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Expertenbeitrag

Henrik Hasenkamp

Henrik Hasenkamp

CEO und Gründer, gridscale

Das virtuelle Rechenzentrum

Wie Cloud-Lösungen zugänglicher werden

| Autor/ Redakteur: Henrik Hasenkamp / Lisa Marie Waschbusch

Durchdachtes UX-/UI-Design ist überall dort wichtig, wo Menschen in Kontakt mit Technologie treten. Die Cloud ist dabei keine Ausnahme. Doch gerade hier steht der Anwender vor Herausforderungen.

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In Sachen Cloud steht der Anwender häufig vor Herausforderungen.
In Sachen Cloud steht der Anwender häufig vor Herausforderungen.
( Bild: Pexels / CC0 )

Die Leistungen von Infrastructure-as-a-Service-Providern sind komplex und erschweren insbesondere Personen mit weniger Erfahrung und Detailwissen den Zugang. Die Cloud hat also großes Potential, durch intelligentes UX-Design und eine weitgehende Automatisierung von Prozessen im Rechenzentrum zugänglicher zu werden.

Bei vielen namhaften Anbietern wird die Initiierung und Nutzung des Cloud Services durch unübersichtliche und detailüberladene Konfigurationsseiten erschwert – viele der Details sind für den Anwender, der ein spezielles Ziel verfolgt, zu diesem Zeitpunkt irrelevant. Ein schlechtes Interface ist eine unnötige Hürde, die von der Nutzung eines Providers im schlimmsten Fall abhält. Doch Cloud muss auch einfach gehen: Agenturen, Systemhäuser und Unternehmen sollten – selbst wenn sie kein tiefgehendes Know-how besitzen – die gewünschte Infrastruktur und die damit verbundenen Server schnell konfigurieren können.

Intuitiv und simpel an der Oberfläche

Die Nutzeroberfläche ist stets das erste, was Anwender sehen. Cloud-Provider sollten also ein vitales Interesse daran haben, dass ihre Kunden diese Oberfläche schnell verstehen und intuitiv zu nutzen wissen. Benutzeroberflächen überzeugen durch Einfachheit und Reduktion. Das Design überzeugt, wenn es übersichtlich, klar gegliedert und grafisch sauber gestaltet ist. Dabei hilft es, den Anwender nicht mit Informationen und Details zu überfrachten. Wenn das Interface nur die Funktionen einblendet, die der Nutzer aktuell benötigt, hilft ihm das sehr bei der Orientierung.

Automatisiert und intelligent im Hintergrund

Es sollte sich niemand mit der für ein Rechenzentrum typischen Komplexität befassen müssen, wenn er nicht möchte und kein spezielles Interesse daran hat. Alle Prozesse können im Hintergrund automatisch ablaufen, ohne, dass der Nutzer sich im Einzelnen mit ihnen auseinandersetzen muss. Dieser Automatisierungsansatz geht mit einem konsequenten Effizienz-Gedanken einher. Dynamisches und automatisiertes Kapazitätsmanagement zum Beispiel, kann dafür sorgen, dass für den Kunden die Verfügbarkeit stets bei 100 Prozent liegt und keine Engpässe zu Peak-Zeiten entstehen.

Dabei kommt auch vorausschauende Wartung durch selbstlernende Algorithmen, auch Predictive Maintenance genannt, ins Spiel. Hier werden erfasste Betriebsdaten von einer Machine Learning Software auf auffällige Muster untersucht. In einem Rechenzentrum könnten das beispielsweise Temperaturen inner- und außerhalb der Gehäuse, Spannungspegel oder Latenzzeiten sein. Abweichungen von normalen Werten kündigen oft Störungen und Ausfälle an. Nachdem der Algorithmus auf diese Faktoren hin trainiert worden ist, kann er zwischen normalen und anormalen Zuständen unterscheiden und entsprechend eingreifen. So wird eine weitgehende Automatisierung des IT-Betriebs im Sinne des Kunden möglich.

Mit Datenauswertung zur besseren User Experience

Die Beobachtung des Nutzerverhaltens und die damit verbundene Datenerhebung und -analyse, bieten eine gute Grundlage für die kontinuierliche Verbesserung der User Experience. Anhand von Daten kann beispielsweise festgestellt werden, wie häufig und zu welchem Zeitpunkt welche Funktionen verwendet werden. Wenn beispielsweise viele Anwender regelmäßig Snapshots anfertigen, könnten Entwickler versuchen, mit einer Vereinfachung der Benutzeroberfläche dem entgegenzukommen. Das Ergebnis könnte eine Planungsfunktion sein, die Snapshots regelmäßig als Sicherungskopie speichert.

Cloud-Lösungen sollten auch für Nutzer ohne tiefgreifende Erfahrungen einsetzbar sein.
Cloud-Lösungen sollten auch für Nutzer ohne tiefgreifende Erfahrungen einsetzbar sein.
( Bild: gridscale )

Eine statistische Auswertung der Echtzeit-Benutzerdaten kann ebenfalls dazu genutzt werden, die Benutzerflächen individuell auf den aktuell aktiven Benutzer anzupassen. Kunden sehen entsprechend ihres technischen Erfahrungslevels jeweils unterschiedliche Auswahl- und Detailoptionen. Dadurch erhalten die Nutzer nur die für sie relevanten Optionen. Darüber hinaus können eingesetzte Algorithmen dem Nutzer anhand ihrer “Einschätzung” Vorschläge machen, die zu seinem vermuteten Ziel passen. So wird die User Experience optimiert und eine dynamische Provisionierung mit individuell angepassten visuellen Oberflächen möglich. Gute UX und Automatisierung durch selbstlernende Algorithmen können einen neuen Markt für IT-Infrastruktur aus der Cloud erschließen, wenn Kunden, die bisher vor Cloud-Dienstleistungen zurückgeschreckt sind, weil sie nicht das entsprechende Wissen hatten, nun den Aufbau des eigenen virtuellen Rechenzentrums selbstständig erreichen können.

Ein schnell verständliches Dashboard

Im virtuellen Rechenzentrum stellt das Dashboard bzw. Panel die zentrale Nutzer-Schnittstelle und Kommandozentrale dar. Wenn dort alle Server, der Storage sowie die Netzwerke visuell unterstützt und intuitiv zu verwalten sind, können selbst Nutzer ohne tiefgreifende Erfahrung ungeahnte Komplexitäten beherrschen. Die klare visuelle Gestaltung unterstützt dabei die Nutzerfreundlichkeit. Informationen wie Kernanzahlen und RAM-Größen müssen auf einen Blick erkennbar sein, um beim Hinzufügen von neuen Servern beispielsweise die Anzahl der Kerne oder die Größe des RAM mit einem Klick festzulegen. Noch besser ist es, wenn die Server- und Storage-Objekte einfach per Drag & Drop zu Infrastrukturen zusammengefügt werden können.

All die Dinge wie Nutzerorientierung, klares Design, Reduktion von Komplexität und Automatisierung klingen am Ende nicht revolutionär. Viele Branchen setzen sie inzwischen selbstverständlich um und die Nutzer haben sich daran gewöhnt. Im Bereich der Cloud-Services war jedoch bisher nicht genügend Wettbewerbsdruck in diese Richtung vorhanden – allzu oft stand lediglich der Preispunkt im Fokus. Es gibt Nachholbedarf, um den Nutzer konsequenter in das Zentrum der Betrachtung zu rücken. Die Möglichkeiten der IT werden mittlerweile nicht mehr nur von Fachleuten in Anspruch genommen – angesichts des Fachkräftemangels ist das auch nicht realistisch. Dafür braucht es aber passende Marktangebote, die sich durch eine einfache Bedienung auszeichnen. Das gilt ebenso für die Cloud. Das Bereitstellen von IT-Infrastruktur sollte unkompliziert sein und ein paar wenige Mausklicks ausreichen, damit die neue IT-Ressource bereitsteht.

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Über den Autor

Henrik Hasenkamp

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Quelle: Fotolia ID-81964157; Rittal; Pixabay; gemeinfrei; Reflect Yourself / People Photography, Inhaber Martina Schwarzer; ; Pexels; gridscale; PIXABAY; gemeinfrei (geralt / pixabay); Anna-Lena Hillenbrand; Siemens Healthineers; Palo Alto Networks