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Expertenbeitrag

 Arman Sarhaddar

Arman Sarhaddar

CEO, Vault Security Systems AG

Cyberkriminalität in der Coronakrise Wie die Blockchain vor Arzneimittelfälschungen schützt

| Autor / Redakteur: Arman Sarhaddar / Vivien Deffner

Während Wissenschaftler weltweit nach einer zielgerichteten Behandlung von COVID-19 suchen, bringen organisierte Banden mehr und mehr gefälschte Medikamente in den Umlauf. Eine gesundheitsgefährdende Entwicklung, die gestoppt werden muss. Hier kann die Blockchain-Technologie Abhilfe schaffen.

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Gefälschte Arzneimittel können ein großes Risiko darstellen - die Blockchain kann helfen, solche Fälschungen zu identifizieren.
Gefälschte Arzneimittel können ein großes Risiko darstellen - die Blockchain kann helfen, solche Fälschungen zu identifizieren.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Die Blockchain-Technologie steht für Dezentralität, Vertrauen, Anonymität, Transparenz und Manipulationssicherheit. Das sind Eigenschaften, die auch außerhalb der Finanzwelt eine wichtige Rolle spielen können – zum Beispiel bei der Bekämpfung des Coronavirus. Nicht zuletzt deshalb hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation WHO schon Ende März mit Firmen wie IBM, Oracle und Microsoft zusammengeschlossen, die die Blockchain-Technik bereits nutzen, um eine Plattform zu entwickeln, auf der Daten zur Eindämmung des Infektionsgeschehens gesammelt und geteilt werden.

Eine derartige Plattform ist längst nicht die einzige Möglichkeit, Blockchain in der aktuellen Gesundheitskrise einzusetzen. Die Technologie hat das Zeug, bei der Bewältigung der Pandemie in vielerlei Hinsicht zu helfen. Um die gesundheitlichen Gefährdungen der Bevölkerung in der Zeit des globalen Güterhandels zu verringern, kann die Blockchain ganz konkret bei der Bekämpfung der Arzneimittelfälschung eingesetzt werden.

In Zeiten des Coronavirus steigt die Fälschung von Medikamenten an

Noch nie haben sich weltweit so schnell so viele Wissenschaftler in der Forschung zu Therapiemöglichkeiten gegen ein Virus vereint, das fast acht Milliarden Menschen gefährdet. Gleichzeitig zeigen sich Auswirkungen der Krise auch an der Front der schon vorhandenen Medikamente gegen andere Krankheiten. Die Ermittler von Europol warnen beispielsweise vor einer schnell steigenden Zahl von kriminellen Verbrechen mit Bezug zur Corona-Krise. Laut einem Bericht der Strafverfolgungsbehörde der EU stellt diese zunehmend Fälle von Cyberkriminalität, Betrug, Diebstahl und Fälschungen fest. Der Verkauf von gefälschten Schutzartikeln und Medikamenten ist seit dem Ausbruch der Krise um ein Vielfaches gestiegen. Fälscher nutzen den Mangel an Schutzmasken oder Desinfektionsgels aus, um Profit zu schlagen.

Besonders dringend benötigte Medikamente sind betroffen

Im März 2020 waren nach Angaben von Europol bei einem weltweiten Polizeieinsatz in mehr als 90 Ländern unter anderem rund 4,4 Millionen gefälschte Medikamente und etwa 34.000 gefälschte chirurgische Masken sichergestellt worden. Zu den gefälschten Produkten gehörten antivirale Medikamente, das Anti-Malariamittel Chloroquin sowie Vitaminpräparate. Erst kürzlich konnten zudem Forscher des Pharmazeutischen Instituts der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für ärztliche Mission (Difäm) mehrere gefälschte Chloroquin-Präparate im Kongo und in Kamerun identifizieren. Beispiele wie diese, aber auch Beobachtungen bei pharmazeutischen Produkten wie Viagra und Antibiotika zeigen, dass beliebte und dringend gebrauchte Medikamente besonders häufig gefälscht werden.

Speziell die Nachfrage nach künftigen Heilmitteln gegen das Coronavirus wird enorm sein und das Angebot wird zwangsläufig hinterherhinken. Coronavirus Präparate könnten, sobald sie massentauglich in Produktion gehen, nicht nur die Arzneimittel des Jahres, sondern auch die Arzneimittelfälschungen des Jahres werden.

Das größte Einfallstor für gefälschte Medikamente ist nach wie vor das Internet. Gerade jetzt bestellen Zehntausende Menschen Arzneimittel, auch verschreibungspflichtige Präparate, arglos im Netz. Und auch dort sind organisierte Banden aktiv. Derartige kriminelle Aktivitäten sind während einer Gesundheitskrise besonders bedrohlich und gefährden Menschenleben.

Gibt es einen absoluten Schutz gegen kriminelle Machenschaften?

Medikamentenhersteller überwachen ihre Zulieferer, prüfen die Echtheit von Zulieferungen und betreiben einen hohen Aufwand bei der Qualitätssicherung. Doch ist ein absoluter Schutz gegen Kriminalität überhaupt möglich?

Die Blockchain-Technologie kann mir ihren Eigenschaften durchaus optimalen Schutz gegen den Eintritt von Arzneimittelfälschungen in die Lieferkette bieten. Denn Daten werden nicht zentral gespeichert: Die Distribution von Daten auf Nodes – Computern – in einem globalen Netzwerk ergibt eine dezentralisierte Datenbank.

Alle Einträge werden auf den Computern individuell verschlüsselt. Außerdem müssen Änderungen von allen Nodes im System bestätigt werden, sodass Blockchain-Lösungen praktisch unhackbar sind und Daten nicht mehr manipuliert werden können. Die Blockchain vereinfacht die Erkennung von Fälschungen und ermöglicht eine Rückverfolgung der Schwachstelle, da sie die höchstmögliche Transparenz der Supply Chain für den Hersteller bietet.

Potentiell könnte sogar jeder Käufer selbst die Möglichkeit haben, ein gekauftes Medikament auf seine Echtheit zu prüfen – per Scan eines QR-Codes auf der Produktverpackung via App. So erkennt jeder Einzelne, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt. Damit sorgt die Blockchain nicht nur für bestmöglichen Markenschutz, sondern auch Produkt- und Patientensicherheit.

Fälschungssicherheit kann noch erhöht werden

Neben der Verbindung von Distributed-Ledger-Technologie mit QR-Codes sind Blockchain-Lösungen auch mit anderen Technologien kompatibel und verknüpfbar, um die Fälschungssicherheit noch mehr zu erhöhen, zum Beispiel Technologielösungen wie RFID oder GPS, die auf einem kontaktlosen Datenaustausch basieren. Die Eigenschaften von Blockchain-Technologien bringen für Unternehmen viele Vorteile.

Eine so hohe Produkt- und Fälschungssicherheit ist nur mit der Blockchain möglich und dient zugleich als eine effektive Abschreckung gegen Fälschungskriminalität, da recht einfach herauszufinden ist, an welcher Stelle Fälschungen in die Supply Chain gelangt sind.

Blockchain wird zu Recht herangezogen, um deren Vorzüge in der gegenwärtigen Krise zu nutzen. Die lange als Synonym zur Kryptowährung verkannte Technologie kann die so nötige Transparenz und Sicherheit bringen, um letztendlich am Retten von Menschenleben beteiligt zu sein.

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