Expertenbeitrag

 Arman Sarhaddar

Arman Sarhaddar

CEO, Vault Security Systems AG

Produktpiraterie und Arbeitsschutz Wie Blockchain-Technologie die Modebranche umkrempeln kann

Autor / Redakteur: Arman Sarhaddar / Sebastian Human

Es ist kein Geheimnis, dass große Modelabels ihre Kleidung unter fragwürdigen Bedingungen in Drittländern fertigen lassen und der Handel mit gefälschter Markenware weiterhin Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Die Blockchain-Technologie könnte hier Abhilfe schaffen.

Firma zum Thema

Kann die Blockchain-Technologie auch beim Schutz vor unfairen Arbeits- und Umweltbedingungen sowie Produktpiraterie helfen?
Kann die Blockchain-Technologie auch beim Schutz vor unfairen Arbeits- und Umweltbedingungen sowie Produktpiraterie helfen?
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Es gibt vielversprechende Technologien, die die Nachverfolgung vom Rohstoffabbau bis zum Verkauf an den Konsumenten ermöglichen und so sicherstellen können, dass das Endprodukt fair hergestellt wurde und hochwertig ausfällt. Die Blockchain-Technologie ist einer dieser Helfer im Hintergrund und kommt in der Textilbranche bereits erfolgreich zur Anwendung.

Nachverfolgung der Rohstoffe – die gläserne Bio-Baumwolle

Wer Kleidung mit ausgewiesen hoher Qualität für einen entsprechend hohen Preis ersteht, möchte sich sicher sein, dass die Ware hält was sie verspricht. Doch wie können Konsumenten dies überprüfen?

Mithilfe der Blockchain-Technologie lassen sich die eingesetzten Rohstoffe gezielt nachverfolgen. So zum Beispiel bei einem Pilotprojekt in Indien des US-Blockchain Start-ups Bext 360 und globalen Bekleidungskonzernen, das die Herkunft von Bio-Baumwolle verfolgt.

In Indien werden etwa 50 Prozent der weltweiten Bio-Baumwolle produziert, während der Anbau des Rohstoffes an sich laut WWF unter einem Prozent aller weltweit verwendeten Textilien ausmacht. Auch deshalb ist das Pilotprojekt namens Organic Cotton Traceability Pilot das erste seiner Art für Bio-Baumwolle, denn die Blockchain wurde zwar bereits in anderen Lieferketten eingesetzt, jedoch bisher noch nie für den Bio-Rohstoff.

Doch in einer Zeit, in der Forderungen der Konsumenten und Regierungen nach mehr Transparenz von Bekleidungskonzernen für ihre Lieferketten zurecht immer lauter werden, können Technologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsversprechen zu überprüfen und Missstände aus dem Weg zu räumen. Bei dem Pilotprojekt wird die Blockchain-Technologie genutzt, um den Weg der ökologisch angebauten Baumwolle von den Bauern bis zur Entkörnung nachzuverfolgen.

Zusätzlich dazu stellen Künstliche Intelligenz und Mikrobiom-Sequenzierung sicher, dass die Qualität der Bio-Baumwolle stimmt. Denn im konventionellen Baumwollanbau wird immer häufiger auf genmanipuliertes Saatgut zurückgegriffen, und auch für Bio-Bauern wird es zunehmend schwieriger an herkömmliches, nicht verändertes Saatgut zu kommen. Zudem mischen sich immer wieder Anteile in die Ballen, die den Anforderungen des ökologischen Anbaus nicht entsprechen. Das gefährdet das Qualitäts- und Nachhaltigkeitsversprechen der Mode-Konzerne sowie die Bauern, die geringere Gewinne einfahren, wenn sich ihre Ernte als nicht vollständig ökologisch herausstellt. Umso wichtiger ist daher eine lückenlose Nachverfolgung des Anbaus und der Lieferkette. Im nächsten Schritt soll die Nachverfolgung bis zum Verkaufsort möglich sein.

Unfaire Arbeitsbedingungen öffentlich machen und verhindern

Die Corona-Krise trifft die Fast-Fashion-Industrie, denn abgesehen von den Ladenschließungen zur Minimierung des Infektionsrisikos lässt das Interesse an Shopping in Zeiten des Social Distancing deutlich nach. Im Frühjahr 2020 sanken die Umsätze vieler Textil-Discounter nahezu auf null, Erholung nur langsam. Schon vor der Krise war Fast Fashion wegen mangelnder Qualität und schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Letztere erreichten im Jahr 2013 einen neuen tragischen Tiefpunkt, als eine Textilfabrik in Bangladesch einstürzte und über 1.100 Menschen in den Tod riss. Covid-19-Begleiterscheinungen wie geschlossene Fabriken und Lieferengpässe drängen die Industrie jetzt noch weiter in die Ecke.

Aus der zunehmenden Kritik resultiert, dass drei Viertel der Verbraucher mittlerweile lieber nachhaltige Mode kaufen. Luxusmarken wie Louis Vuitton verbinden das Interesse an nachhaltiger Mode bereits mit der Einbindung von Blockchain-, NFC- und IoT-Technologien und können so für jedes Kleidungsstück eine einzigartige digitale Identität schaffen.

Mittels der Technologien wird die Reiseroute jedes einzelnen Kleidungsstücks erfasst, um so Fälschungen zu bekämpfen und faire Arbeitsbedingungen und die ethische Beschaffung von Rohstoffen zu unterstützen.

An der Fast-Fashion-Front setzte auch die Kik Textilien und Non-Food GmbH Ende 2018 in ihrem Pilotprojekt CSR on evan.network auf die Blockchain-Technologie zur transparenten und lückenlosen Nachvollziehbarkeit von Lieferketten. Die von Kik in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Start-up Evan GmbH erarbeitete Business-Anwendung ermöglicht es, Lieferdaten, Produktionsinformationen und Zertifikate in komplexen Lieferketten digital und transparent auszutauschen. Damit sollen Umwelt- und Sozialstandards in der Textilindustrie nachvollziehbar gemacht werden.

In dem Pilotprojekt wurde eine konkrete Lieferkette zur Herstellung von T-Shirts abgebildet. Dem Kunden im Laden ist es damit möglich, Informationen zum Thema Nachhaltigkeit in der Lieferkette auf Basis einer Charge über einen QR-Code auf dem Etikett zu erhalten. Er bekommt Informationen darüber, in welchen Ländern und unter welchen Produktionsbedingungen das Kleidungsstück gefertigt worden ist. Dafür benötigt er lediglich einen QR-Scanner auf dem Smartphone oder Tablet.

Schutz von Markenpiraterie und Fälschung

Wie Kik setzen einige Markenhersteller bereits auf QR-Codes als Fälschungsschutz. Auch bei der Herrenmodemarke Stone Island sind in den Kleidungsstücken die Codes auf dem Etikett zu finden und können mit herkömmlichen Smartphones eingescannt werden.

Im Zweifel sind diese gedruckten Codes jedoch leicht zu kopieren und zu manipulieren. Daher geht das Berliner Start-up Lukso bei der Sicherheit einen Schritt weiter und setzt auf eingenähte Chips in Reiskorngröße. Der Vorteil: Die Daten, die in der Blockchain gespeichert werden, sind zwar transparent und für Händler sowie Kunden einsehbar, können jedoch nicht verändert oder gelöscht werden und die Manipulation der Chips gestaltet sich schwieriger. Dadurch kann die Echtheit des Kleidungsstücks, das mit einem solchen Chip ausgestattet ist, stets nachgewiesen werden.

Der Schutz vor Markenpiraterie wird auch bei Vault Security Systems großgeschrieben. Wir arbeiten an einer Blockchain-basierten Lösung, die die Registrierung, Identifizierung und den Schutz vor gefälschten Produkten sowie verlorener oder gestohlener Gegenstände ermöglicht. Um zu prüfen, ob das erworbene Produkt gefälscht ist, ist ebenfalls das Scannen eines QR-Codes nötig. Damit dieser vor Manipulationen geschützt ist, setzen wir auf die Kombination eines einmaligen QR-Codes für jedes einzelne Produkt und eines NFC-Chips im Etikett. Die Fälschung des Fälschungsschutzes ist damit ebenfalls ausgeschlossen und die Lieferkette lückenlos nachvollziehbar.

Festzuhalten ist, dass sich die Textilbranche in den letzten Jahren gerade bei Echtheitsnachweisen und im Engagement gegen unfaire Arbeitsbedingungen durchaus experimentierfreudig und änderungswillig zeigt. Doch von einer flächendeckenden Implementierung neuer Technologien ist sie noch weit entfernt. Die Initiative Lieferkettengesetz fordert sogar, vehement gegen skrupellose Geschäftspraktiken aufzubegehren.

Für Textilunternehmer gilt jetzt, mit gutem Beispiel voranzugehen und den Weg frei zu machen für Transparenz innerhalb der Lieferkette, Sicherheit und Fairness – die Technologie ist da und die Kunden fordern es schon lange.

EVENT-TIPP

Green Shift – Cutting Emissions | 10. März 2021

Einfach weitermachen wie bisher? – Für die Industrie keine Option, wenn es um den Klimaschutz geht! Mit Green Deal, Klimapaket und Co. stehen Betriebe vor neuen Herausforderungen und Chancen, die sie für sich nutzen können. Erfahren Sie im Austausch mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik:

  • wo es versteckte Einsparpotenziale gibt,
  • wie viel sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen verdienen lässt,
  • wie Ihnen Investitionen in CO2-Neutralität beim Recruiting und der Kundenbindung weiterhelfen!

Sichern Sie sich gleich Ihr kostenloses Ticket zum Digital Kick-Off von „Green Shift – Cutting Emissions“.

Jetzt kostenlos anmelden!

(ID:47049436)

Über den Autor

 Arman Sarhaddar

Arman Sarhaddar

CEO, Vault Security Systems AG