Intelligente Produktions-Steuerung Von der Pleitefirma zum I4.0-Top-Performer

Autor / Redakteur: Franz Gruber / Stefanie Michel

Laut Bundeswirtschaftsministerium liegt der Digitalisierungsgrad der deutschen Wirtschaft bei 54 von 100 möglichen Indexpunkten. Im verarbeitenden Gewerbe sind es nur 42 Punkte. Dabei lassen sich die Vorteile der Industrie 4.0 konkret messen – zum Beispiel in 20 bis 30 % höherer Produktivität.

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Die Automobilbranche war Vorreiter bei der Einführung digitaler Fabriksteuerung, doch auch Mittelständler müssen einsteigen.
Die Automobilbranche war Vorreiter bei der Einführung digitaler Fabriksteuerung, doch auch Mittelständler müssen einsteigen.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Laupheim bei Ulm, April 2009: „Der baden-württembergische Autozulieferer Lindenmaier mit 400 Mitarbeitern ist pleite“, heißt es in der Presse. Doch das Aus bleibt aus. Heute ist das Unternehmen als MSR Technologies AG längst wieder erfolgreich als Spezialist für metallische Präzisionsteile und Baugruppen international aktiv.

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Den Turnaround schaffte MSR Technologies mit heute rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit neuen Eigentümern und neuem Geschäftsführer. Alle zusammen hatten den Mut für eine Innovation: einer intelligenten Produktions-Steuerung.

So begannen die Schwaben, ihre Produktion nicht mehr in der Verwaltung (Top Floor), sondern mit einer digital vernetzten Produktion (Shop Floor) in Echtzeit zu steuern. Die neue Technologie meldet Fehler in der Fertigung in Echtzeit: Jeder Fabrikarbeiter kann die Laufzeiten der Maschinen in seinem Bereich optimieren, weil er auf seinem Bildschirm sofort sieht, ob und wo eine Störung auftritt.

Bereits nach drei Monaten stieg die Produktivität in den Pilotbereichen um 3 %. MSR-Technologies-Geschäftsführer Robert Stöhr resümierte später auf einem Industrie-4.0-Kongress: „Wir haben die Betriebsnutzungszeiten aller Anlagen um 25 % gesteigert.“ Entsprechend deutlich verbesserte sich auch der Return on Investment (ROI).

Die Geschichte von MSR Technologies zeigt: Industrie 4.0 ist kein Hexenwerk, sondern klug genutzte Hightech. Genau das benötigt der deutsche fertigende Mittelstand: einfache, pragmatische Lösungen mit großem Hebel für Produktivität und ROI. Die Digitalisierung macht das möglich. Daher ist es unverständlich, dass die Revolution 4.0 manchem Geschäftsführer noch wie ein Modetrend vorkommt.

Digitalisierung für die Fabriksteuerung nutzen

Die digitale Transformation ist unumkehrbar und bewegt „die Fundamente der Fertigungsindustrie“, wie es in der frischen Markttrend-Studie „IoT/Industrie 4.0 – der Weg zur digitalen Fabrik“ von dem Analysehaus Information Services Group Germany (ISG) heißt. „Die Digitalisierung erfasst praktisch jede Branche, sie verändert Wertschöpfungsprozesse und definiert die Grenzen des Wettbewerbs neu.“

Vorbei sind in erfolgreichen Industrieunternehmen des 21. Jahrhunderts die Zeiten, in denen Störungen in der Fabrik händisch aufgeschrieben und persönlich gemeldet wurden – vom Mitarbeiter zum Meister, zur Sekretärin, zum Produktionsleiter. Vorbei sind die Zeiten, in denen Störungen nicht systematisch erfasst wurden und niemand sagen konnte, welche Fehler regelmäßig wiederkehrten.

Werner Pertek, Experte für digitale Transformation in Fabriken der Automobilindustrie: „Wenn Ihnen ein Werker sagt: ,Gestern war ein Scheißtag’, dann dürfen Sie das als Analyse nicht gelten lassen.“ Vielmehr sei Geschwindigkeit bei der Abstellung von Fehlern gefragt und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Pertek: „Es ist ganz wichtig, den Ausschuss unter 1 % zu drücken. Das geht nur mit sauberer Fehleranalyse.“

Deshalb sollten Unternehmen Technologie-freundlich sein, denn die positiven Effekte webbasierter Fabriksteuerung sind vielfältig. Erfolgreiche Digitalisierung-Manager empfehlen mittelständischen Einsteigern drei Zutaten als Rezept für die smarte Produktion:

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