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Wissenschaftsjahr 2019 Weiterbilden rund um das Thema Künstliche Intelligenz

| Autor/ Redakteur: Mareike Hoffmann / Jürgen Schreier

„Integrated Industry - Industrial Intelligence“. Das Motto der Hannover- Messe 2019 macht es deutlich: Künstliche Intelligenz bewegt die Industrie. KI nimmt nach und nach Einfluss auf nahezu alle Unternehmensbereiche. Weiterbildungen im Bereich KI können Unternehmen helfen, vorhandene Potenziale zu nutzen.

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Angebote für Workshops und Weiterbildungen im KI-Umfeld gibt es mittlerweile viele, denn die Nachfrage von Unternehmensseite ist groß.
Angebote für Workshops und Weiterbildungen im KI-Umfeld gibt es mittlerweile viele, denn die Nachfrage von Unternehmensseite ist groß.
(Bild: gemeinfrei / Pexels)

„Wir wollen Deutschland und Europa zu einem führenden KI-Standort machen und so zur Sicherung der künftigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen.“ So lautet das Ziel der Bundesregierung. Die Realität sieht zurzeit noch anders aus. Laut einer aktuellen Umfrage von Bitkom Research nutzt bisher jedes 10. deutsche Industrieunternehmen Künstliche Intelligenz zur Vereinfachung von Prozessen. Rund 86 Prozent der befragten Unternehmen haben noch keine Technologie mit künstlicher Intelligenz in ihrem Unternehmen implementiert. Die Gründe dafür sind vor allem vorherrschende Berührungsängste mit Künstlicher Intelligenz, fehlendes Know-how und ein starker Mangel an Fachkräften im Bereich Datenanalyse.

Deutsche Unternehmen müssen Potenziale von KI erkennen

Als Antwort darauf legte die Bundesregierung in 2018 ihre „Strategie Künstliche Intelligenz“ mit rund drei Milliarden Euro Budget vor, um deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu unterstützen und den deutschen Mittelstand im Umgang mit KI zu fördern. Dr. Tristan Behrens ist Deep Learning Engineer und somit aktiv an der Entwicklung von KI- Software beteiligt, die auf Basis vorhandener Daten eigenständig dazu lernt. Fortschritt ist laut Behrens in diesem Bereich notwendig: „Das Thema wird immer wichtiger und es gibt immer weniger Berufe, die um KI herumkommen.“ Gerade im internationalen Vergleich sei es deshalb wichtig, dass deutsche Unternehmen die Potenziale von KI für sich erkennen. Eine Möglichkeit dafür bieten Weiterbildungen und Workshops im Bereich KI.

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Die Einführung von KI stellt Unternehmen vor strukturelle Veränderungen. Der Data Scientist Dr. Sebastian Derwisch von der Würzburger Beratungsgesellschaft BARC sieht die wesentlichen Herausforderungen im Wissensaufbau, der Datenqualität und der Frage, in welchem Fachbereich Datenanalyse im Unternehmen verankert wird: „Viele mittelständische Unternehmen haben Probleme Ressourcen in dem Bereich zu bekommen, weil es bisher nicht viele Data Scientists gibt.“ Der Jobtitel Data Scientist ist laut Derwisch der mit der höchsten Expertise in der Datenanalyse. Er wertet Daten systematisch aus, um Erkenntnisse daraus zu gewinnen.

Jedes Unternehmen verfüge über abgespeicherte Daten, die die Basis für den Einsatz von KI bilden können, so Derwisch. Oft seien diese Daten jedoch nicht mit der Absicht gespeichert worden, in Zukunft als Analyse-Grundlage zu dienen.

Dafür müssen sie zunächst aufwendig bereinigt werden. Es empfehle sich daher, eine allgemeine Datenstrategie einzuführen, die den Umgang mit Daten im Unternehmen vorgibt und den Mitarbeitern einen Leitfaden zur richtigen Datenablage bietet. Außerdem sei es wichtig zu verstehen, dass Daten erst einen Mehrwert für das Unternehmen haben, wenn sie mit Prozessen aus den Fachbereichen verbunden werden. An dieser Stelle findet sich die nächste Herausforderung: In welchem Fachbereich man das Thema KI im Unternehmen eingliedert oder ob es ein eigenes Kompetenzzentrum für Datenanalyse und KI geben soll. Außerdem müsse man ethische Standards für den Umgang mit KI festlegen.

Weiterbildungsangebote als Lösungsansätze

Ein Allgemeinrezept für die Einführung von KI gibt es nicht. Weiterbildungen bieten zusätzliche Expertise von außen und können Unternehmen gezielt unterstützen und Know-How aufbauen. Welche Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll sind, kommt stark auf die Größe des Unternehmens und das Vorwissen der Mitarbeiter an. Diese können aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen kommen: „Man trifft in Unternehmen immer wieder Menschen, die eine Affinität zu Daten und Datenanalyse haben, für die der Schritt zu Data Science nicht so groß ist, weil sie Enthusiasmus für das Thema mitbringen“, so Sebastian Derwisch. Auch Betriebswirte könnten sich zum Data Scientist beruflich weiterentwickeln. Voraussetzung dafür sei es lediglich, dass man mit Daten umgehen kann und Interesse am Thema hat.

Andere Workshops und Konferenzen zielen darauf ab, Mitarbeitern erst einmal eine Idee davon zu geben, was KI eigentlich ist und was es bedeutet, mit Daten zu arbeiten. Menschen können also auf diese Weise unterschiedlich abgeholt werden. KI- Experte Tristan Behrens bestätigt, dass man nicht unbedingt Data Scientists mit einem absolvierten Informatik- Studium braucht: „Man muss analytisch denken können.“ In seinen Workshops fänden sich häufig Naturwissenschaftler, die das Thema Deep Learning interessiere. Die Grundlagen im Bereich KI seien bereits ausgeforscht. "Das vorhandene Grundwissen reicht schon weiter, als wir es heute in der deutschen Industrie brauchen.“, so Behrens. Darauf könne man auch ohne komplizierte mathematische Grundlagen aufbauen.

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Die IHK Reutlingen hat die Notwendigkeit von Weiterbildungen für Künstliche Intelligenz ebenfalls erkannt. „Unser Ziel ist es, die Digitalisierung in der Region voranzutreiben“, sagt IHK-Projektmanagerin Jessica Barra. „Die Seminare sollen erstmal die Möglichkeiten aufzeigen: Was kann KI eigentlich und wie kann ich das in meinem Unternehmen umsetzen.“ Die Zielgruppe sind Führungskräfte, aber auch Mitarbeiter, die bisher kaum Berührung mit dem Thema hatten. „Wir haben ja den Hintergrund, dass wir auch weiterbilden wollen, um Karrierechancen zu verbessern.“

Für die Vernetzung untereinander hat die IHK außerdem ein Netzwerk gegründet, das Interessierten mit Vorwissen zum Austauschen dient und dazu verschiedene Veranstaltungen und Exkursionen zum Thema anbietet. Auch die Bundesregierung nennt in ihrer KI- Strategie Weiterbildungen als Maßnahme, um gerade den Mittelstand in diesen Bereichen zu unterstützen: „In den Kompetenzzentren Mittelstand 4.0 werden im Jahr 2019 mindestens 20 KI-Trainer kleine und mittelständische Unternehmen aufsuchen und für den Einsatz von KI- Technologie befähigen.“, heißt es im Dokument.

Angebote für Workshops und Weiterbildungen gibt es mittlerweile viele, denn die Nachfrage von Unternehmensseite ist groß. Gerade für mittelständische Unternehmen bieten Weiterbildungen die Chance, sich das Thema KI zu Nutze zu machen: „KI hat ein unglaublich hohes Einsatzpotenzial und dieses Potential sollte man ausschöpfen“, betont Tristan Behrens.

Projekt „Künstliche Intelligenz: Eine Multimedia-Reportage“

Dieser Artikel ist ein Beitrag zum Projekt „Künstliche Intelligenz: Eine Multimedia-Reportage“. Beteiligt daran sind rund 300 Studierende der Universität Würzburg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Frankfurt. Das Projekt findet im Rahmen des ‘Wissenschaftsjahres 2019‘ statt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Weitere Informationen unter www.wissenschaftsjahr.de

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