Smart Factory Level Three Wie die Automation von Regeln, Standards und Routinen gelingt

Von Steffen Wulf*

Im vorausgegangenen Teil dieser Serie haben wir gesehen, wie man Routinen und Standards auf den Prüfstand stellt. Nun soll es daran gehen, die verbleibenden Regeln, Standards und Routinen zu automatisieren.

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Die Automatisierung von Routinen und ähnlichem kann eine Erleichterung der Arbeit und die Entlastung der Mitarbeitenden bewirken.
Die Automatisierung von Routinen und ähnlichem kann eine Erleichterung der Arbeit und die Entlastung der Mitarbeitenden bewirken.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Mit den bisherigen Schritten haben wir die digitale Vernetzung unserer Maschinen und Anlagen vorangetrieben und eine transparente Fabrik erreicht. Auf Basis der gewonnenen Einblicke konnten wir weitere Verbesserungen ableiten und unsere üblichen Vorgehensweisen und Routinen auf den Prüfstand stellen.

Hierbei konnten auch verschiedene Regeln, Standards und Routinen weiter verbessert werden.
Im nächsten Schritt können wir einige dieser Routinen automatisieren. Im Fokus stehen hier Automationen auf Datenebene und nicht die weitere Automatisierung unserer Anlagen.

Zwecke benennen und zweckgebunden handeln

Jede Automation sollte einem bestimmten Zweck dienen. Automatisierung an und für sich kann kein Ziel sein und lässt sich so auch nur schwierig vermitteln. Gute Gründe für Automationen sind die Erleichterung der Arbeit und die Entlastung der Mitarbeitenden.

Können beispielsweise Standards automatisiert werden, dann müssen sich die Führungskräfte nicht mehr um das Einhalten und Etablieren dieser kümmern, sondern können sich stärker ihren eigentlichen Aufgaben widmen. Zudem kann mit Hilfe automatischer Standards auch in Audits nichts mehr schief gehen.

Die Entlastung bei den täglichen Aufgaben stellt einen weiteren starken Zweck dar.
So können zum Beispiel Informationen automatisch transportiert und im richtigen Format bereitgestellt werden. Aufgaben können immer vollständig und mit eindeutiger Verantwortung vergeben werden. So verringern sich automatisch die Zeiten bei der Ausführung – schließlich muss niemand mehr etwas suchen, Daten hin und her kopieren oder Formate anpassen.

Allerdings sollte klar sein, dass mit der hier beschriebenen Form der Automation Entscheidungen an Maschinen delegiert werden. Deshalb müssen für diejenigen Routinen, die automatisiert werden sollen, besondere Anforderungen gelten.

Programmierfähige Routinen identifizieren

Diese exemplarische Skizzierung verdeutlicht das Wenn-Dann-Sonst-Prinzip.
Diese exemplarische Skizzierung verdeutlicht das Wenn-Dann-Sonst-Prinzip.
(Bild: Steffen Wulf/iStock/cnythzl)

Jede Routine, jeder Standard und jede Regel lässt sich im Prinzip programmierfähig darstellen und beschreiben. Viele von ihnen sind jedoch nicht gut genug, um erfolgreich programmiert werden zu können.

Wir müssen also diejenigen Routinen identifizieren, die wirklich und vor allem zweckdienlich automatisiert werden können.

Hierbei helfen folgende Leitfragen:

  • Können wir die Vorteile und den Zweck dieser Automation klar benennen?
  • Können wir die Routine vollständig digital und ohne Medienbrüche abbilden?
  • Können wir allen Beteiligten alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellen, wenn aus einer Routine auch eine Handlung folgen soll?
  • Kann die Routine als Regel beschrieben werden? Für eine Programmierung muss eine Wenn-Dann-Sonst-Beschreibung möglich sein und es darf kein sowohl als auch geben.
  • Können die Fälle, in denen die Routine greift, eindeutig identifiziert werden? Gibt es die notwendigen Daten, um die Fälle eindeutig zu identifizieren? Müssen gegebenenfalls noch weitere Daten oder Parameter hinzugefügt werden, um die Fälle eindeutig zu identifizieren? Können virtuelle Sensoren hierbei vielleicht helfen
  • Ist sie robust genug, um in wirklich vielen Fällen zu funktionieren? Können wir uns darauf verlassen?
  • Ist sie zeitgemäß und zukunftsfähig? Haben wir es mit einer Routine zu tun, die auch in einiger Zeit noch gut funktionieren sollte? Passt sie zu unseren anderen Fortschritten im Bereich digitale Transformation?
  • Passt sie ins Bild beziehungsweise in die IT-Landschaft? Nicht jede neue Routine sollte eine neue Insel sein.
  • Sind ausreichend Personen qualifiziert, um die Routine adäquat einzusetzen beziehungsweise zu nutzen?
  • Haben wir die notwendigen Technologien und Programme, die wir für die Automation brauchen, bereits implementiert? Nutzen wir hierbei auch die Vorteile von Low Code oder No Code?

Bei der Beantwortung dieser Fragen werden verschiedene Gedanken und Ansätze nicht mehr erfolgreich erscheinen. Das macht nichts, da es zunächst ohnehin sinnvoller ist, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die direkt sinnvoll und machbar erscheinen.

Mit den Routinen, die die Prüfung bestanden haben, können wir dann weiter machen und in die konkrete, programmierfähige Beschreibung der Regeln gehen.

Denken wie ein Programmierer

Das Gestalten von Wenn-Dann-Sonst-Beziehungen und -Schleifen ist Kern jeder Programmierung. Wir sollten diese Form des Denkens nun auf unsere Routinen anwenden und die Regeln in dieser Art und Weise beschreiben. Liegt eine Beschreibung in dieser Form vor, kann auch die Umsetzung in der IT stark beschleunigt erfolgen.

Es lohnt sich sicher, diese Form des Denkens zu üben und sich immer wieder selbst zu fragen, ob ein Standard auch so beschrieben werden kann. Besonderes Augenmerk sollte hier auf das Wenn gelegt werden – dies ist oft der schwierigste Teil, da die Fälle nicht immer so einfach klar identifiziert werden können und gegebenenfalls auch Kombinationen von Daten oder Merkmalen notwendig sind.

Technologien zur Umsetzung

Für die Umsetzung bieten sich insbesondere zwei Technologien an: Robotic Process Automation (RPA) und Workflow-Engines.

Zur Umsetzung der Routinen-Automatisierung eigenen sich Robotic Process Automation (RPA) und Workflow-Engines.
Zur Umsetzung der Routinen-Automatisierung eigenen sich Robotic Process Automation (RPA) und Workflow-Engines.
(Bild: Steffen Wulf/iStock/cnythzl)

Beide Technologien haben eine deutliche Schnittmenge, aber jeweils einen anderen Ausgangspunkt:

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Bei RPA steht die einzelne Regel im Fokus und ein Prozess ergibt sich aus einer Aneinanderreihung einzelner Regeln. Bei Workflows stellt die Prozessdarstellung den Ausgangspunkt dar und die Regeln werden später den einzelnen Prozessschritten zugeordnet.

Automationen können auf jeden Fall mit beiden Technologien realisiert werden. Es kommt auf den jeweiligen Fall an, welche Technologie zu einem schnelleren Ergebnis führt.

Die Programmierung hat sich übrigens in den letzten Jahren deutlich vereinfacht und folgt überwiegend Low-Code-Ansätzen. Das bedeutet beispielsweise, dass es grafische Oberflächen gibt, Prozesse einfach zusammengeschoben oder Regeln mittels Click-to-Get definiert werden können.

Viele aktuelle Tools aus dem Bereich Business Process Management bieten heutzutage auch direkt das ganze Paket: Neben Workflows gibt es RPA, die notwendigen Schnittstellen zu anderen Anwendungen und vielleicht auch gleich Process Intelligence mit dazu. Mit Hilfe eines solchen Tools gelingt die Umsetzung von Automationen auf schnelle Art und Weise – zudem verschafft Process Intelligence – unter Umständen kombiniert mit Organisation Mining - Hinweise für weitere Verbesserungen und belegt jeden Prozess mit entsprechenden Kennzahlen.

* Steffen Wulf verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Lean Experte/Inhouse-Consultant in der Industrie und bietet Projektmanagement, Beratung und Training zur Digitalen Transformation an.

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