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Use Case Vom Produktanbieter zu digitalen IoT-Services

| Redakteur: Sebastian Human

In der Prozessindustrie sind viele Anlagen nur bedingt integriert. Der Anbieter von Prozess- und Labormesstechnik Endress+Hauser hat ein IIoT-System entwickelt, das sie in vernetzte Assets umwandelt – und sich so ein neues Geschäftsfeld erschlossen.

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Die IIoT-Platform Netilion ist das Herzstück der digitalen Services bei Endress+Hauser und beschleunigt beispielsweise die Fehlersuche bei einem Ausfall.
Die IIoT-Platform Netilion ist das Herzstück der digitalen Services bei Endress+Hauser und beschleunigt beispielsweise die Fehlersuche bei einem Ausfall.
(Bild: Endress+Hauser)

Endress+Hauser ist ein Unternehmen für Sensortechnik in der Prozessautomation. „Da in den meisten Produktionsanlagen rund 80 Prozent der Assets nicht kommunikationsfähig sind, ist die Fehlersuche bei einem Ausfall enorm zeitraubend und schwierig“, erklärt Andreas Hofmann, Team Leader bei Endress+Hauser, und verantwortlich für IIoT-Services.

Blackbox Kundeneinsatz

Endress+Hauser ist ein Unternehmen für Sensortechnik in der Prozessautomation. „Da in den meisten Produktionsanlagen rund 80 Prozent der Assets nicht kommunikationsfähig sind, ist die Fehlersuche bei einem Ausfall enorm zeitraubend und schwierig“, erklärt Andreas Hofmann, Team Leader bei Endress+Hauser, und verantwortlich für IIoT-Services.

Die 20 Prozent kommunikationsfähigen Assets können zwar Prozess- und Diagnoseinformationen übermitteln – allerdings nur innerhalb von industriellen IT-/OT-Systemen. Daraus ergeben sich folgende Probleme: „Einerseits existieren viele Daten, andererseits sind sie nicht zugänglich, beziehungsweise nur für Personen, die sie nicht nutzen können“, so Hofmann. Denn es geht nicht nur um die Übersicht über die Gesamtanlage. Als Produkthersteller, der teilweise auch über Wiederverkäufer agiert, verlieren sich die Spuren eines ausgelieferten Sensors. Über die Nutzung beim Kunden ist wenig bekannt.

Isolierte Assets in vernetzte Produkte umwandeln

2016 startete das Unternehmen ein Projekt, um isolierte Assets in vernetzte Produkte umzuwandeln. „Unsere Vision war es, ein IIoT-Ökosystem zu kreieren, das alle Informationen aus dem Lifecycle einer Anlage auf einer mandantenfähigen Plattform zentral erfasst und uns ermöglicht, unseren Kunden innovative Dienstleistungen anzubieten“, fasst Hofmann zusammen. „Dafür haben wir einen API-first-Ansatz verfolgt, damit alle Stakeholder und Gruppen, wie die Hersteller von Motoren und Pumpen, sich auf der Plattform integrieren und beispielsweise Produktdaten ihrer Pumpen und Motoren bereitstellen können.“

Weil das Unternehmen als SaaS-Provider ein neues Feld erschloss, folgte die Evaluierung eines PaaS-Partners. Zu den Kriterien zählten die EuroCloud-Zertifizierung ebenso wie die Verfügbarkeit mehrerer Speichertechnologien und Programmiersprachen sowie eine geografische Standortredundanz der Rechenzentren in Europa. Die Entscheidung fiel auf Salesforce mit der Entwicklungsplattform Heroku. Mit Heroku hat das IIoT-Team um Hofmann die IIoT-Platform Netilion als Zentrum der digitalen Angebote und Quelle für Daten entwickelt. Durch den API-first Ansatz ist Netilion offen für eine Vielzahl verschiedener Technologien, die sich integrieren lassen.

Über das Einstiegsportal netilion.endress.com können Kunden inzwischen vier verschiedene Services beziehen. Dazu zählt beispielsweise ein Analysetool, das nicht nur Statusinformationen, sondern auch Optimierungsempfehlungen gibt, und eine Library zur Zentralisierung von verteilten Daten. Eine mobile App erleichtert zudem das Einscannen und automatisierte Hinzufügen nicht-vernetzter Assets.

Außerdem entwickelte der Sensorhersteller für den Bezug der Services eine digitalisierte Customer Journey aus verschiedenen Internetdiensten, etwa auch Zahlungssystemen. „Für uns ist dieser Übergang vom Produktanbieter zu digitalen Services sehr aufschlussreich, denn wir bieten sie als Abonnements an, mit ganz anderen Prozessen“, erläutert Hofmann. „Im Unterschied zu unserem traditionellen Produktverkauf durchlaufen unsere Kunden bei den digitalen Services alle Salesphasen innerhalb von zehn Minuten. Daraus lernen wir viel für die Zukunft, wovon potenziell auch die gesamte Vertriebsorganisation der Gruppe profitieren kann.“

Weitere Services in Planung

Die Integration der IIoT-Lösung, vor allem die Datennutzung mit dem Ziel eines lückenlosen 360-Grad-Blicks auf die Kunden, wird der nächste Schritt in dem Projekt sein. „Die integrierte Sicht auf den Kunden ermöglicht uns, ihn noch besser zu betreuen“, so Hofmann.

Auf Produktebene stehen weitere Service- und Geschäftsmodelle wie Predictive Maintenance oder die automatisierte Benachrichtigung des Service bei Abweichungen auf dem Plan.

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