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Expertenbeitrag

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

IT-Fachjournalist, News Analyst und Commentator bei Insider Research

Indoor Navigation Wann Asset Tracking und Navigation zum Datenschutz-Problem werden

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Sebastian Human

Im Jahr 2022 werden 65 Prozent der Unternehmen die Nachverfolgung von Assets in Innenräumen benötigen, so die Marktforscher von Gartner. Wir geben einen Überblick über technische Lösungen und was es beim Datenschutz zu beachten gilt.

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Technologien zur Lokalisierung und Navigation von Menschen und Gütern bringen Effizienzvorteile, bergen aber auch Datenschutzprobleme.
Technologien zur Lokalisierung und Navigation von Menschen und Gütern bringen Effizienzvorteile, bergen aber auch Datenschutzprobleme.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Konkret geht es sowohl um Indoor Tracking von Geräten und Personen als auch die Indoor Navigation für Personen. Dafür sind bereits zahlreiche Verfahren und Lösungen auf dem Markt verfügbar. Bei all den Möglichkeiten vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich, aber dennoch von zentraler Relevanz: das Thema Datenschutz. Doch beginnen wir mit einem Überblick.

Bessere Orientierung auch in Gebäuden

Die richtigen Teile zur rechten Zeit am richtigen Ort - dieses Ziel haben Logistiker und Fertigungsunternehmen gleichermaßen. Langes Suchen oder falsche Teile führen zu Reibungsverlusten, Verzögerungen und Fehlern in den Prozessen.

Das Lagermanagement und die Fertigungsplanung arbeiten schon lange daran, immer die richtigen Informationen zu den aktuellen Lagerorten von Teilen und mobil einsetzbaren Geräten und Maschinen zu haben. Auch die Beschäftigten in den Lager- und Fertigungshallen wünschen sich diese Daten, denn sie müssen wissen, wo sie die gerade benötigten Teile und Werkzeuge finden können. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Prozesse im Lager und in der Fertigung zunehmend automatisiert werden.

Sowohl Menschen als auch Maschinen benötigen zuverlässigere Daten über die Standorte der benötigten Assets. Helfen können dabei Lösungen aus den Bereichen Indoor Asset Tracking. Wenn Beschäftigte oder auch Maschinen sich zu den Teilen bewegen müssen, ist zudem Indoor Navigation wichtig.

Ob Materialflussanalyse, Track and Trace in der Produktion, die Steuerung von Werkzeugen und Teilen, die Ortung von Staplern in Hallen oder die Unterstützung von fahrerlosen Transportsystemen: Indoor-Standortdaten haben viele Anwendungsfälle.

Viele Technologien stehen zur Auswahl

Die Position der Assets kann über verschiedenartige Wege bestimmt werden, sei es RFID, GPS, LoRa, NB-IoT, LTE, Bluetooth (BLE), WiFi, Sonar oder auch die Analyse der Umgebungsbilder. Bluetooth und WiFi sind für Indoor Navigation und Tracking recht bekannt. Doch können zum Beispiel auch Bildauswertung, Augmented Reality und Sonar für Tracking und Navigation eingesetzt werden.

Ein Beispiel für Indoor Navigation mittels Sonar kommt von Forkbeard. Die Lösung nutzt die branchenüblichen Onboard-Smartphone-Audioverarbeitungsfunktionen, um eine Standortgenauigkeit auf Zentimeter-Ebene zu erzielen, so der Anbieter. Gegenwärtig wird die Positionierungstechnologie in Innenräumen in Logistik, Lagerhaltung, intelligente Gebäude und Häuser, Rechenzentren, Produktionsstätten und Einzelhandel genutzt.
„Von der einfachen Unterstützung der Indoor-Navigation bis zur Unterstützung kontextbezogener standortbasierter Workflow- und Sicherheitslösungen werden genaue Indoor-Positionierungstechnologien das Wachstum in diesem milliardenschweren globalen Markt beschleunigen", sagte Terry Aasen, Senior Vice President für Geschäftsentwicklung und Allianzen bei Forkbeard.

Laut Anbieter nutzt das Unternehmen seine patentierte Ultraschalltechnologie, um eine Genauigkeit bei der Positionierung zu erzielen, die den von anderen in der Branche verwendeten hochfrequenzbasierten Technologien weit überlegen sein soll. So soll die Positionierungstechnologie für das Forkbeard-Sonar-Smartphone in Innenräumen ungefähr 100-mal genauer als eigenständige Positionierungslösungen auf Bluetooth-, WiFi- oder RFID-Basis sein.
Die batteriebetriebenen UltraBeacons sind in Innenräumen mit einer ähnlichen Dichte wie Access Points platziert. Einmal pro Sekunde senden die Beacons ihre eindeutig identifizierbaren Ultraschall- und Bluetooth-Signale. Diese Signale werden von den Standard-Audio- und -Verarbeitungsfunktionen empfangen und verarbeitet, die in iOS- und Android-Smart-Geräten enthalten sind. Mit einer aktivierten App bieten die Smartphones dann eine Positionierung in Innenräumen.

Weitere spannende Verfahren für Indoor Tracking und Navigation findet man zum Beispiel beim Fraunhofer FOKUS Indoor-Navigations-System oder bei Indoor GPS mit Magnetic Maps, wie es beispielsweise Oriient anbietet.

Für die Auswahl des bestgeeigneten Verfahrens empfiehlt das Analystenhaus Gartner: „Verantwortliche für Infrastruktur und Betrieb sollten Anbieter anhand ihrer Fähigkeit bewerten, mehrere Endbenutzer-Standortmöglichkeiten in Innenräumen zu erfüllen und neue relevante Nutzungsszenarien anzugehen.“

Was über alle die vielversprechenden Lösungen aber eben nicht vergessen werden sollte, ist der Datenschutz.

Indoor Tracking und Navigation ist auch ein Datenschutz-Thema

Wenn Verfahren wie AR und Bilderkennung zum Einsatz kommen, muss man insbesondere daran denken, dass bei der Einrichtung und später bei der Indoor Navigation auch Personen ins Bild gelangen könnten, deren Daten nicht ohne Einwilligung mitverarbeitet werden dürfen. Aber auch bei den reinen Standortdaten gibt es einiges zu beachten. Bei der Indoor Navigation werden Personen direkt geortet, bei dem Tracking von Geräten kann dies geschehen, wenn die Personen zum Beispiel die Geräte transportieren und identifiziert werden können.

Positionsdaten und Bewegungsprofile stellen mitunter sehr persönliche Daten dar, so die Trendstudie Location Technologies von DB Systel Digital Foresight. Datenschutz und Privatsphäre haben entsprechend hohe Priorität bei der Entwicklung ortsbasierter Dienste. Daten zum Standort einer Person, dies gilt auch für Mitarbeiter, sind datenschutzrelevant. Ein Gerät, das typischerweise einer Person zugeordnet ist, wird bezüglich des Datenschutzes behandelt wie die Person, die es mitführt.

Die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz sensibilisieren seit Jahren dafür, dass der Ortung auch bei Beschäftigten klaren Grenzen auferlegt sind. Die Erhebung personenbezogener Daten ist im Beschäftigtenverhältnis in der Regel nur zur Abwicklung des Arbeitsverhältnisses zulässig. Beispielsweise können Speditionen zur Warenverfolgung ihren Fuhrpark orten. Dabei darf es jedoch zu keiner Verknüpfung der Ortungsdaten mit den personenbezogenen Daten des Fahrpersonals kommen, um zum Beispiel deren Leistung und Verhalten überwachen zu können.

Allein Vereinfachungsgründe rechtfertigen nicht den Einsatz von Ortungstechnik. Können Standortdaten etwa mittels Funk oder Telefon problemlos beim Mitarbeiter selbst abgefragt werden, gestattet allein eine Zeitersparnis noch nicht den Einsatz von Ortungstechnik. Die Zweckbestimmung muss klar dokumentiert und gegenüber den Beschäftigten in transparenter Weise kommuniziert werden.

Wenn es zu einer Ortung kommt, die Personen direkt oder indirekt betrifft, dürfen nur die für die betrieblichen Zwecke wirklich erforderlichen Daten erhoben werden. Die Beschäftigten sollte man durch eine Benachrichtigung oder eine Leuchtanzeige am Gerät darüber in Kenntnis setzten, wann eine Ortung erfolgt. Die Mitarbeitervertretung muss hier ebenfalls involviert sein.

Bevor aber ein Ortungsverfahren für Indoor Navigation überhaupt zum Einsatz kommt, muss man prüfen, ob eine sogenannte Datenschutz-Folgenabschätzung nach Datenschutz-Grundverordnung (Artikel 35 DSGVO) erforderlich ist.

Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn eine „umfangreiche Verarbeitung von personenbezogenen Daten über den Aufenthalt von natürlichen Personen“ stattfindet, ebenso bei der „innovativen Nutzung oder Anwendung neuer technologischer oder organisatorischer Lösungen“, wie die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz klargestellt haben.

Wer also die Vorteil von Indoor Navigation und Tracking nutzen will, sollte sich immer auch über den Datenschutz Gedanken machen, wobei nicht nur die eigenen Beschäftigten betroffen sein können, sondern zum Beispiel auch Mitarbeiter von Partnerfirmen, wie ein Logistikdienstleister.

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