Sprung ins IoT Wegbereiter für mehr Effizienz und Sicherheit: So gelingt der Baubranche die Digitalisierung

Autor / Redakteur: Rogier Roelvink* / Sebastian Human

Das Internet of Things ist auch aus dem Alltag der Baubranche nicht mehr wegzudenken. Aber was bedeutet IoT konkret für das Bau- und Immobilienmanagement? Welche Effizienzsteigerungen und weiteren Vorteile können Unternehmer des Baugewerbes von der Digitalisierung erwarten?

Firmen zum Thema

Die Vorteile der Vernetzung digitaler Daten und Prozesse: Arbeitsabläufe lassen sich leichter organisieren, Informationen transparenter aufbereiten und Projektbeteiligte besser verbinden.
Die Vorteile der Vernetzung digitaler Daten und Prozesse: Arbeitsabläufe lassen sich leichter organisieren, Informationen transparenter aufbereiten und Projektbeteiligte besser verbinden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange und markiert einen entscheidenden Meilenstein. In den letzten Jahren hat sich die Definition der Industrie 4.0 etwas geändert, doch grundsätzlich ist die intelligente Verbindung von Geräten gemeint, die Daten erzeugen. Ziel ist, diese Daten verfügbar zu machen und in Verbindung zueinander zu setzen, um Rückschlüsse aus übergeordneten Zusammenhängen zu ziehen. Für die Baubranche bedeutet der damit einhergehende technologische Fortschritt, dass neue, intelligentere, sicherere und bessere Wege für die Planung, den Bau und den Betrieb von Einrichtungen verfügbar sind.

Das Versprechen des Internet of Things

Miteinander kommunizierende Geräte machen Gebäude und Anlagen „intelligent“. Hierfür müssen die Systeme jedoch mit dem Internet verbunden sein. Der Mehrwert: Arbeiten Anlagen nicht mit voller Leistung oder kommt es zu Ausfällen, erhalten die Verantwortlichen automatisch Benachrichtigungen über den Status quo. Störungsfälle lassen sich so minimieren und Betriebsausgaben senken. Dennoch ist es schwierig, direkte und unmittelbare Kosteneinsparungen der Kommunikation via Internet zuzuschreiben. Quantifizierbare Aspekte, die für eine geschäftliche Rechtfertigung von Investitionen in IoT-Geräte in Betracht kommen, sind beispielsweise Risikovermeidung und -reduzierung, verringerte Ausfallzeiten und Unterbrechungen.

Ein weiterer Grund, warum die Baubranche IoT-Geräte immer noch skeptisch betrachtet, liegt darin begründet, dass sie derzeit eine konstant wachsende Anzahl an Daten verzeichnet. Diese zu verwalten und geschäftsrelevante Rückschlüsse aus den gewonnenen Daten zu ziehen, stellt jedoch nach wie vor eine Herausforderung dar. Dies liegt daran, dass die Baubranche teilweise nicht weiß, wie die Interpretation der Daten helfen kann, Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen zu unterstützen sowie Sicherheitsvorfälle und -risiken zu reduzieren. Umso wichtiger ist es, sich das Potenzial durch die Einführung von IoT-Technologien bewusst zu machen – insbesondere in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz beziehungsweise Machine Learning.

Die Rolle maschinellen Lernens

Die Kombination zusammenhängender Datensätze verbessert den Einblick in die Leistung von Anlagen erheblich. Beispielsweise kann die Verbindung von HLK-Leistungsdaten mit Wettermustern und Informationen über die Belegung von Räumen hilfreiche Erkenntnisse darüber liefern, wie sich HLK-Anlagen unter bestimmten Umständen verhalten. Vorstellbar ist auch eine Einrichtung, die „lernt“, die Arbeitsmuster ihrer Bewohner zu erkennen und automatisch auswertet, wie sich die Arbeitszeiten im Laufe des Geschäftsjahres verändern. Darüber hinaus kann Technologie, die auf analytischen Erkenntnissen aus künstlicher Intelligenz oder maschinellem Lernen basiert, lernfähige Anlagen und Systeme so weit unterstützen, dass sie im Falle von Veränderungen bestimmter Parameter „automatisch“ Präventivmaßnahmen ergreifen.

Um das zu ermöglichen, muss die Baubranche jedoch die zentralen Herausforderungen lösen, die die Digitalisierung des Baugewerbes hemmen:

  • 1. Viele IoT-Geräte müssen hinsichtlich Funktionalität und Konnektivität noch reifen, damit sie nützliche Erkenntnisse liefern und sich plattform- sowie systemübergreifend nutzen lassen.
  • 2. Anwender der Technik müssen in die Digitalisierungsbestrebungen einbezogen werden, um das volle Potenzial des IoT nutzbar zu machen.
  • 3. Bestehende Prozesse müssen modifiziert und mit Blick auf ihre Zweckmäßigkeit und Funktionalität neu aufgesetzt werden.

Jetzt aktiv werden und handeln

Damit Projekte der Baubranche von den Vorteilen von IoT-Geräten und -Analysen profitieren können, sollten Unternehmen drei Dinge beachten:

  • 1. Daten sammeln: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind für eine Organisation nur dann nützlich, wenn die Technologie aus historischen Daten „lernen“ und dadurch Ergebnisse liefern und Muster erkennen kann. Daten sollten daher konsistent durch den Einsatz intelligenter Technologien auf strukturierte Weise gesammelt werden.
  • 2. Veränderungen annehmen: Menschen und Organisationen sind von Natur aus skeptisch gegenüber Veränderungen. Um von den technologischen Vorteilen des Internet of Things zu profitieren, ist es entscheidend, dass die notwendigen Veränderungen gemeinsam angegangen und umgesetzt werden.
  • 3. Verfahrensweisen hinterfragen: Derzeit angewandte Prozesse, Vorschriften und Arbeitspraktiken basieren zumeist auf historischen Ereignissen, Aktivitäten und Verbesserungen. IoT-unterstützende Technologien eröffnen Gelegenheiten, Ansätze und Praktiken zu hinterfragen sowie neu zu gestalten. Das ist eine einmalige Chance, um inkrementelle Verbesserungen hinter sich zu lassen und umfassende Veränderungen zu realisieren.

Konnektivität, Funktionalität und Verfügbarkeit von IoT-Geräten werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die Baubranche muss daher den Sprung ins Internet of Things wagen und IoT-Geräte bereits jetzt einsetzen. Wichtig ist, die vorhandenen Daten zu sammeln und zu strukturieren, damit eine künstliche Intelligenz sie zum Lernen nutzen kann. Um von den technologischen Vorteilen zu profitieren, ist es zudem entscheidend, dass notwendige Veränderungen angegangen und Verfahrensweisen in Bezug auf ihren Nutzen und ihre Anwendbarkeit hinterfragt werden. Bei richtigem Einsatz versetzt das Internet of Things Unternehmen in die Lage, nicht nur die Produktivität und ihre Sicherheitsaufzeichnungen zu verbessern. Auch die Zufriedenheit von Anwendern, Mitarbeitern und Kunden lässt sich so steigern, dass sie die aktuellen Leistungsstandards übertreffen und die Art und Weise verändern, wie das Geschäft betrieben wird.

Exkurs: KI in der Baubranche

Wie Methoden der Künstlichen Intelligenz die Baubranche revolutionieren, zeigt das Beispiel intelligenter Gebäude und Anlagen. So geben in einem Gebäude verbaute Sensoren, Aufschluss darüber, ob eine Etage um 18.30 Uhr noch belegt ist oder nicht. Hierzu werden die Daten der Zugangssysteme, die Raumtemperatur und der Energieverbrauch kombiniert ausgewertet. Ist dem nicht so, werden die Gebäudemanagementsysteme automatisch angewiesen, das Licht auszuschalten, Heizung, Lüftung und Klimaanlage (HLK) herunterzufahren, das Sicherheitssystem in den Nachtmodus zu versetzen und die Alarmanlage zu aktivieren. Ein gut funktionierendes Konzept, denn die Betriebsparameter werden in Zeiten des Internet of Things nicht länger bei der Inbetriebnahme der Anlage voreingestellt oder manuell angepasst. Die Anlage reguliert sich nun vielmehr intelligent und selbstlernend entsprechend den Bedürfnissen der Menschen – bei gleichzeitiger Optimierung der Energieeffizienz und ohne Beeinträchtigung der Sicherheit.

* Rogier Roelvink arbeitet als Director Customer Strategy bei Oracle Construction and Engineering.

(ID:47361543)