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Innovationsbremse befürchtet

Welt-Roboterverband widerspricht Bill Gates bei Robotersteuer

| Redakteur: Franz Graser

Da durch die fortschreitende Automatisierung die Gefahr von Jobverlusten besteht, hatte Microsoft-Gründer Bill Gates vor Wochenfrist eine Besteuerung von Robotern gefordert. Der Welt-Roboterverband IFR widerspricht: Eine Robotersteuer würde die Innovation hemmen.

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(Bild: Pixabay, CC0 Public Domain)

Der IFR beruft sich auf das McKinsey Global Institute. Dieses stellt fest, dass sich mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze auch künftig nicht vollständig automatisieren lassen. In der Arbeitswelt der Zukunft werden Roboter die Arbeitnehmer also in vielen Bereichen unterstützen – also Mensch und Maschine enger als heute kooperieren.

Widerspruch gegen Bill Gates: Der Microsoft-Gründer hatte sich für eine Besteuerung von Robotern ausgesprochen.
Widerspruch gegen Bill Gates: Der Microsoft-Gründer hatte sich für eine Besteuerung von Robotern ausgesprochen.
(Bild: Bill Gates (2014) / Simon Davis/DFID / BY 2.0)

Die US-Automobilindustrie installierte beispielsweise zwischen 2010 und 2015 mehr als 60.000 Industrieroboter. Im selben Zeitraum nahm die Beschäftigung in der US-Automobilbranche um 230.000 Arbeitsplätze zu. Dieser Entwicklungstrend zeigt sich auch in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Europas und Asiens. Die jüngste OECD-Studie zur Zukunft der Produktivität ergab: Unternehmen, die technologischen Fortschritt erfolgreich einsetzen, sind bis zu zehnfach so produktiv wie Wettbewerber, die in diesem Feld nicht investieren.

Eine Roboter-Steuer würde die Investitionen in den technischen Fortschritt für die Unternehmen teurer machen. „Tatsächliche Wertschöpfung sollte besteuert werden und nicht schon im Vorfeld die reine Chance auf Gewinn”, sagt Joe Gemma, Präsident der International Federation of Robotics.

Die Praxis zeige, dass die Steuerbilanz nach einem technischen Umbau für die Sozialsysteme ohnehin positiv ausfalle. Wenn repetitive oder gefährliche Jobs durch den Einsatz von Industrierobotern verloren gehen, entstehen neue höherqualifizierte Stellen, die zudem besser bezahlt werden und damit die Beiträge für die Sozialkassen steigern.

Das Europäische Parlament hatte die Idee einer Robotersteuer jüngst ausdrücklich abgelehnt. Eine europäische Agentur für Robotik und künstliche Intelligenz würde nach Überzeugung der IFR einen bürokratischen Aufwand erfordern, der in keinem Verhältnis zu Kosten und Nutzen stehe. So seien die zivilrechtlichen Fragen der Robotik bereits mit den geltenden Rechtsvorschriften abgedeckt. Produkthaftung und Sicherheit würden durch globale Standards und EU-Direktiven wie die europäische Maschinenrichtlinie adressiert.

Eine zusätzliche Kategorie für Robotik zu etablieren oder weiterzuentwickeln ist laut IFR derzeit nicht notwendig. Auf europäischer Ebene sollte der aktuelle Prozess zudem berücksichtigen, was bereits standardisiert ist: So habe die weltweit größte internationale Organisation für Normung ISO schon ein spezielles Technisches Komitee für Robotik eingerichtet - die ISO / TC 299. Technische Fachleute aus Amerika, Asien und Europa entwickeln hier internationale Roboter-Sicherheitsstandards, die mit der europäischen Harmonisierung abgestimmt sind.

Wie die Praxis zeige, habe der Sektor großes Interesse daran, Standards auf globaler Ebene zu entwickeln, anstatt nur auf europäische oder nationale Aktivitäten zu achten. „Die IFR ist überzeugt, dass regulatorische Maßnahmen zur Robotik in enger Zusammenarbeit zwischen den Vertretern von öffentlichem Sektor, Roboterherstellern, Roboteranwendern und Entwicklern sowie Forschungseinrichtungen entwickelt werden sollten", sagt Joe Gemma.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS erschienen.

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