Boge

Wie aus Einzelmaßnahmen ein Industrie-4.0-nahes System wird

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Software setzt das Knowhow der Spezialisten um

Auch die Steuerungssoftware ist äußerst wichtig, denn sie muss das komplette System, das aus zwei Motoren, zwei Umrichtern und drei Verdichterstufen besteht, möglichst intelligent regeln. Das geht heute bereits so weit, dass die Maschine beispielsweise von vornherein bestimmte Zustände vermeidet. Das funktioniert nur, wenn man über viele Jahre hinweg seine Produkte kennenlernt. Wer kann schon die Frage beantworten, ab welchem Schwellenwert eine Warnung erfolgen soll? Ist beispielsweise eine Temperatur von 24 °C für die Maschine gut oder vielleicht nur unter bestimmten Bedingungen? Mitarbeiter oder Anwender können solche Situationen durch ihre langjährige Erfahrung einschätzen, doch dieses Wissen muss nun in Software umgesetzt werden – ein Prozess, in dem auch Boge noch steckt.

In die Entwicklung des HST flossen viele Themen, die heute unter „Industrie 4.0“ zusammengefasst werden. So bietet er alle Voraussetzungen für eine Überwachung der Betriebszustände über Smart Devices, während bei anderen Maschinen diese Möglichkeit optional ist. Doch zuletzt entscheidet der Kunde, ob er die Daten beispielsweise für eigene Zwecke protokolliert oder ob Boge die Fernüberwachung und das Condition Monitoring übernimmt. Bisher entwickelte sich die Zahl der Anwender nur sehr langsam, doch heute fragen immer mehr Kunden solche Themen nach.

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Interview
INTERVIEW MIT THOMAS MEIER: Innovativ zu sein, ist eine Lebenseinstellung

Effiziente Produkte mit völlig neuer Technologie, stetiges Unternehmenswachstum: Boge scheint vieles richtig zu machen, um lange am Markt bestehen zu können. Einer der Gründe ist Innovationsfähigkeit.

Thorsten Meier: „Wenn man so lange wie wir in einem Markt bestehen will, dann geht das nur mit einer intrinsischen Motivation, etwas voranzubringen.“
Thorsten Meier: „Wenn man so lange wie wir in einem Markt bestehen will, dann geht das nur mit einer intrinsischen Motivation, etwas voranzubringen.“
( Bild: Boge )

Welche Voraussetzungen sind nötig für Innovation?

Thorsten Meier: Was durchaus hilfreich ist, ist ein gewisser Marktdruck. Außerdem unterstützt es, wenn man einen Austausch durch Netzwerke pflegt, wie wir hier in Ostwestfalen. Das gibt einen gewissen Drive. Aber auch das Unternehmen selbst muss das ein Stück weit in den Genen haben.

Wie machen Sie bei Boge Innovationen möglich?

Thorsten Meier: Eigentlich ist das bei uns eine Lebenseinstellung. Wenn man so lange wie wir in einem Markt bestehen will, dann geht das nur mit einer intrinsischen Motivation, etwas voranzubringen. Beim HST haben wir die Mitarbeiter inklusive eines Marketing-Verantwortlichen in einen Raum gesteckt und zwei Jahre lang am Projekt arbeiten lassen. Dafür müssen wir schon Mut haben; dafür müssen auch die Gesellschafter Mut haben, so etwas mitzumachen.

Wie ist die Akzeptanz bei den Mitarbeitern?

Thorsten Meier: Für den HST haben wir Freiwillige für das Projektteam gesucht. Nach einer Woche hatten sich über 60 Mitarbeiter schriftlich beworben! Hier steckt Dampf im Unternehmen. Wenn Sie die Leute vor sich hertreiben müssen, geht so etwas nicht.

Erhebliches Potenzial bei Energieeffizienz vorhanden

Betreibt man seine Maschinen mit aufeinander abgestimmten, effizienten Komponenten und überwacht die Betriebszustände, ist es ein logischer Schritt, sich auch mit der Effizienz des Systems auseinanderzusetzen. Hier gibt es noch erhebliche Potenziale – angefangen bei der richtigen Auslegung der Anlage über den Umrichter bis hin zur Maschinenoptimierung nach Anwendungsfall als Dienstleistung. Der höchste Effizienzgewinn ist möglich mit einer guten Technik und einem an die Anwendung angepassten System. Das heißt, Boge versucht, so früh wie möglich bei der Planung dabei zu sein, um die Anlage entsprechend den Anforderungen zu planen. Für bestehende Anlagen wird in der Regel gemessen, wie hoch der Druckluftbedarf ist. Darauf hin legt Boge ein Druckluftsystem aus und optimiert es energetisch für den Anwendungsfall – aber nur genau dafür.

In der Realität verändern sich Unternehmen und damit auch ihre Anforderungen. Der Druckluftbedarf wird schnell nicht mehr der ursprünglichen Messung entsprechen, sodass man nun ein komplettes System austauschen müsste, um wieder im Optimum zu arbeiten. Boge will einen anderen Weg einschlagen: Da die neuen Maschinen Betriebszustände im laufenden Prozess mit aufzeichnen und auswerten können, lassen sich veränderte Bedarfe schnell erkennen. Im nächsten Schritt kann der Druckluftspezialist eine optimale Auslegung für den aktuellen Bedarf berechnen und an den Anwender herantreten. Beispielsweise könnte sich eine Energieeinsparung sofort realisieren lassen, wenn lediglich der Motor mit optimierten Impellern ausgetauscht würde. Um den Anwender tatsächlich zu einem Austausch zu bewegen, schlägt Boge vor, den Motor kostenlos zu liefern, aber am Umfang der Energieeinsparung für eine festgelegte Zeit zur Hälfte beteiligt zu werden.

Intelligente Maschinen werden Märkte der Zukunft verändern

Auch das ist ein Stück Industrie 4.0, denn ohne die Intelligenz in der Maschine ist bereits die Analyse nicht möglich. Für Meier ist dies ein Schritt in eine neue Zukunft: „Für mich ist das ein Fall, wo sich Märkte in Zukunft verändern werden. Es wird weggehen vom klassischen Kauf einer Druckluftstation, nach dem man zehn Jahre wartet, bevor man sich wieder mit dem Thema beschäftigt.“

Im Laufe der Jahre hat Boge zahlreiche Einzelmaßnahmen umgesetzt, die zum Teil erforderlich, zum Teil weitsichtig waren. Jetzt wird daraus ein großes Ganzes, das Bild setzt sich als „Industrie 4.0“ zusammen und Investitionen zahlen sich aus. Thorsten Meier ist sich sicher, dass auch der Kunde dadurch einen echten Mehrwert erhalten wird, weil jetzt er derjenige sein wird, der die Anbieter fordert – beispielsweise wenn er einfach nur die Druckluft und nicht die Maschine kaufen will. MM

Dieser Beitrag erschien zunächst auf unserem Partnerportal MM MaschinenMarkt

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Über den Autor

 Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt