Vernetzte Landwirtschaft Wie der intelligente Stall das Tierwohl verbessern soll

Redakteur: Stefan Guggenberger

Wissenschaftler haben ein genaues Echtzeit-Ortungssystem für Nutztiere entwickelt. Damit können Gewohnheiten und soziale Beziehungen der Tiere für die Verbesserung der Haltungsbedingungen analysiert werden.

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Trackinggerät sind auch im Bereich der Nutztierhaltung etabliert und durch eine genaue Datenerfassung können damit Daten über die Vorlieben der Tiere gesammelt werden.
Trackinggerät sind auch im Bereich der Nutztierhaltung etabliert und durch eine genaue Datenerfassung können damit Daten über die Vorlieben der Tiere gesammelt werden.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Im Rahmen einer Studie konnten das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) zeigen, dass ein präzises Echtzeit-Ortungssystem (RTLS) wertvolle Daten für Verbesserung von Ställen liefern kann. Durch die punktgenaue Ausmessung des Stalls war es möglich, den Raum in Zonen (beispielsweise Liegezonen oder Futterzonen) einzuteilen, in denen sich die Tiere aufhielten und bewegten. Aufgrund dieser Beobachtungen können Landwirte nun Rückschlüsse auf die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Tiere ziehen und die Haltungsbedingungen entsprechend anpassen. Zudem soll die Technik in Zukunft dazu eingesetzt werden, die sozialen Beziehungen von Nutztieren untereinander zu analysieren. „Am Sozialverhalten der Tiere lassen sich wichtige Informationen ablesen, die zur Verbesserung ihres Wohlbefindens und ihrer Gesundheit genutzt werden können“, erklärte Dr. Jan Langbein vom Institut für Verhaltensphysiologie am FBN.

Vernetzter Stall liefert Daten im Sekundentakt

Dr. Borbála Fóris (FBN) legt einer Kuh ein Halsband mit Funkgeräten (Tags) zur Aufzeichnung der Bewegungsdaten an. Im Stall wird auf der Basis von Ultraweitband (UWB) gemessen, während Weidetiere per GPS-Daten erfasst werden.
Dr. Borbála Fóris (FBN) legt einer Kuh ein Halsband mit Funkgeräten (Tags) zur Aufzeichnung der Bewegungsdaten an. Im Stall wird auf der Basis von Ultraweitband (UWB) gemessen, während Weidetiere per GPS-Daten erfasst werden.
(Bild: FBN // Nina Melzer)

Um das Verhalten der Tiere zu überwachen, wurden etliche Sensoren im Stall installiert, welche mit Tags kommunizieren, die an Halsbändern der Kühe befestigt sind. Die Tags wiederum liefern sekündlich Daten darüber, wo sich das Tier im Stall augenblicklich befindet. Auswertungen dieser genauen Bewegungsdaten liefern Hinweise darauf, wo sich die Tiere bevorzugt aufhalten, wie lange sie Futter aufnehmen oder wie viele Stunden sie in den Liegeboxen verbringen.

Durch die hohe Messgenauigkeit des verwendeten RTLS können die Ergebnisse der Datenerhebung zur einer verbesserten Zonenaufteilung des Stalls genutzt werden, die den Bedürfnissen der Tiere besser entspricht. Zudem konnten die Forschenden zeigen, dass ein Zonenansatz Vorteile gegenüber einem distanzbasierten Ansatz bietet: Er soll unkomplizierter sein und in verschiedenen Stallkonzepten angewandt werden können.

Die vollständige Studie zur verbesserten Messgenauigkeit des RTLS finden sie hier.

Freundschaften zwischen Kühen soll erforscht werden

Neben dem Verhalten nennt das FBN auch soziale Beziehungen untereinander als wichtigen Aspekt für das Wohl der Nutztiere. Um auch das Sozialverhalten der Tiere erforschen zu können, muss erfasst werden, wie lange und wie oft sich zwei Tiere beieinander aufhalten. Diese Beziehungen sollen in einem Folgeprojekt mit Milchkühen erforscht werden. Dabei wird untersucht, ob Kühe bevorzugte positive Beziehungen untereinander pflegen und wie sich Gruppendynamiken entwickeln. „Wenn wir herausfinden, welche Milchkühe enge ‘freundschaftliche‘ Beziehungen unterhalten, kann dies in der Zukunft beim Herdenmanagement berücksichtigt werden. In Folge wird das Stresslevel der Tiere gesenkt und ihre Gesundheit gefördert“, erklärt Langbein. Dazu ergänzt die Projektleiterin der aktuellen Studie Dr. Nina Melzer vom Institut für Genetik und Biometrie des FBN noch: „Dies eröffnet nicht nur neue Forschungsfelder im Bereich Verhaltensforschung, sondern ermöglicht auch Landwirten ein verbessertes Stallmanagement, bei dem das Tierwohl im Vordergrund steht.“

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