Mobilität Warum die Verkehrswende das Internet der Dinge braucht

Autor / Redakteur: Robert Erdmann* / Sebastian Human

Fossile Energie ist endlich, erneuerbare Energie begrenzt und teuer. Ohne Einbindung des Internet der Dinge in die Verkehrswende lassen sich deren Ziele nicht erreichen. Welche Aspekte sind dabei zu beachten?

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Das IoT kann die Verkehrswende unterstützen, indem es Verbraucherinnen und Verbrauchern beispielsweise dabei hilft, E-Fahrzeuge immer dann zu laden, wenn der Strompreis gerade besonders günstig ist.
Das IoT kann die Verkehrswende unterstützen, indem es Verbraucherinnen und Verbrauchern beispielsweise dabei hilft, E-Fahrzeuge immer dann zu laden, wenn der Strompreis gerade besonders günstig ist.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Konzept der Verkehrswende ruht auf zwei Säulen: Die „Mobilitätswende“ soll insgesamt zu einer Veränderung des individuellen Verkehrsverhaltens führen. Die „Energiewende im Verkehr“ zielt darauf ab, die dann bereits reduzierte Menge an benötigter Energie vornehmlich über erneuerbare Quellen bereitzustellen.

Beide Ziele sind langfristig wirtschaftlich nur realisierbar, wenn über das IoT miteinander vernetzte Objekte in die technische Planung und Umsetzung miteinbezogen werden.

IoT im modernen Verkehrsmix unverzichtbar

Das Internet of Things spielt in mehrerlei Hinsicht eine wichtige Rolle für die Realisierung einer modernen Form der Mobilität. So bringen IoT-Lösungen nicht nur mehr Komfort und Sicherheit in den Individualverkehr - etwa über innovative Assistenzsysteme. Sie erlauben es auch, Fahrtstrecken automatisch zu optimieren und Sharing-Flotten digital zu verwalten. Letzteres umfasst neben PKW beispielsweise auch Fahrräder und E-Scooter.

Die intelligente Verknüpfung dieser verschiedenen Verkehrsmittel - natürlich inklusive ÖPNV - ist ein erfolgsentscheidender Baustein in der Verkehrswende. Das Ziel muss es sein, die Kombination verschiedener Mobilitätsformen attraktiver zu machen als die individuelle PKW-Nutzung.

Technisch ist hierfür eine universelle IoT-Plattform notwendig, auf der die Daten aus den verschiedenen Mobilitätsformen zusammenfließen. Anschließend können auf dieser Basis beispielsweise Apps bereitgestellt werden, die Nutzerinnen und Nutzern stets die für sie beste Kombination von Verkehrsmitteln in Echtzeit aufzeigen. Im Sinne der Verkehrswende muss es also darum gehen, die Schranken der bislang proprietären Ansätze zu überwinden und eine möglichst breite, offene IoT-Architektur anzustreben.

Optimierung des Energiemanagements als zentrales Betätigungsfeld

Das zentrale Thema der Verkehrswende ist die Versorgung von Fahrzeugen mit Energie - vornehmlich mit Elektrizität. Herausfordernd ist hierbei einerseits der hohe Energiebedarf, andererseits die äußerst schwankende Verfügbarkeit regenerativer Energien. Es muss demnach gelingen, die vorhandene Energie intelligent einzusetzen. Das heißt: Angebote und Nachfrage müssen in Echtzeit in Übereinstimmung gebracht werden. In anderen Ländern geschieht dies bereits, meist durch flexible Stromtarife.

Einen interessanten Ansatz verfolgt in diesem Kontext beispielsweise der norwegische Energieversorger Fjordkraft. Der Anbieter nutzt einen neuartigen Service, den das deutsche IoT-Unternehmen Conrad Connect entwickelt hat. Über ein Platform-as-a-Service-Modell (PaaS) werden Elektroautos, Ladestationen und weitere große Stromverbraucher in privaten Haushalten auf einer IoT-Plattform verknüpft. Da in Norwegen die Strompreise (abhängig von Angebot und Nachfrage) stündlich variieren, können Fjordkraft-Kunden erheblich profitieren: Dank der zentral vorliegenden Echtzeitdaten aus dem IoT sind sie in der Lage, ihr Fahrzeug automatisch immer dann laden zu lassen, wenn die Preise besonders günstig sind. Außerdem können Verbraucherinnen und Verbraucher über die App des Anbieters beispielsweise den aktuellen Ladezustand ihres Autos abfragen.

Übergreifende Vernetzung als entscheidender Erfolgsfaktor

Das Beispiel Fjordkraft zeigt: IoT-Technologien können die angestrebte Energiewende im Verkehr maßgeblich unterstützen. Gelingt es, Fahrzeuge, Ladeinfrastrukturen und den Energiesektor auf einer gemeinsamen Basis zu vernetzen, entstehen zahlreiche Möglichkeiten.

So wäre es beispielsweise realisierbar, Elektrofahrzeuge immer dann zu laden, wenn gerade besonders viel Strom aus regenerativen Quellen zur Verfügung steht. Hierdurch könnten wiederum Stromspitzen verhindert werden, die bislang regelmäßig zur Abschaltung von Windkraftanlagen führen. Selbst eine Nutzung der Akkus in E-Fahrzeugen als Zwischenspeicher für regenerative Energien kann als Vision in Betracht gezogen werden.

* Robert Erdmann arbeitet als General Manager bei Conrad Connect.

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