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Weg mit den Chefs - her mit den Kunden

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Kampf für liberale Grundordnung

Hintergrund für Blases sorgenvolle Reaktion ist die enge familiäre und berufliche Bindung. Er fährt fast jedes Jahr in die USA, hat dort Familie und viele Freunde. Dass diese durchaus auch Trump wählen würden, beschäftigt ihn sehr. Im Kontrast dazu hat ihn ein Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim IHK-Jahresempfang positiv beeindruckt. Unter Kölner Rede auch im Internet zu finden, hat Merkel hier indirekt zur US-Präsidentenwahl Stellung bezogen.

Blase war die Begegnung so wichtig, dass er den Hinweis darauf in seine betriebliche Wochenmail aufgenommen hat, mit dem entscheidenden Satz: „Geschichte ist nicht linear und war noch nie linear. Es gibt immer Wellenbewegungen und wir sind am Scheideweg. Die Frage lautet, kämpfen wir für unsere liberale, freiheitliche Grundordnung, die uns den Wohlstand gebracht hat.“

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Die Stimmlage als er diese Sätze spricht, ist wieder lauter, der Körper leicht nach vorn gebeugt, wenn er fortfährt: „Genau das ist die Frage, schaffen wir diesen Kampf?“ Doch Frank Blase ist kein Revoluzzer. Auf die Frage nach Konsequenzen, die er zu ziehen gedenkt, und wie ein solcher Kampf aussehen könnte, rudert er zurück: „Zunächst einmal beobachte ich die Entwicklung mit einem für mich ungewöhnlichen Pessimismus. Konkret wird es erst, wenn es Zölle oder Einreiseverbote gäbe, bei denen man sich als Unternehmen anpassen muss.“

Beim Blick auf Amazon hilft auch kein Jammern

Themenwechsel: Fachkräftemangel ist für Blase kein Thema, das habe er von seinem Vater gelernt. „Es ist immer schwierig, gute Leute zu gewinnen. Wir haben sowieso eine hochinteressante Struktur der Mitarbeiter. Hier am Standort Köln arbeiten ungefähr 30 Nationen.“ Um alle Aufgaben stemmen zu können, setzt die Personalabteilung auf interne Ausbildung. Gemeinsam mit der örtlichen IHK wird eine abgespeckte Fachkräfteausbildung durchgeführt, beispielsweise zum Verfahrensmechaniker Spritzguss oder Werkzeugverfahrensmechaniker.

Hier werden Mitarbeiter weitergebildet, die meist zwischen 25 und 40 Jahre alt sind und schon länger bei Igus arbeiten. Die knapp 40 offenen Stellen sind eher wachstumsbedingt durch Projekte entstanden. Mit dem Fehlen von Fachkräften für eine künftige Digitalisierungsstrategie geht Blase gelassen um: „Wenn es auf dem einen Weg nicht geht, muss man eben einen anderen suchen. Wenn ich lese, dass Amazon 700 Entwickler in Deutschland einstellt, könnte ich ihnen auch etwas vorjammern. Ich bin aber überzeugt, dass eher mein Geschick als verantwortlicher Unternehmer gefragt ist.“

Während er das sagt, wird er zwei Mal vom klingelnden Telefon unterbrochen, der Gesprächspartner wird vertröstet; die Mittagspause und damit die Unterhaltung neigt sich langsam dem Ende zu.

Zum Schluss des Gespräches darf die Frage nach dem Glücksbringer nicht fehlen. Es dauert ein wenig, bis Blase antwortet: „Ich kann Ihnen nicht sagen warum – Äpfel sind auch lecker –, aber meine Birne darf mir keiner nehmen.“ Wo zu Beginn seines mittäglichen Spaziergangs das Obst die einzige Gesellschaft war, ist seit zwei Jahren Betriebsleiter Igor Iraeta fester Begleiter.

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