Im Gespräch mit Erich Gerber von Tibco Software Warum iPaaS eine Hopplahopp-Cloud-Strategie verhindert

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Mit Integration Platform-as-a-Service, abgekürzt iPaaS, lassen sich Anwendungen und Daten aus Cloud- und On-Premises-Umgebungen verbinden. Unternehmen müssen ihre vorhandene IT also nicht sofort über Bord werfen, sondern können den Weg in die Cloud langsam angehen.

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Das alte muss nicht gleich weg. Mit Hilfe einer Integrationsplattform werden IT-Architekturen fit gemacht für moderne (Cloud-)Umgebungen.
Das alte muss nicht gleich weg. Mit Hilfe einer Integrationsplattform werden IT-Architekturen fit gemacht für moderne (Cloud-)Umgebungen.
(Bild: © itestro – adobe.stock.com)

Für Tibco Software ist Integration ist das Fundament seiner Marke. Mit Tibco Cloud Integration bietet das Unternehmen eine hybride Integrationsplattform, die Kunden den Zugriff auf ihre Anwendungen und Daten von überall her ermöglicht, unabhängig davon, wo sie erstellt werden. Erich Gerber, Senior Vice President EMEA & APJ, erklärt, welche Vorteile der iPaaS-Ansatz gerade kleinen und mittelständischen Firmen bieten kann.

Warum hat iPaaS aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen?

Erich Gerber: In Deutschland hat sich der Trend zur Cloud beschleunigt. Große Unternehmen haben ihre Rechenzentren verkauft und sich damit für den Weg in die Cloud entschieden. Auch konservative Unternehmen – wie etwa Banken – denken darüber nach, wie sie die Cloud nutzen können. Da diese Unternehmen aber auf eine lange Historie zurückblicken, müssen sie mit ihren Legacy-Systemen in die Cloud migrieren. Wir sehen, dass Unternehmen oft mit einem „Rehost“-Ansatz beginnen – auch als „Lift and Shift“ bekannt – und ihre Applikationen in die Cloud verschieben. Darauf folgt die Modifikation („Rearchitect“) bzw. Neuerstellung („Rebuild“) der Anwendungen von Grund auf.

Aber so einfach kommt ein Unternehmen ja nicht in die Cloud. Wie kann ein Unternehmen wie Tibco hier unterstützen?

Erich Gerber, Tibco Software.
Erich Gerber, Tibco Software.
(Bild: Tibco)

Wir sehen auch, dass es durch Cloud-Initiativen einen erhöhten Bedarf an Beratung gibt, und haben daher einen vierteiligen Workshop entwickelt, um Kunden bei der Migration der Integrationsumgebung in die Cloud zu unterstützen. Dort geht es beispielsweise darum, die Geschäftstreiber und den Ist-Zustand zu ermitteln, die künftigen Architekturen zu definieren, Innovationshindernisse zu identifizieren und die besten Anwendungsfälle zu bestimmen. In vielen Fällen ist iPaaS ein wichtiger Baustein in der zukünftigen Lösungsarchitektur, um Ziele wie Sicherheit, Agilität und Skalierbarkeit zu erreichen.

Welche Hauptvorteile hat eine iPaaS-Plattform für den Nutzer?

Hier sind vier Punkte zu nennen. Erstens agiles Vorgehen: Konzepte testen, schnelle kurze Entwicklungszyklen, schnelles Lernen, kurze time-to-market. Zweitens kein Aufwand für den Betrieb der Plattform. Die Wartung der Plattform für Updates, Hotfixes etc. wird von deren Betreiber übernommen. Drittens die schnelle Bereitstellung der Umgebungen sowie automatische Skalierbarkeit. Viertens die Tatsache, dass es sich um eine zentrale Plattform für Techniker und auch Nicht-Techniker handelt. Damit können Integrationsaufgaben auch von einem weniger gut ausgebildeten Mitarbeiter übernommen werden, den man in Anlehnung an den „Citizen Developer“ [= Endnutzer, die sich als Entwickler betätigen; Anm. der Red.] auch „Citizen Integrator“ [= Endnutzer, die sich als Entwickler betätigen mit Fokus auf Integration der Applikationen; Anm. der Red.] nennen könnte.

Wodurch unterscheidet sich iPaaS von Ansätzen wie Enterprise Service Bus?

iPaaS und Enterprise Service Bus haben im Kern dieselbe Aufgabe: Die Integration von Applikationen in einem Unternehmen. Der größte Unterschied lag darin, welche Systeme einfach angebunden werden können, in der Komplexität der Integration sowie der Skalierbarkeit. Während iPaas Integrationswerkzeuge über die öffentliche Cloud zur Verfügung stellt und nicht notwendigerweise auf Hard- und Software im Rechenzentrum des Kunden angewiesen war, kannte man den ESB vor allem aus dem „On-Premises“-Anwendungsfall. Dabei konzentrierten sich ESB und iPaas in der Vergangenheit auf unterschiedliche Integrationsszenarien. Im Gegensatz zu klassischen Ansätzen wie Enterprise Service Bus oder Service-orientierten Architekturen konzentrierte sich der iPaas-Ansatz mehr auf die neuen leichtgewichtigen Integrations-Paradigmen wie REST und JSON für Cloud-native Applikationen. Eine iPaaS-Platform ist somit eine perfekte Ergänzung bzw. Erweiterung zu einem bereits bestehenden Enterprise Service Bus.

Was ist dann das Besondere bei Tibco?

Wir haben unsere Werkzeuge weiterentwickelt, um die Integration von Cloud-Diensten zu unterstützen – genauso wie die iPaas-Anbieter ihre Lösungen um hybride Ansätze erweitert haben. Dadurch ergibt diese Abgrenzung aus unserer Sicht heute immer weniger Sinn. Auf jeden Fall sollten moderne Integrationswerkzeuge die aktuellen Anforderungen erfüllen: mandantenfähige Architektur, Ad-hoc-Integration, Unterstützung für unterschiedliche Anwenderprofile, Citizen Integrator, SaaS-Integration, IoT-Integration.

Für welche Unternehmen ist eine iPaaS-Plattform relevant?

Kunden beschreiten verschiedene Wege zur digitalen Transformation, wenn sie ihre IT und Anwendungen in die Cloud migrieren.
Kunden beschreiten verschiedene Wege zur digitalen Transformation, wenn sie ihre IT und Anwendungen in die Cloud migrieren.
(Bild: Tibco)

Große ebenso wie mittelständische Unternehmen können von den Vorteilen einer iPaas profitieren. Sie sollten dabei aber darauf achten, dass die Integrationswerkzeuge des Anbieters auf ihre Deployment-Anforderungen passen. Gerade in der heutigen Zeit, in der viele Unternehmen auf dem Weg in die Cloud sind, ist vielleicht als erster Schritt eine hybride Lösung denkbar – und erst im zweiten Schritt eine vollständig cloud-basierte Lösung. Wichtig ist hier, dass der Anbieter unterschiedliche Ansätze unterstützt und das Unternehmen beim Weg in die Cloud begleitet.

Inwieweit unterstützen iPaaS-Plattformen auch Multi-Cloud-Umgebungen? Denn Multi-Cloud bedeutet ja, dass Daten und Anwendungen auf Cloud-Plattformen unterschiedlicher Anbieter lagern. Wie kann eine iPaaS-Lösung diese Daten integrieren?

Der vorrangigste Grund für Multi-Cloud-Strategien bei unterschiedlichen Unternehmen ist es, einen so genannten Vendor-Lock-In zu vermeiden. Darum ist es sehr wichtig, dass auch der Anbieter der iPaaS-Plattform dieses Prinzip unterstützt. Manche Unternehmen kommen mit einem Hyperscaler wie AWS aus. Andere benötigen, um ihren Bedarf zu decken, AWS, Azure und GCP – und Unternehmen in Asien brauchen zusätzlich Alibaba. Der Anbieter der Integrationswerkzeuge sollte darauf eine Antwort haben.

Wie ist um die Akzeptanz von iPaaS in Europa bzw. Deutschland bestellt?

Deutsche Unternehmen sind ja besonders vorsichtig, wenn es um Cloud-Services geht, Stichwort Datensicherheit. Sind Hybrid-Cloud-Modelle eine Lösung? Da Integration selbst normalerweise keine eigene Datenhaltung hat, ist das Thema Datensicherheit hier in der Regel weniger kritisch. Wichtig ist es, die Verbindung zwischen Cloud und Cloud oder Cloud und On-Premises für den Kunden sicher auszuführen. Solange unsere Kunden Applikationen „on-premises“ betreiben, ist ein hybrider Integrationsansatz notwendig. Wir sind der Meinung, dass der Einsatz einer iPaaS davon abhängt, ob sich die Kunden dafür entscheiden, mit ihren Applikationen in die Cloud zu gehen. Wir sehen auch, dass es für Kunden relevant ist, dass die Komponenten der Integration innerhalb der EU eingesetzt werden können. In vielen Fällen ist der Kostendruck ein wichtiger Treiber für diese Entscheidung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Cloudcomputing Insider erschienen.

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