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Cloud-Repatriation

Warum nutzen Unternehmen statt der Public Cloud jetzt die Hybrid Cloud?

| Autor/ Redakteur: Guntram Alffen* / Burkard Müller

Bei der Cloud-Repatriation nutzen Unternehmen vermehrt die Hybrid Cloud, um Daten und Anwendungen in alle Umgebungen verschieben zu können. Das Zurückholen von Daten oder Anwendungen ins eigene Rechenzentrum ist daher zu einem Trend geworden.

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Cloud-Repatriation, also die teilweise Rückführung von Daten aus der Public in die Private Cloud, ist ein großer Trend bei Unternehmen, die je nach Bedarf die "hybride Cloud" nutzen.
Cloud-Repatriation, also die teilweise Rückführung von Daten aus der Public in die Private Cloud, ist ein großer Trend bei Unternehmen, die je nach Bedarf die "hybride Cloud" nutzen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Noch vor wenigen Jahren glaubten wir, dass die Public Cloud die Zukunft der IT ist und früher oder später physische Rechenzentren ersetzen würde. Tatsächlich ist der Trend, Daten und Workloads in Public Clouds zu migrieren, seit langem ungebrochen stark und es ist kein Ende dieser Entwicklung auszumachen. Doch trotz dieses generell anhaltenden Trends in Richtung Public Cloud ist Cloud-Repatriation, also die entgegengesetzte Entscheidung, Daten und Workloads zurück nach Hause ins eigene Rechenzentrum zu holen, in letzter Zeit zur Realität geworden. Was treibt diese Entwicklung an?

Die Grundvoraussetzung ist die vermehrte Nutzung der Hybrid Cloud. Für viele Unternehmen, ist sie bereits der Standard und hat so die Sichtweise der Cloudnutzung an sich dramatisch verändert: Von dem Muster, dass die Public Cloud der beste Ort für alles ist, hin zu einer Strategie, Anwendungen dort zu platzieren, wo sie tatsächlich am besten passen.

Wer dank einer Hybrid Cloud die Wahl hat, kann dann von Fall zu Fall entscheiden. Aber was verursacht den Trend zur Cloud-Repatriation von Workloads und Daten aus Public Clouds in Private Clouds im Detail? Tatsächlich gibt es eine ziemlich überzeugende Liste von Faktoren.

1. Das lokale Rechenzentrum hat sich zu einer cloud-fähigen Infrastruktur entwickelt

Voraussetzung für den Trend ist die Verfügbarkeit von cloud-fähigen Technologien außerhalb der Public Cloud. Diese Technologien hatten ihren Ursprung in der Public Cloud, werden jedoch mittlerweile auch im Rechenzentrum eingesetzt. Mit ihnen begannen Unternehmen hybride Clouds und Infrastruktur in ihrem Rechenzentrum zu nutzen, die „cloud-ready“ sind.

So haben diese Unternehmen generell die Wahl, wo sie ihre Daten und Workloads platzieren möchten. Public Cloud-Anbieter lösten diese Entwicklung einst durch den Aufbau von softwaredefinierten oder automatisierten IT-Services aus, indem sie eine sehr attraktive Schnittstelle für Entwickler schafften. Diese großen, softwaredefinierten Fortschritte sind seitdem nicht mehr nur in der Public Cloud zu finden, sondern im gesamten IT-Spektrum:

  • in Private Clouds,
  • am Rande der Infrastruktur (Edge Computing),
  • im Distributed Core oder
  • sogar als SaaS oder Managed Services.

Und da die Cloud keine Infrastruktur-, sondern eine Applikationsstrategie ist, haben Unternehmen begonnen, cloud-fähige Technologien auf vielen Ebenen ihrer Rechenzentren einzusetzen, um die Cloud zu Hause zu emulieren. Die Einführung von Azure Stack und Amazon Outpost scheint zu bestätigen, dass die Nachfrage nach Public Cloud-Technologien im Rechenzentrum steigt. Das Rechenzentrum hat die Public Cloud technologisch eingeholt, inklusive konsumbasierter Geschäftsmodelle, Elastizität durch softwaredefinierte Speicherung und agile Entwicklung mit Containern.

2. Data Gravity

Data Gravity ist ein weiterer Faktor, der sich vor allem auf die Datenspeicherung vor Ort und die damit verbundenen Kosten sowie die Verwaltung auswirkt. Anwendungen und Daten werden voneinander angezogen. Je mehr Daten es gibt, desto größer ist die gegenseitige Anziehungskraft von Anwendungen und Diensten, die mit diesen Daten verknüpft werden können.

Es gibt eine lange Liste von Faktoren, die das Phänomen Data Gravity beeinflussen können, insbesondere jedoch zwei Faktoren: Netzwerkbandbreite und Netzwerklatenz. Man kann dies auch im Hinblick auf die Netzwerkeffekte weiter gefasst betrachten: Eine große Menge von Daten zieht tendenziell immer mehr Dienste an, die diese Daten nutzen. Daten gehorchen den Regeln der Physik, genauso wie Masse.

Diese Realität muss bei der Planung von IoT oder anderen Systemen, die mit großen Datenmengen arbeiten, berücksichtigt werden. Auch die Dichte von Speicherlaufwerken wächst exponentiell, aber die Übertragung von Daten in die Cloud wird immer schwieriger, da die Kapazität der übertragenden Kabel nicht genauso exponentiell wächst.

Es ist schwer zu verallgemeinern, wie viele Daten zu viel sind, um sie noch sinnvoll zu bewegen. Die Kosten für Speicherung und Übertragung von Daten sind komplex und hängen von vielen Faktoren ab. Das Senden von 2 PB (= Peta Byte, ein PB entspricht 1.024 Tera Byte) über Netzwerkverbindungen in die Public Cloud scheint bereits heute sehr teuer.

Die Kosten, um 5 PB in einem Jahr zu übertragen, werden wohl noch unerschwinglicher und 10 bis 15 PB in zwei Jahren werden wohl jeden finanziell sinnvollen Rahmen sprengen. Selbst mit Glasfasernetzwerken würde es Jahre dauern, große Datensätze an einen anderen Ort zu migrieren. Dies führt dazu, dass Unternehmen begonnen haben, ihre Daten mit Edge Computing dort zu verarbeiten, wo sie entstehen, weil sie einfach nicht mehr bewegt werden können.

3. Kontrolle, Sicherheit und Compliance

Ein weiterer Hauptgrund für Unternehmen, bestimmte Arten von Daten und Workloads aus der Public Cloud zu holen, ist Sicherheit. Zu Beginn des Trends zur Migration in die Public Cloud herrschte das Missverständnis vor, dass Daten in der Public Cloud zu 100 Prozent geschützt und sicher sind. In Wirklichkeit sind die Daten von Unternehmen in der Public Cloud stark gefährdet, wenn diese nicht die richtigen Sicherheits- und Datenschutzlösungen einsetzen.

Unternehmen verstehen heute mehr darüber, was die Public Cloud bietet und was ihr fehlt. Die Rückführung von Daten und Workloads in das Unternehmen kann eine bessere Transparenz darüber bieten, was genau passiert und die Kontrolle über Sicherheit und Compliance ermöglichen. GDPR (General Data Protection Regulation, deutsche Abkürzung: DSGVO) zum Beispiel hat Organisationen einen Grund gegeben, ihre Daten als Maß für die Datenhoheit in der Nähe und unter ihrer Kontrolle zu speichern.

4. Kosten

Einer der ersten Gründe für die Übertragung von Daten in die Public Cloud war eine bessere Kosteneffizienz, insbesondere bei großen Datenmengen für Backup und Archivierung. Da jedoch immer mehr cloud-fähige Technologien im Rechenzentrum verfügbar sind, hat sich die Kluft zwischen beiden verringert, was wiederum die Kostenvorteile der Public Cloud reduziert. In einigen Anwendungsfällen sind Lösungen im Rechenzentrum für die meisten Workloads heute bereits kostengünstiger als die Public Cloud.

Warum der hybriden Cloud die Zukunft gehören könnte

Die hybride Cloud gibt Unternehmen die Möglichkeit, ihre Daten und Workloads dort zu platzieren, wo sie am besten passen – auch in ihren eigenen Rechenzentren. Diese Möglichkeit, gepaart mit steigenden Problemen, so etwa aktuelle Ausfälle, hohe Kosten, Latenzprobleme und Fragen zu Kontrolle, Sicherheit und Compliance, führt zu einem neuen Trend der Repatriation von Workloads und Daten, aus Public Clouds in Private Clouds. Ein weiterer großer Treiber hierfür ist das zunehmende Problem der Data Gravity, das die Übertragung großer Datenmengen in Zukunft aufgrund der steigenden Kosten für Netzwerkübertragung verhindern wird.

Vor allem aber sind Unternehmen auf der Suche nach Flexibilität bei der Einrichtung von Lösungen und Services. Diese sollten so flexibel sein, dass sie mit ihrem Unternehmen wachsen können. Diese Unternehmen, werden sich ungern auf eine der beiden Seiten festlegen wollen. Wenn Unternehmen die beste IT-Infrastruktur für ihre Workloads bewerten, wird eine hybride IT mit einem Mix aus Public Cloud, Private Cloud und lokalen Lösungen, wohl zur Normalität werden.

Da „cloud-ready“-Anwendungen über hybride Cloud-Umgebungen verteilt sind, werden IT-Teams zukünftig Technologien wie beispielsweise Service Mesh einsetzen müssen, das Anwendungen mit den benötigten Diensten verbindet, wo auch immer sie sich befinden.

*Guntram Alffen ist Regional Director DACH bei Avi Networks.

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