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NASA-Studie Virtuelle Realität soll Einsamkeit auf dem Mars bekämpfen

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Während die Exomars-Sonde derzeit den Mars erkunden soll, planen andere Raumfahrtorganisationen bereits, in wenigen Jahren Menschen zum Roten Planeten zu schicken. Doch wie sollen Astronauten mit der Isolation und Einsamkeit während einer Marsmission klarkommen? Für die NASA wäre Virtuelle Realität eine mögliche Lösung.

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Buzz Aldrin in einer der
Buzz Aldrin in einer der "Nachrichten zum Mars": Lebensechte VR-Aufnahmen sollen Astronauten bei längeren Raumfahrten, etwa im Rahmen einer Marsmission, über die Einsamkeit und Isolation hinweghelfen.
(Bild: 8i)

Ein Jahr lang testete die NASA in der Mars-Simulationsstation HI-SEAS (Hawaii Space Exploration Analog and Simulation) die Auswirkungen, die die Isolation, den verzögerten Kommunikationsablauf und das Zusammenleben auf engstem Raum auf Teilnehmer einer Marsmission haben können. Wie nun bekannt gegeben wurde, setzte die NASA unter anderem auch auf VR-Anwendungen, um die psychische Belastung auf die Simulationsteilnehmer möglichst zu verringern.

Das Projekt trägt den Namen "Messages to Mars". In Zusammenarbeit mit dem Technologie-Startup 8i, welche die VR-Komponenten bereitstellte, und der Forschungs- und Entwicklungsfirma SIFT (Smart Information Flow Technologies) wurden virtuelle Versionen des Astronauten Buzz Aldrin, einer der ersten Menschen auf dem Mond, und des Entertainers Reggie Watts erstellt. Während Aldrins virtuelle Präsenz die Missionsteilnehmer aufmuntern und inspirieren sollte, dienten die Aufnahmen des Musikers und Comedian Watts vorrangig der Unterhaltung und Zerstreuung.

Die von 8i beigesteuerte Technologie setzt auf sogenannte "tomografische virtuelle Realität" (volumetric VR). Unter Einsatz von 360°-Grad-Kameras und Motion Capturing sollten die virtuellen Persönlichkeiten möglichst photorealistisch sein und eine möglichst korrekte räumlichen Struktur besitzen – also so "lebensecht" wie möglich sein. Sowohl reine Videos als auch Videokommunikation wäre so in der virtuellen Realität möglich.

Virtuelle Realität stellt nach Ansicht der NASA eine besonders reizvolle Option dar, um die Einsamkeit und die Isolation bei langen Missionen zu bekämpfen. Die Immersion, die bei Videobotschaften mittels VR-Headsets erreicht wird, ist deutlich größer als auf einem klassischen Display. Dies soll dabei helfen, die beengte Umgebung einer Raumkapsel oder engen Station für eine Weile zu vergessen. Vorstellbar wäre etwa auch, das Astronauten VR-Aufnahmen ihrer Familie mitführen, um sich so für kurze Zeit wenigstens gefühlsmäßig nach Hause versetzen zu können.

"Für Menschen, die sich der außergewöhnlichen Aufgabe widmen, die Erde zu verlassen und den Mars zu bewohnen, wird virtuelle Realität eine wichtige Methode sein, um mit der Erde im Kontakt zu bleiben," äußert sich Aldrin zum 'Messages to Mars'-Projekt. Die Technologie berge vielfältige Vorteile: "Was könnte aufregender für Schüler, Wissenschaftler und Politiker auf der Erde sein, so Leben auf einem anderen Planeten erleben zu können, während Astronauten auf dem Weg zum Mars auf diese Weise Nachrichten von der Erde erhalten? Es ist mir eine große Ehre, für diese tapferen Männer und Frauen meine Nachricht hinterlassen zu können."

Eine der im Rahmen von "Messages to Mars" erstellten Ansprache von Buzz Aldrin soll in Kürze auch als VR-Anwendung für die Smartphone-App "LIFE VR" erscheinen, an einer Umsetzung für VR-Headsets wie Google Cardboard wird derzeit gearbeitet.. Auch eine Umsetzung für die erschienenen VR-Systeme Oculus Rift und HTC Vive stehe möglicherweise in Aussicht.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis erschienen.

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