Smart Replenishment Wenn die Kaffeemaschine selbst für Bohnen-Nachschub sorgt

Redakteur: Peter Königsreuther

An der Kühne Logistics University (KLU) forscht man am „Smart Home“. Hier erklären Experten, wie intelligente Kaffee- und Spülmaschinen das Leben erleichtern könnten.

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Realistisches Modell entwickelt! Die Kühne Logistics University (KLU) hat eine Vision, wie unsere Haushaltsgeräte in Zukunft das Leben prägen könnten. So gebe es Effizienzverbesserungen in Sachen Lieferketten, wenn Kaffeemaschine & Co etwa selbst Nachschub bestellten.
Realistisches Modell entwickelt! Die Kühne Logistics University (KLU) hat eine Vision, wie unsere Haushaltsgeräte in Zukunft das Leben prägen könnten. So gebe es Effizienzverbesserungen in Sachen Lieferketten, wenn Kaffeemaschine & Co etwa selbst Nachschub bestellten.
(Bild: KLU)

Zeitreise: stellen wir uns einen Frühstückstisch im Jahr 2030 vor. Die Butter ist fast alle! Der Kaffeevorrat geht zur Neige! Was uns heute noch Einkaufsstress bringt, könnte laut Prognosen der Forscher am KLU kein Problem mehr sein. Denn Kühlschrank und Kaffeemaschine haben beides bereits nachbestellt! Als Teil von „Smart Home“ (derzeit funktionieren bereits die automatische Steuerung von Licht, Heizung und Jalousien) bahne sich nun ein weiterer Trend in Privathaushalten an – das smarte Haushaltsgerät, das von selber nachbestellt. Das Ganze wird auch als „Smart Replenishment“ (intelligenter Nachschubprozess) bezeichnet. Zwei KLU-Forschende haben nun eine Studie erstellt, die die Chancen und Risiken dieses Haushaltstrends beleuchtet.

Verbesserte Lieferketten sind in Sicht

„Noch herrscht bei Unternehmen Unsicherheit darüber, ob sich das Angebot einer smarten Bestelloption für private Haushalte lohnt und wie sie sich dafür aufstellen müssen“, sagt KLU-Doktorandin Sandria Weißhuhn. Ihre aktuelle Studie mit Dr. Kai Hoberg, Professor of Supply Chain and Operations Strategy, untersucht mithilfe eines mathematischen Modells und einer Simulation Entscheidungsprozesse bei Herstellern in einem automatisch gesteuerten Nachfüllsystem. Demnach können smarte Nachfüllsysteme, die kontinuierlich den Bestand an Verbrauchsgütern im Privathaushalt messen, Lieferketten signifikant verbessern und neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Möglich werde das vor allem durch eine gleichmäßigere Auslastung der Kapazität in Produktion und Logistik nebst besserem Service. So ließe sich der Gewinn steigern und die Kundenzufriedenheit auch

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Smarter und klassischer Einkauf im Mix

In der Zukunft, so glauben die beiden Experten, gibt es wahrscheinlich nur noch vernetzte Haushaltsgeräte. Die Hersteller könnten ihren Vertrieb und die Lieferketten ganz darauf ausrichten. Innovationsfreudige Unternehmen müssen jedoch eine schwierige Übergangsphase durchmachen, betont man. Denn die meisten Kunden kaufen Produkte des täglichen Bedarfs traditionell im Einzelhandel oder bestellen aktiv online, wohingegen die „Early Adopters“ schon ihren smarten Haushaltsgeräten überlassen und automatisch beliefert werden, obwohl der Workflow teils noch auf Pilotstudien basiert, wie es weiter heißt. „Im Moment müssen Hersteller daher gleich mehrere Vertriebskanäle parallel bedienen“, so Weißhuhn. Das ist aber eine knifflige Aufgabe, denn die Produktions- und Versandkapazität des Herstellers ist begrenzt, die Nachfrage der Verbraucher individuell und in Summe schwankend. Gleichzeitig sind die Erwartungshaltungen an die Verfügbarkeit des Produkts und den Service hoch.

Smarte Bestellsysteme flexibilisieren die Lieferung

Das Modell der beiden Forschenden gilt als das erste, das die komplexe Wirklichkeit in diesem Kontext abbilden kann. Man will Herstellern damit Ansätze bieten, um ihnen die Übergangsphase zu erleichtern. Um der aktuellen Situation zu entkommen, empfiehlt die Wissenschaftlerin ein kombiniertes Konzept aus Bestellkorridor und Kundenpriorisierung.

Die Funktionsweise wird am Beispiel der Kaffeemaschine verdeutlicht: Im Kaffeebohnenbehälter wird eine Ober- und eine Untergrenze festgelegt. Befindet sich der Kaffee innerhalb der Grenzen dieses Bestellkorridors, meldet sich die Maschine. Der Hersteller kann dann zeitlich flexibel nachliefern. Spätestens jedoch, wenn der Bestand an Kaffeebohnen im Tank die Untergrenze erreicht hat, löst das Gerät von sich aus eine Bestellung aus. Smarte Aufträge könnten aber immer auch vorgezogen werden, wenn sich Lücken in der Nachfrage durch andere Vertriebskanäle ergeben würden. Das führe zu einer optimierten Ausnutzung des Lieferpotenzials, verspricht Weißhuhn.

Die Allgemeinheit muss noch überzeugt werden

In der Praxis gebe es noch weitere Hürden zu nehmen, bis das „Smart Replenishment“ sein volles Potenzial entfalten könne. Zunächst gibt es bisher nur wenige Geräte mit Schnittstellen zu Herstellern von Nachfüllprodukten. Und wenn bereits Schnittstellen existieren, sind diese aufwendig zu nutzen, heißt es. Und es existierten noch Probleme mit der Datengenauigkeit. Andererseits sind wegen der riesigen Menge an Daten, die von intelligenten Geräten gesammelt werden und dann gespeichert, analysiert und verwertet werden wollen, viele skeptisch. Hier müssten Kompetenzen und Erfahrungswerte teilweise erst noch erworben werden. Verbraucher hegten natürlich auch Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre ihrer Daten und zögerten, ihre Kaufentscheidungen an Unternehmen abzugeben.

Das gläserne Kundenverhalten soll vieles verbessern

Sandria Weißhuhn sieht dennoch eine Zukunft für diesen jungen Trend: „Sind die Anfangsschwierigkeiten aus dem Weg geräumt, verspricht ‚Smart Replenishment‘ für Hersteller und Lieferanten spannende neue Geschäftsmodelle.“ Hersteller können nun nicht nur direkte Verbindungen zu ihren Kunden aufbauen. Sie erhalten auch tiefe Einblicke in Nutzungsweise und Verbrauchsmuster, verstehen die Bedürfnisse ihrer Kunden also insgesamt besser. Lokale Einzelhändler, die sich einbinden lassen, könnte die Ausführung von Lieferungen mehr Widerstandsfähigkeit gegen die wachsende Konkurrenz im Online-Handel bringen, so ein weiterer Gedanke über die Vorteile.

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