Machine Learning Wie Baukosten durch KI gesenkt werden können

Ein Gastbeitrag von Roy Danon*

Trotz Corona-Krise erzielte die Baubranche im letzten Jahr einen Rekordumsatz. Durch einen höheren Digitalisierungsgrad könnten aber noch viel mehr Wohnungen entstehen. Wie die Digitalisierung Kosten senkt und Prozesse verbessert, zeigt Berlins größtes Wohnbauprojekt ‚Waterkant‘.

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Im Vergleich zu Industriefertigern setzen noch wenig Bauunternehmen auf die Digitalisierung: Nur knapp jedes fünfte Unternehmen hat eine Strategie für digitales Bauen.
Im Vergleich zu Industriefertigern setzen noch wenig Bauunternehmen auf die Digitalisierung: Nur knapp jedes fünfte Unternehmen hat eine Strategie für digitales Bauen.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Größer, schneller, höher soll das Bauen von heute funktionieren und die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind derzeit gut gefüllt. Selbst Corona verpasste der Baukonjunktur nur eine kleine Delle: Im Wohnungsbau meldete die Baubranche für 2020 ein Umsatzplus von 4,9 Prozent. Insgesamt 268.774 neue Wohnungen seien entstanden und bis Ende 2021 werden ebenso viele Neubauten erwartet. Doch mit mehr Neubauten kommen auch steigende Baukosten, denn der Digitalisierungsgrad der Baubranche hängt noch immer stark hinterher. Mit digitalen Lösungen könnten Manager von Zeitersparnissen profitieren, Verzögerungen durch frühzeitige Vorhersagen der Software einplanen und Fehler rechtzeitig erkennen oder gar vermeiden. Ein Beispiel aus der Praxis liefert das aktuell größte Wohnbauprojekt Berlins ‚Waterkant‘ mit dem Bau von 2.500 Wohnungen durch die Schrobsdorff AG mithilfe des Bautechnologie-Startups Buildots, dass durch den Einsatz künstlicher Intelligenz Baukosten beispielsweise Baufehler drastisch senken soll.

360°-Kamera sammelt Daten der Baustelle

Während in den kommenden Jahren fast 80 Prozent der Firmen mit digitalen Lösungen arbeiten möchten, verfügt bislang weniger als jeder Fünfte über eine ausgereifte Strategie für digitales Bauen. Der Hang zum manuellen Bauen kann für die deutsche Baubranche jedoch enorme Kosten bedeuten, denn mithilfe von Software mit künstlicher Intelligenz wie etwa Buildots lassen sich Baukosten senken.

Die Plattform nutzt die Kapazität einer 360°-Kamera, die auf einem Schutzhelm montiert ist, um Daten der Baustelle zu erfassen und zu dokumentieren. Anschließend können verantwortliche Planer mithilfe der proprietären KI-Software die Realität mit den Plänen der Baustelle vergleichen und über eine Webanwendung Informationen an das Team liefern.

An der Havel in Berlin sollen bis 2022 2500 Wohnungen entstehen. Bei 'Waterkant' kommt intelligente Bausoftware zum Einsatz und bisher soll es beim Großprojekt keine Verzögerungen geben.
An der Havel in Berlin sollen bis 2022 2500 Wohnungen entstehen. Bei 'Waterkant' kommt intelligente Bausoftware zum Einsatz und bisher soll es beim Großprojekt keine Verzögerungen geben.
(Bild: Schrobsdorff AG)

Somit hat jedes Mitglied einen Überblick über den aktuellen Projektstatus und die Abweichungen vom vereinbarten Plan sowie den Spezifikationen. Aktuell setzt das größte Wohnbauprojekt Berlins - ‚Waterkant‘ - in der Ausbauphase auf die Hilfe der künstlich intelligenten Bauprozessoptimierung. Justin Schrobsdorff, Junior Inhouse Consultant der Schrobsdorff Bau AG, bestätigt: „Für Berlins Baukultur ist dieses Projekt wegweisend, denn die Digitalisierung auf Berlins und Deutschlands Baustellen hängt deutlich hinterher. Wir brauchen hier mehr Potential, um den digitalen Fortschritt voranzutreiben.“ Das Projekt, dessen Grundstein 2019 gelegt wurde, soll bis 2022 vollendet werden.

Digitaler Assistent erkennt Problem schneller

Mithilfe der digitalen Datenerfassung durch die Helmkamera und der Software werden die Einsparungen bei der Datenerfassung, Berichterstattung, visuellen Erfassung durch Bauleiter, Vermesser und Planer auf über 1.000 Stunden jährlich für ein 10.000 m² großes Projekt geschätzt. Manager, die bereits diese Software benutzen, berichten über einen effizienteren Arbeitsalltag, da ein digitaler Assistent Probleme schnell erfasste und analysierte. Auch Justin Schrobsdorff bestätigt dies beim Waterkant-Projekt. So sei die Effizienz des Teams durch das digitale Arbeiten und die automatisierte Fehlererkennung gesteigert worden. „Wir haben zeitliche Ersparnisse, da wir nicht mehr nach Fehlern suchen. So können wir die Zeit besser für das Wesentliche nutzen.“

KI-Überwachung verhindert Verzögerungen

Verzögerungen sind auf der Baustelle keine Seltenheit und können leicht den gesamten Bauablauf behindern, denn in Verzug geratene Bauausführungen führen dazu, dass Folgegewerke nicht zu dem vereinbarten und vorgesehenen Zeitpunkt mit ihrer Leistung beginnen können. Dies verursacht schnell hohe Mehrkosten, wenn verspätete Bauausführungen entstehen. Mit KI ist es mögliche, diese auf täglicher Basis genau zu verfolgen, wodurch das Risiko von unkontrollierten und versteckten Verzögerungen gesenkt wird. Während Schrobsdorff bisher noch keine Verzögerungen beim Waterkant-Projekt hatte, plant das Bauunternehmen bereits, künftig drei weitere Großbauprojekte mit der Software zu realisieren.

Fehler frühzeitig erkennen und Kosten senken

Bei Wohnbauprojekten werden durchschnittlich fünf Mängel pro Wohnung festgestellt. Durch die frühe Erkennung und -behebung der Fehler konnten bei einigen Projekten Hunderttausende von US-Dollar eingespart werden. Bei ähnlichen Fällen, in denen Fehler erst Wochen später oder bei der Übergabe festgestellt wurden, verzögerte sich die Fertigstellung der Projekte und die Kosten stiegen entsprechend. Auch die Schrobsdorff AG erkannte bereits mithilfe der Software Fehler in der Ausbauphase, welche die problemanfälligste Phase des Baus ist. So wurde frühzeitig erkannt, dass über 200 Steckdosen und rund 300 Decken aus Lastpositionen falsch gesetzt wurden.

* Roy Danon ist Co-Founder und CEO des Bautechnologie-Startups Buildots.

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