Wirtschaft

Warum die USA auch künftig Hochtechnologie aus Deutschland brauchen

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Investitionen auf kurzfristigen Erfolg getrimmt

Woran aber liegt es eigentlich, dass die USA bei den ehemals von Ihnen selbst forcierten Technologien augenscheinlich ins Hintertreffen geraten sind? Eine der Ursachen davon erläutert Peter Fischermann von der AKF Bank: „Amerikanische Unternehmen investieren völlig anders als deutsche Unternehmen. Der deutsche Unternehmer geht von der langfristigen Investition aus, die sich nicht übernächste Woche schon gerechnet haben muss. Auch wir als Bank, die besonders im mittelständischen Maschinenbau sehr viele Investitionen mit präzisen Programmen und maßgeschneiderten Konzepten finanziert, denken in erheblich größeren Zeiträumen und den Zeitzusammenhängen der Innovationszyklen. Das liegt einfach daran, dass wir uns intensiv mit den Technologien selbst auseinandersetzen und genau beobachten, welche Trends sich am Horizont der Märkte abzeichnen. Und dass auch Geduld und Vertrauen mit zum Geschäftsmodell gehören.“

Demgegenüber, und das betonen die Experten einmütig, ist Amerika traditionell getrieben von eher kurzfristigen Gewinnerwartungen; ergo vom zügigen ROI und schnellen Profit. Da verkürzen sich die Erwartungen in neue Produkte auf die reine Betrachtung der schnellen Refinanzierung einer Investition. Ob Banken oder produzierendes Gewerbe: Quartalszahlen – in Deutschland längst kritischer hinterfragt und lange nicht mehr alleinentscheidendes Erfolgskriterium – bestimmen nach wie vor das Erfolgsdenken amerikanischen Managements.

Die langfristige Investition, der lange Atem den man besonders für komplexe technische Entwicklungen, ist ist in den USA bei weitem nicht so ausgeprägt wie hier, wo auch die Lebenszyklen von Produkten längerfristig geplant werden. Einer der Inhalte von „Made in Germany“ ist genau das: die Kontinuität in akribischen Entwicklungsprozessen.

Schnell vs. grünlich

„Der deutsche Maschinenbau verdient viel Geld – aber nicht das schnelle Geld“, wie der verstorbene Otto Wolff von Amerongen einmal treffsicher sagte. Dazu Peter Fischermann von der AKF Bank: „Das spiegelt sich eben auch im Verhalten der US-amerikanischen Banken, die Investitionen ganz anders angehen und bewerten, als wir hier in Deutschland. Einerseits bewundert man unsere Solidität in solchen Dingen, die Genauigkeit und Berechenbarkeit, unsere Gründlichkeit bei Rentabilitätsberechnungen; andererseits geht es denen drüben eben nie schnell genug. Das mag manchmal durchaus Vorteile haben, andererseits ist klar, dass hier oft sehr kurzatmig gehandelt wird. Und, was ich ganz persönlich meine ist noch folgendes: Ich habe nicht den Eindruck, dass sich amerikanische Banken so intensiv mit den Plänen der finanzierenden Unternehmen beschäftigen, wie wir das hier tun.“

Wie aber endete nun die Betriebsbesichtigung der US-Delegation bei den Thüringern? Natürlich war man beeindruckt von der Leistungsfähigkeit; vom „state of the art“ des Unternehmens. Dunkle Wolken am Exporthorizont zu vermuten sei aber verfrüht. Die USA brauchen den deutschen Maschinenbau. Vielleicht sogar mehr als sie ahnen. Vernunft hat immer eine Chance, sich durchzusetzen. Derzeit gibt die Welt diesbezüglich zwar ein anderes Bild von sich ab, aber Peter Fischermann bleibt optimistisch: „Letztlich entscheidet doch die Besonnenheit. Und das ist ja auch ein bisschen Tugend Made in Germany!“

Dieser Beitrag ist bei unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt erschienen.

* Georg Schmitz-Weiss ist freier Autor aus Hilden

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