ISF-Feldstudie

Vom Silicon Valley siegen lernen?

| Redakteur: Jürgen Schreier

San Francisco war einst Traumziel der Hippies. Heute zieht es eher Manager, die nach digitaler Inspiration suchen, in die südliche Bay Area.
San Francisco war einst Traumziel der Hippies. Heute zieht es eher Manager, die nach digitaler Inspiration suchen, in die südliche Bay Area. (Bild: Pixabay / CC0)

Deutsche Manager pilgern gerne ins Silicon Valley, um sich von Start-ups und Tech-Giganten wie Apple, Google oder Uber in Sachen Digitalisierung "inspirieren" zu lassen. Doch ist wirklich alles Gold, was in der Bay Area glänzt? Dieser Frage sind Sozialwissenschaftler aus München nachgegangen.

Die digitale Transformation stellt nicht nur die Unternehmen vor grundlegende Herausforderungen. Auf der Suche nach den passenden Antworten richten Entscheidungsträger gerne den Blick oft ins Silicon Valley - die Heimat zahlreicher Start-ups und weltweit tätiger Tech-Konzerne. Sogar Unternehmerreisen in die Bay Area werden angeboten. Deutsche Manager können sich bei organisierten Führungen und in Gesprächen mit den Akteuren der digitalen Transformation für zuhause inspirieren lassen. Denn im "innovativsten Tal der Welt", verspricht ein Reiseveranstalter, entstehe die digitale Welt von morgen.

Kopieren als Erfolgsrezept?

Und das ist keineswegs übertrieben: Denn die Vorreiter der sogenannten digitalen Transformation befinden sich fast alle im Silicon Valley. In dem vergleichsweise überschaubaren Gebiet hat sich zwischen San Francisco und San Jose rund um Palo Alto, Mountain View und Cupertino ist ein Innovationscluster mit enormer Ausstrahlungskraft entstanden, dessen Ursprünge in die 1950er Jahre zurückreichen..

Damals gründeten Absolventen der berühmten Stanford University und Mitarbeiter von Elektronikfirmen kleine Firmen, die mit neuen Ideen und neuartigen (digitalen) Produkten (Mikroprozessoren, Computer, Software) die Wirtschaft umkrempelten. Dabei wurde der (siliziumbasierte) Mikrochip, der dem Silicon Valley seinen Namen gab, dort gar nicht erfunden, sondern ein paar Bundesstaaten weiter östlich beim Elektronikkonzern Texas Instruments in Dallas.

Beschaulich: der Camps der Stanford University in Palo Alto, der Keimzelle des Silicon Valley.
Beschaulich: der Camps der Stanford University in Palo Alto, der Keimzelle des Silicon Valley. (Bild: Pixabay / CC0)

Dennoch: Im Silicon Valley ist die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahren mit besonders großer Energie und Dynamik vorangetrieben worden. Überall auf der Welt – etwa in Berlin, Tel Aviv oder Shenzhen – wird versucht, das Erfolgsmodell zu kopieren und Innovationsstandorte aufzubauen, um sich für die digitale Ökonomie zu positionieren. Aber was macht eigentlich das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valley aus? Und: Ist dort wirklich alles Gold, was glänzt?

Dieser Frage haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ISF München - Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. rund um Prof. Dr. Andreas Boes angenommen und die Digitalisierungsstrategien der Vorreiter in der Bay Area eingehend analysiert.

Ein spezifisches Verständnis von Digitalisierung

Der Forschungsreport „Silicon Valley: Vorreiter im digitalen Umbruch“ erklärt die Entwicklung und fragt nach den Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Er basiert auf Feldstudien des Forschungsteams in der Bay Area und analysiert:

  • Digitale Geschäftsmodelle im Fokus: Was ist dran an AI, IoT, Cloud & Co.?
  • Gründerszene und Innovationssystem auf dem Prüfstand: Worauf kommt es wirklich an?
  • Arbeitswelt der Zukunft im Selbstversuch: Empowerment oder digitales Fließband?
  • Soziale Integration und Gesellschaft: Was kommt nach der Disruption?

Um die herausragende Bedeutung des Silicon Valley und seiner Akteure für den gegenwärtigen gesellschaftlichen Wandlungsprozess herausarbeiten zu können, wurde zunächst das spezifische Innovationssystem des Valley in den Blick genommen. Dieses zeichnet sich im Kern durch das Zusammenwirken dreier struktureller Faktoren aus:

  • 1. Zum Ersten befinden sich im Silicon Valley auf engstem Raum die einflussreichsten Unternehmen der globalen Tech-Industrie. In mehreren Gründungswellen sind innovative Unternehmen entstanden – von Hewlett Packard, Intel, Oracle über Google bis hin zu Facebook, um nur einige zu nennen. Ferner haben auch sehr viele "traditionelle" Industrieunternehmen eigene Labs vor Ort etabliert, um, die diese Innovationsquelle zu nutzen.
  • 2. Das Silicon Valley ist ein Wissensstandort par excellence. Dort befinden sich mit Stanford, Berkeley und dem Silicon Valley Campus der Carnegie Mellon University einige der weltbesten Universitäten. In enger Kooperation mit Unternehmen betreiben diese exzellente Forschung. Sie ziehen Forscher aus dem Ausland an und bilden die Ideengeber von morgen aus.
  • 3. Der dritte Faktor ist die besondere Verfügbarkeit von Venture Capital. Allein 2016 investierten Risikokapitalgeber 24,9 Milliarden Dollar in die Start-ups aus dem Silicon Valley. Erst dieser „Überfluss“ an Kapital macht die Gründung von Tausenden von Start-ups und die berühmte Fehlerkultur des Silicon Valley möglich. Die schier grenzenlose Verfügbarkeit von Kapital bildet die Grundlage dafür, dass innovative Geschäftsideen trotz anfänglicher Verluste reifen können, weil es in der Anfangsphase nicht um (schnelle) Profite geht, sondern um Wachstum.
„Ich lief Gefahr, vom Markt verdrängt zu werden“

Digitale Transformation

„Ich lief Gefahr, vom Markt verdrängt zu werden“

07.11.18 - In der heutigen Arbeitswelt ist Innovation der Weg zum unternehmerischen Überleben, meint Gunther Wobser. Für die digitale Transformation seines mittelständischen Unternehmens, holte er sich Inspirationen aus dem Silicon Valley, wo Innovation, Agilität und Dynamik zum Tagesgeschäft gehören. lesen

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