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Expertenbeitrag

Holger Engelland

Holger Engelland

Leiter des Datenrettungslabors bei Ontrack.

Let’s fail!

Warum IT-Fehler eine Bereicherung sein können

| Autor/ Redakteur: Holger Engelland / Sebastian Human

Eine gesunde Fehlerkultur kann wirtschaftlichen Schaden von Missgeschicken verringern und hilft Mitarbeitern, sich weiterzuentwickeln. Warum ein bewusstes Management von Fehlern Sinn macht.

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Eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren, ist wichtig, um aus Missgeschicken lernen zu können.
Eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren, ist wichtig, um aus Missgeschicken lernen zu können.
( Bild: Photo by Quino Al on Unsplash )

„Wir machen doch alle mal Fehler.“, „Fehler sind menschlich.“, „Aus Fehlern lernt man.“. Aussagen wie diese klingen abgedroschen. So missachten sie doch gerade im Unternehmensumfeld die negativen Auswirkungen, die Fehler haben können: man verliert womöglich wichtige Budgets, das Vertrauen des Chefs, der Kollegen und nicht zuletzt auch in sich selbst. Gerade Fehler, die in der IT passieren, ziehen meist einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich. So ist die IT doch in Zeiten des digitalen Wandels der Kern eines jeden Unternehmens. Mit ihr steht und fällt das Business. Nicht auszudenken, wenn hier schwerwiegende Fehler passieren, die den Ausfall von kritischen Systemen oder Datenverlust zur Folge haben. Laut einer aktuellen Umfrage von Ontrack Datenrettung haben 84 Prozent der IT-Mitarbeiter schon mal einen Fehler verursacht, der Datenverlust zur Folge hatte. Jedem fünften ist das unangenehm, denn 22 Prozent beseitigen Fehler lieber schnell, anstatt sie zuzugeben.

Fehler wie falsche Backups gehören zum Daily Business

Doch dürfen sich IT’ler deshalb weniger Fehler erlauben als Mitarbeiter anderer Abteilungen? Unsinn, denn so abgedroschen die eingangs erwähnten Floskeln auch klingen – sie sind zutreffend. Vor allen Dingen gehören Fehler zum Daily Business eines jeden Unternehmens. Datenretter erhalten beinahe täglich Fälle, in denen Daten aufgrund menschlicher Fehler verloren gegangen sind. Niemand kann fehlerlos arbeiten – schon gar nicht in der IT. Denn die hochkomplexen Technologien von heute bergen eine enorme Summe an Fehlerquellen. Es ist so gut wie unmöglich, jedes System und jede Information im Detail zu kennen. Auch passieren Fehler in agilen Umgebungen nun einmal.

Je mehr Programme miteinander vernetzt sind, desto mehr ist abhängig voneinander. Hier kann ein falscher Mausklick ausreichen, um Prozesse lahmzulegen und Daten verschwinden zu lassen. So beispielsweise bei virtuellen Maschinen. Wird versehentlich die falsche Version – die Dateinamen lauten oft sehr ähnlich – gelöscht, können selbst Datenrettungsprofis meist nichts mehr tun. Die fatalsten Fehler werden im Umgang mit Backups begangen. Zwar haben Unternehmen begriffen, wie wichtig eine zusätzliche Datensicherung für den Notfall ist. Dennoch kommt es häufig vor, dass Backups nicht regelmäßig geprüft werden oder veraltete Tools eingesetzt werden, die neuen IT-Architekturen nicht mehr gerecht werden. Auch werden häufig Systeme miteinander kombiniert, die eigentlich nicht zusammenpassen. Ein häufiger Fauxpas dabei ist, wenn ein Unternehmen veraltete Software updaten will, aber zu geizig ist, das gesamte Setup zu erneuern. All diese Fehler haben schwerwiegende Folgen: Sie verursachen Datenverlust.

Unternehmen haben für alles Prozesse – warum nicht für Fehlermanagement?

Doch wie soll man mit solchen Fehlern umgehen? Das richtige Verhalten entscheidet darüber, wie groß der Schaden wirklich wird. Denn Daten sind heutzutage Arbeitsgrundlage. Unternehmen können nur eine bestimmte Zeit ohne Daten überbrücken. Es zählt jede Minute. Das Fehlverhalten leugnen und vertuschen ist also definitiv der falsche Weg, denn das kostet Zeit. Auch sollten Mitarbeiter nicht blindlinks loslaufen und versuchen, den Fehler selbst zu beheben. Das macht das Ausmaß meist nur schlimmer und erschwert die Datenrettung. Um wichtige Daten wiederherstellen oder rekonstruieren zu können, müssen Datenretter genau nachvollziehen können, was passiert ist.

Eine gute Fehlerkultur ist also das A und O. Unternehmen haben für alles Mögliche einen definierten Prozess: für Urlaubs- und Abwesenheitseinträge, Rechnungsfreigaben, das Aufsetzen neuer Projekte. Warum nicht auch für Fehler? Auch Fehlverhalten muss gemanagt werden. Wenn ein Missgeschick passiert, sollte jeder Mitarbeiter sofort wissen, was zu tun. Er sollte in der Lage sein, seine Kompetenzen richtig einzuschätzen und sich rechtzeitig Hilfe holen. Hat das Unternehmen dann auch noch eine ‘Notrufnummer‘ vorbereitet, also je nach Fall Experten zur Hand, die Wissen was zu tun ist, kann etwa die Wiederinstandsetzung der Systeme oder die Datenwiederherstellung zügig beginnen. Ebenfalls wichtig: den Fehler direkt kommunizieren und offen dazu stehen, anstatt sich zu schämen. Nur so kann auch das Team entsprechend daraus lernen.

Aus Fehlerkultur wird Lernkultur

Eine offene Fehlerkultur kann also den wirtschaftlichen Schaden von Fehlern minimieren, aber auch bei Stress entlasten. Denn zu wissen, dass bei einem Fehler nicht gleich eine Abmahnung oder Kündigung droht, entspannt. Unternehmen mit einer gesunden Fehlerkultur tragen mitunter dazu bei, eine produktive Lernkultur zu schaffen und helfen Mitarbeitern, sich weiterzuentwickeln. Anstatt zu versuchen sie zu verhindern, sollten Unternehmen sich besser auf sie vorbereiten. Fehler werden definitiv passieren, sei es durch Stress oder Unaufmerksamkeit. Die Frage ist nur, warum sie geschehen und wie man das Beste aus ihnen macht.

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Leiter des Datenrettungslabors bei Ontrack.

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