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Handy-Hygiene nicht nur in Corona-Zeiten Wie desinfiziert man sein Smartphone richtig?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Das Reinigen und Desinfizieren von "Rugged Gear" ist kein Problem, denn gegen Wasser und Desinfektionsmittel sind solche Geräte resistent. "Normale" Smartphones und Tablets aber nicht. Und so hat man am Fraunhofer IOSB-AST eine Lösung entwickelt, die mit UVC-Licht arbeitet.

Prototyp des Handydesinfektionssystems
Prototyp des Handydesinfektionssystems
(Bild: Thomas Westerhoff/Fraunhofer IOSB-AST)

Smartphones, Tablets und ähnliche mobile Wegbegleiter werden täglich unzählige Male in die Hand genommen. Meist spielen hygienische Aspekte dabei allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Im klinischen Bereich sieht es jedoch anders aus. Hier werden Tablets und Smartphones inzwischen vielseitig genutzt und gehen auch von Hand zu Hand. Eine Desinfektion ist daher zur Verhinderung von Erregerübertragungen unbedingt nötig.

Smartphones sind Bakteriensammler

Bei "Rugged Phones" und anderen "rugged" Endgeräten wie sie in der Logistik, im Industrie-4.0-Umfeld oder auf der Baustelle zum Einsatz kommen, ist die Reinigung wegen der Wasserdichtigkeit der Geräte kein Problem und sollte aus Arbeitsschutzgründen eigentlich regelmäßig erfolgen. Schließlich gehen solche Devices meist von Hand zu Hand.

Schon seit Jahren sind Smartphones und Mobiltelefone als Sammler von Bakterien bekannt. Durch die häufigen Berührungen durch Hand und Ohr sowie die verschiedensten Ablageorte der Geräte sind sie vielen Verunreinigungen ausgesetzt. Nutzer sollten darauf achten, wo das eigene Gerät abgelegt, wann es in die Hand genommen oder an wen es weitergereicht wird.

Rugged Phones lassen sich problemlos desinfizieren - ob mit Sprays oder Hygienetüchern.
Rugged Phones lassen sich problemlos desinfizieren - ob mit Sprays oder Hygienetüchern.
(Bild: Cyrus)

Cyrus Technology, Hersteller von "Rugged Phones" empfiehlt, vor allem nach der Verwendung im Outdoor-Bereich, die regelmäßige Reinigung des Telefons mit in die eigenen Gewohnheiten aufzunehmen. Grundsätzlich ist die Reinigung sehr einfach und kann -je nach Schutzart - sogar beim Händewaschen geschehen.

So sind Geräte mit der gängigen Schutzklasse IP67 staubdicht und halten (beim Untertauchen) Wasser für einen bestimmten, kurzen Zeitraum ab. Geräten der Schutzklasse IP68 macht sogar dauerndes Untertauchen nichts aus.

Bei "Rugged Phones": Schotten dicht und Wasser marsch

Cyrus Technology weist darauf hin, dass natürlich alle Verschlüsse und Anschlussdichtungen zur Reinigung geschlossen sein müssen. Nutzer sollten demnach überprüfen, ob alle Anschlüsse sowie das SIM-Karten Fach fest versiegelt sind.

Daraufhin wird zuerst die reguläre Reinigung mit Wasser empfohlen. Auch die Desinfektion ist zumindest bei den "Rugged Phones" von Cyrus Technology jederzeit möglich. Das saubere und trockene Gerät kann dann mit einem beliebigen Desinfektionsmittel sorgfältig behandelt werden. Allerdings ist dabei zu vermeiden, dass die Anschlüsse selbst mit Flüssigkeit in Berührung kommen.

Beim "normalen" Smartphone oder Tablet gestaltet sich die Sache mit der Desinfektion hingegen komplizierter. Der Einsatz von chemischen Mitteln verbietet sich hier, da die fettabweisende Beschichtung der Displays hierdurch zerstört wird. Dafür haben Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer IOSB-AST aus Ilmenau eine technische Innovation entwickelt: Sie sieht von außen wie eine handelsübliche Mikrowelle aus. Im Inneren kommen aber so genannten UVC-LEDs – Leuchtdioden, die mit ultraviolettem Licht arbeiten – mit einer Wellenlänge von 269nm zum Einsatz .

Per Licht desinfiziert und mittels NFC-Reader identifiziert

Insgesamt sind zwei separate UVC-LED-Module mit jeweils 10 UVC-LEDs für die Ober- und Unterseite des Smartphones verbaut. Jede UVC-LED besitzt eine Leistung von 100 Milliwatt, sodass die Gesamtstrahlleistung zwei Watt beträgt. So wird in nur wenigen Sekunden eine Bestrahlungsdosis von 800 J/m² erreicht, was eine effiziente Inaktivierung von Bakterien und Viren ermöglicht.

Smartphones werden mit der Lösung aber nicht nur einfach per Licht desinfiziert, sondern über einen NFC-Reader auch identifiziert, die applizierte Dosis über einen Sensor erfasst und protokolliert. Somit ist jeder Desinfektionsvorgang validierbar und dem jeweiligen Gerät eindeutig zuzuordnen. Ein LCD-Display informiert den Nutzer über die wichtigsten Funktionen. Weiterhin können nachgelagerte IT-Systeme per WLAN und Webinterface integriert werden.

"Seit vielen Jahren arbeiten wir im Rahmen des BMBF-Programms 'Advanced UV for Life' an sehr unterschiedlichen Anwendungen für UVC-Technologien im Bereich der Desinfektion. LEDs bieten dabei große Vorteile, was wir am Beispiel der Smartphone-Desinfektion hervorragend demonstrieren können", erklärt Ingenieur Thomas Westerhoff vom Fraunhofer IOSB-AST.

Die Anwendungsgebiete der Handydesinfektion reichen dabei vom klinischen Bereich über die private und gewerbliche Nutzung bis hin zum Eventmarkt. Der Prototyp wird voraussichtlich im September 2020 auf der IFAT, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft in München, präsentiert werden.

Für die kommerzielle Verwertung sucht das Fraunhofer IOSB-AST noch Partner aus der Wirtschaft.

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