Präsident Achim Berg: „Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verspielen. Deutschland braucht jetzt zwingend eine digitale Bildungsoffensive.“
(Bild: Bitkom)

Dabei gelte es gerade hier, ordentlich Gas zu geben, schließlich fordern nach der heute vorgelegten Studie des Digitalverbandes Bitkom acht von zehn Bundesbürgern (ab 14 Jahren), dass Bund und Länder mehr in Digitaltechnik an Schulen und die Ausstattung mit digitalen Lernmitteln investieren - was natürlich wiederum ein hinreichend schnelles Internet voraussetzt.

Lehrer brauchen Nachilfeunterricht in "Digital"

Etwa ebenso viele (83 Prozent) halten den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen für genauso wichtig wie Investitionen in das (oft marode) Schulgebäude. Auch beim Lehrpersonal sehen 93 Prozent der Befragten in Sachen Digitalkompetenz noch Luft nach oben und sind der Meinung, diese müssten darin besser ausgebildet werden. „Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verspielen. Deutschland braucht jetzt zwingend eine digitale Bildungsoffensive“, warnt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die Politik in Bund und Ländern steht in der Pflicht: Digitale Kompetenzen und eine digitale Infrastruktur gehören in Deutschlands Schulen. Die Bevölkerung hat das längst erkannt.“

Und so sieht die gie große Mehrheit der Befragten das deutsche Bildungssystem vor großen Herausforderungen. Drei Viertel (76 Prozent) äußerten in der Umfrage die Ansicht, dass dieses nicht ausreichend auf ein Leben und Arbeiten in der digitalen Welt vorbereite. Fast ebenso viele (73 Prozent) zeigten sich überzeugt, dass Deutschlands Schulen bei der digitalen Bildung im internationalen Vergleich deutlich hinterher hinken würden.

Neben digitalen Technologien müssen für die Mehrheit der vom Bitkom Befragten auch digitale Inhalte und der kompetente Umgang damit auf den Stundenplan. 85 Prozent der Befragten sagten, dass angesichts von Fake News, "Hass-Rede" und Mobbing im Internet der richtige und verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien verstärkt gelehrt werden sollte.

Smart-School-Wettbewerb zeichnet digitale Vorreiter aus

Nach Vorstellungen des Bitkom, der die Interessen der deutschen ITK-Wirtschaft vertritt, sollen Deutschlands Schulen in den kommenden Jahren zu "Smart Schools" weiterentwickelt werden.

Das Konzept basiert auf drei Säulen: Investitionen in die digitale Infrastruktur, die Entwicklung digital-pädagogischer Konzepte und Inhalte sowie die entsprechende Qualifizierung der Lehrkräfte. Bundesweit wurden bislang bereits fünf Smart Schools ausgezeichnet: die Bellevue-Gemeinschaftsschule in Saarbrücken und das Gymnasium Wendalinum in St. Wendel (Saarland), die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe (Baden-Württemberg), die Elisabethenschule in Frankfurt am Main (Hessen) und das Leininger-Gymnasium in Grünstadt (Rheinland-Pfalz).

Um die Digitalisierung der Schulen zu fördern, hat der Bitkom einen Smart-School-Wettbewerb ausgerufen. Bis Ende 2017 sollen bundesweit bis zu 20 weitere Smart Schools für ihre Anstrengungen gewürdigt werden. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Bewerbung finden sich unter www.smart-school.de/. Auch bayerische Schulen dürfen natürlich mitmachen.

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