Suchen

Datensicherheit

Wem gehören die Daten im Connected Car?

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Ist ein Dateneigentum darüber hinaus erforderlich?

Die oft zitierte Metapher von Daten als dem „Öl des 21. Jahrhunderts“ ist zumindest missverständlich, da sie die Eigenschaft von Daten als unkörperlichem Wirtschaftsgut mit all seinen Vor- und Nachteilen übersieht. Denn: Erst durch den größeren Daten- und Zeitzusammenhang und deren strukturierte Auswertung gewinnen Daten an wirtschaftlichem Wert. Dieser ist damit relativ, und die Zuweisung ausschließlicher Rechte an isolierten, fragmentarischen Daten für sich bringt niemandem Gewinn, sondern errichtet im Gegenteil Hemmnisse in der Aggregation und Veredelung der – isolierten gesehen: wertlosen – Daten. Dies unterscheidet die Natur des Wirtschaftsguts Daten von anderen, sachlichen Wirtschaftsgütern.

Das Ziel und der Nutzen eines eigenständigen Eigentums an Daten sind unklar: Soll es den Schutz personenbezogener Daten durch Ausschließlichkeitsrechte verstärken? Soll es ein vermeintlich geldwertes Wirtschaftsgut einem der vielen denkbaren „Erzeuger“ oder „Berechtigten“ zuordnen und damit einen Mehrwert bei Personen zuweisen, bei denen die Befürworter die Legitimität für ein solches Eigentum verorten? Sofern hier Schutzlücken behauptet werden, so können diese auch ohne die Einführung eines neuen Rechtsbegriffs geschlossen werden.

Die Schaffung eines Eigentumsbegriffs für Daten würde das heutige Schutzniveau nicht verbessern, sondern die Rechtsunsicherheit erhöhen, massive Auswertungshindernisse schaffen und die Gefahr von Informationsmonopolen erhöhen. Für niemanden wäre etwas gewonnen, aber viel an Innovationsoffenheit und -dynamik ginge verloren. Eine solche Regulierung ist daher weder erforderlich noch wünschenswert.

Nicht zuletzt liegen Datenschutz und -sicherheit im aufgeklärten Eigeninteresse der Anbieter, die bei Verstößen nicht nur empfindliche Geldbußen (gemäß EU-Datenschutzgrundverordnung bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu 4% des gesamten weltweiten Jahresumsatzes) verkraften müssten, sondern auch das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden verspielen würden – und sich damit selbst die Geschäftsgrundlage entziehen würden.

Empfehlung des BVDW

Der BVDW empfiehlt daher, auf die Schaffung eines neuen juristischen Eigentums an Daten zu verzichten. Die ab Mai 2018 anwendbare EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und der weitere bestehende Rechtsrahmen bieten schon heute einen ausreichenden und europaweit harmonisierten Spielraum für digitale Geschäftsmodelle und gewährleisten zugleich die Datenhoheit und die informationelle Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger. Diesen schwierigen, über Jahre mit den europäischen Partnern mühsam erarbeiteten Kompromiss sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Bestehende Schutzlücken können bereits in der jetzigen Rechtsordnung schneller, wirksamer und rechtssicher geschlossen werden als durch eine überstürzte Umgestaltung des Rechtssystems durch die Schaffung eines neuen Eigentumsbegriffs mit nicht absehbaren Konsequenzen.

Für zahlreiche Marktteilnehmer (Werkstätten, Versicherungen, Zulieferer, Werbetreibende, Wetter- und Kartendienste usw.) stellen Fahrzeugdaten ein wertvolles wirtschaftliches Gut dar, um personalisierte Dienstleistungen wie beispielsweise vorausschauende Wartung anzubieten oder andere Geschäftsmodelle zu betreiben. Daten sind die Voraussetzung für innovative und sichere Mobilität. Die rechtliche Regulierung sollte daher darauf ausgerichtet sein, das Ökosystem datengetriebener Geschäftsmodelle zu unterstützen und zu fördern.

Zu beachten ist allerdings die besondere Schutzbedürftigkeit vor Cyberkriminalität von Fahrzeugen. Der Schutz der Fahrzeug- und damit der Verkehrssicherheit hat oberste Priorität. Security-by-Design muss auch bei der Datenübertragung gelten, denn jede direkte Schnittstelle im Fahrzeug stellt eine Angriffsfläche dar. Das unbefugte Einbringen von Fremd- und Schadsoftware kann die Gesamtsystemintegrität und somit die Sicherheit des Fahrzeuges gefährden.

Zugleich sollen die Automobilhersteller den Datenaustausch mit Drittparteien verbessern. Der Datenaustausch muss dabei sicher, diskriminierungsfrei und zuverlässig erfolgen. Hierzu eignet sich besonders die backendgestützte Kommunikation, bei der der Hersteller alle relevanten Daten auf einen Backendserver überträgt. Drittparteien können die Daten von diesem Server nach Erfüllung der datenschutzrechtlichen Bedingungen – insbesondere der EU-Datenschutzgrundverordnung – herunterladen. Dieses Datenübertragungsmodell minimiert die Risiken vor Cyberattacken im Verkehrssektor und gewährleistet zugleich die freie Entfaltung datengetriebener Geschäftsmodelle.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Next Mobility erschienen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45235517)