Technik-Messe CES Virtual Reality und Smart Home wollen groß auftrumpfen

Redakteur: Robert di Marcoberardino

Bei der CES in Las Vegas erwarten die Besucher nicht nur milde Temperaturen. Auch technische Highlights wie der Tesla-Konkurrent von Faraday, die Virtual-Reality-Revolution und Blu-Rays mit 4K-Auflösung lassen die Erwartungen steigen.

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Die VR-Brille Oculus Rift soll im Frühjahr kommen. Der Touch-Controller für Oculus Rift wird allerdings erst später verfügbar sein.
Die VR-Brille Oculus Rift soll im Frühjahr kommen. Der Touch-Controller für Oculus Rift wird allerdings erst später verfügbar sein.
(Bild: Oculus)

Anders als in den Casinos der Spielermetropole sind die Besucher auf der CES automatisch die Gewinner: Denn den einen großen Hit gibt es in diesem Jahr nicht, dazu sind die technischen Neuerungen bei Smart Home, Internet of Things, autonomem Fahren, E-Cars, HDR, UHD und Virtual Reality zu vielfältig. Wir fassen die spannendsten Ankündigungen zusammen.

Samsung nimmt das Smart Home ernst und präsentiert ein ganzes Line-Up an TV-Geräten, die zukünftig die Steuerung der Heimautomation übernehmen sollen. Alle Smart-TV-Modelle ab 2016 werden diese IoT-Konnektivität haben.

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Neben Samsungs eigenen Smart-Things-Geräten soll das System auch 200 weitere kompatible Geräte steuern können. Dazu steht im TV-Menü eine eigene App zur Verfügung.

Ebenfalls von Samsung kommt der intelligente Gürtel WELT, der per Sensoren Körperwerte wie etwa Hüftumfang, Sitzzeit oder Essgewohnheiten aufzeichnet und an das Smartphone weiterleitet. Der Gürtel kommt dabei in klassischer Lederoptik und soll komfortabler als die Fitnessbänder der Konkurrenz sein.

Auch Qualcomm, Bosch und Intel werden im IoT-Bereich vertreten sein und möchten hier in Zukunft zu den führenden Anbietern zählen. Dabei stehen alle vor dem selben Problem: Die Akzeptanz von Smart-Home-Systemen bei den Verbrauchern zu steigern und Systeme zu entwickeln, die möglichst kompatibel zueinander sind.

So kommt es nicht von ungefähr, dass LG mit dem SmartThinQ-Hub nun auch eine flexible Basisstation fürs Connected Home vorstellt. Das Gerät wird mit den Protokollen Bluetooth, Z-Wave und ZigBee funktionieren. Über ein LCD-Display werden Statusmeldungen angezeigt.

Daneben erweitert LG auch sein SmartThinQ-Portfolio, darunter wird ein neuer Saugroboter zu sehen sein. Der Hom-Bot Turbo+ soll sich über eine Augmented-Reality-App steuern lassen.

An Ideen für IoT-Konzepte mangelt es zudem nicht, was auch die hohe Ausstellerdichte auf der CES zeigt: Fast 1.000 Hersteller stellen auf der Tech West ihre Smart-Home-Produkte und -Lösungen vor.

Viele davon dürften sich um die neuen Key-Player Amazon, Apple und Google scharen. So hat Amazon seinen intelligenten Lautsprecher Echo für andere Entwickler geöffnet. Der „Alexa Voice Service“ ermöglicht die einfache Integration von fast allen Geräten mit Mikrofon, Lautsprecher und Internetverbindung.

Belkin und Philips haben bereits Alexa-kompatible Produkte, viele weitere dürften in der nächsten Woche folgen. Das gleiche gilt für Apples Homekit-Standard, der die Smart-Home-Steuerung per iOS und Siri ermöglicht.

Google, die in den USA mit ihrem Nest-Thermostat schon gut aufgestellt sind, werden dagegen ihre IoT-Standards Brillo und Weave promoten. Brillo wird ein einfaches IoT-Betriebssystem, während Weave für die einheitliche Kommunikation der Geräte zuständig ist. Die beiden Android-basierten Techniken dürften viele Entwickler anlocken.

Zum ersten mal im Blickpunkt steht zudem Googles Projekt Tango. So möchte Lenovo erste Produkte mit der Technik präsentieren. Tango soll die Geräte-Positionierung bei Android-Modellen revolutionieren. Das Gerät soll dabei auch ohne GPS-Signal stets wissen, wo es sich befindet.

Dazu kommen Bewegungssensoren, eine Tiefenwahrnehmung und eine automatische Wege-Erkennung zum Einsatz. Möglicherweise stellt Lenovo ein Smartphone mit Tango vor, womit sie jedoch nicht die ersten wären, denn auch LG, Qualcomm und Intel haben vergleichbare Produkte angekündigt.

2016 soll das große Jahr von „Virtual Reality“ werden. Die futuristischen Brillen, die Games, Filme und Simulationen als interaktive 360-Grad-Erlebnisse liefern, werden zum ersten Mal im großen Stil auf den Markt kommen — allerdings nicht, ohne das die Hersteller noch einige Verspätungen ankündigen.

So hat HTC den Start seiner Vive-Brille (Steam) noch kurz vor der CES auf April verschoben und auch die zu Facebook gehörenden Oculus lassen sich als Starttermin nur zu einem „Frühjahr 2016“ durchringen — und das zählt nur für die Rift-Brille selbst. Der von Testern und Entwicklern viel gelobte Touch-Controller wird nämlich nicht zeitgleich erscheinen.

Auch Sony hat für sein Playstation VR (Projektname: Morpheus) bislang noch kein genaues Startdatum gennant. Die drei Hersteller werden ihre großen Stände auf der Messe in Las Vegas aber ausgiebig für Präsentationen und Ankündigungen nutzen.

Auch Samsung wird im VR-Bereich vertreten sein: Nachdem die Koreaner bereits im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit Oculus das preiswerte Gear-VR-System (ca. 100 Euro) vorgestellt haben, dürften sie diese Zusammenarbeit, angesichts der verlockenden Aussichten des VR-Marktes, noch intensivieren.

Gear VR wird mit einem Smartphone bestückt über dessen Display die 360-Grad-Simulation ausgegeben wird. Momentan gibt es die Gear-VR-Brille nur für vier Premium-Smartphones von Samsung. Das dürfte sich allerdings bald ändern, da auch andere Hersteller ihre Konzepte präsentieren werden.

Analysten der CTA prophezeien für das Jahr 2016 einen Absatz von rund 1,2 Millionen VR-Brillen und einen Umsatz von knapp 500 Millionen US-Dollar. Zutreffen kann das durchaus, allerdings kommen zumindest bei Vive und Rift zum Kaufpreis auch noch einige Kosten für eine ausreichend potente PC-Hardware hinzu.

Die ist nötig, um das 360-Grad-Erlebnis in doppelter HD-Auflösung zu rendern. Lediglich Sonys Brille soll sich ohne Zusatzhardware an der Playstation 4 betreiben lassen. Bleibt abzuwarten, wie viele Early Adopter hier schon 2016 die Kreditkarte zücken.

Eine richtige VR-Anwendung zeigt der Autohersteller Audi auf der CES. In Zusammenarbeit mit Oculus wurde ein virtueller Verkaufsraum entwickelt, bei dem die Kunden über die Rift-Brille ihre Traumwägen in verschiedenen Ausführungen und Farben betrachten können. Die VR-Darstellung wird hochauflösend gerendert und ist so detailreich, dass der Betrachter auch kleinste Details im Innenraum oder an den Felgen erkennen kann.

Dazu hat Audi ein Rift-Kit entwickelt, das den Einsatz der VR-Technik für die Mitarbeiter in den Autohäusern besonders einfach machen soll. Nachdem das System bereits im letzten Jahr in Brasilien getestet wurde, soll es nun weltweit starten. Im Herbst hatte Audi außerdem schon eine Fahrsimulation in London per Virtual Reality realisiert — auch hier kam die Rift zum Einsatz.

Auf der CES werden insgesamt über 40 VR-Hersteller ihre Anwendungen und Geräte präsentieren, zu denen auch Infineon zählt, die ihren neuen 3D-Bildsensorchip REAL3 vorstellen. Der neue Chip soll realistische Augmented-Reality-Simulationen ermöglichen.

Auch die Automotive-Branche wird auf der CES einige Neuheiten vorstellen. Allen voran dürften die Augen vor allem auf Faraday Future gerichtet sein: Der geheimnisvolle Tesla-Konkurrent möchte sein Elektroauto der Weltöffentlichkeit zeigen.

Viel ist noch nicht bekannt und Mitgründer Nick Sampson hält sich auch bedeckt, wer die Geldgeber hinter dem E-Car sind. Faraday möchte immerhin eine Milliarde US-Dollar in ein neues Werk investieren. Die Spekulationen gehen soweit, dass sogar Apple als der Finanzier im Hintergrund gehandelt wird.

Faraday soll ein hochvernetztes Auto werden, das möglicherweise auch als Carsharing-Konzept auf den Markt kommt. Der Hersteller stellte ein zehnsekündiges Teaser-Video online, das allerdings nur Details und kurze Aufnahmen des Fahrzeugs zeigt. (https://www.facebook.com/faradayfuture/videos/990587444341215/?permPage=1)

Besondere Aufmerksamkeit dürfte auch Volkswagen zuteil werden: Herbert Diess, Vorsitzender des Markenvorstands von Volkswagen-PKW wird in einer Keynote eine neue E-Auto-Studie aus Wolfsburg präsentieren. Dabei soll es sich um einen elektrisch betriebenen VW-Bus handeln, der vermutlich „Budd-e“ heißen wird und ab 2018 lautlos auf den Straßen rollen soll. Ersten Informationen zufolge, soll der Wagen eine Reichweite von über 500 Kilometer besitzen.

Auch Chevrolet baut sein E-Car-Programm aus und stellt in Las Vegas die Serienvariante des Bolt EV vor. Der kompakte Familienwagen mit fünf Türen soll weniger als 30.000 US-Dollar kosten und eine Reichweite von 320 Kilometer erreichen.

Eher ungewöhnlich fällt das Konzept des Etos von Rinspeed aus: Das auf dem BMW i8 basierende E-Car soll selbstfahrend sein und besitzt zwei 21,5-Zoll-Monitore, die den Insassen ein umfassendes Infotainment-System bieten. Dazu lässt sich das Lenkrad im Selbstfahr-Modus versenken.

Der Etos hat acht integrierte Kameras, die die Umgebung erfassen und außerdem eine ferngesteuerte Drohne auf dem Heck. Wann der futuristische Sportwagen auf der Straße rollen soll, ist noch unbekannt.

Obwohl alle autonom fahrenden Systeme noch in der Entwicklung stecken, dürften die Konzepte durchaus staunende Blicke ernten. So möchte etwa Kia sein Selbstfahr-Programm erstmals auf der CES vorstellen. In die gleiche Kategorie fällt auch der Autobahnpilot von Bosch, der in fünf Jahren serienreif sein soll.

Die Entwickler haben das System bereits auf über 10.000 Kilometer Autobahnfahrten in Deutschland und den USA getestet. Die dazu verwendeten BMWs und Teslas bewegen sich laut Bosch schon selbständig durch den Verkehr, wo sie autonom beschleunigen, bremsen und überholen.

Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel betont zudem, dass die „Politik gesetzliche Rahmenbedingungen für das autonome Fahren schaffen muss“ — schon jetzt hinken die Vorschriften den technischen Möglichkeiten hinterher.

Sony, Samsung, LG - die großen Anbieter der Unterhaltungselektronik werden auch in diesem Jahr einen Großteil der Messefläche in Anspruch nehmen. Und auch heuer wird „4K“ bzw. „UHD“ wieder eine Rolle spielen.

Alle neu vorgestellten TV-Geräte werden mit der hohen UHD-Auflösung ausgestattet sein — 1.080p alias Full HD hat damit endgültig ausgedient. Passend dazu wird auf der CES auch die 4K-Blu-Ray offiziell Premiere feiern. Samsung und Panasonic werden ihre bereits bekannten 4K-Blu-Ray-Player dabei haben, andere Hersteller dürften folgen.

Auch die ersten Filmstudios, allen voran Sony, werden erste 4K-Blu-Rays vorstellen. Verfügbar dürften Geräte und Medien hierzulande im Frühjahr werden.

Das größte Schlagwort bei den TV-Herstellern ist in diesem Jahr aber „HDR“ (High Dynamic Range), wobei zunächst die Premium-UHD-Geräte mit der neuen Technik ausgestattet werden. Der Sprung von 1.080p zu UHD macht sich durchaus bemerkbar, allerdings kann die höhere Pixelanzahl auch nur die Detailschärfe der Geräte erhöhen.

HDR holt dagegen aus den einzelnen Pixeln tatsächlich mehr raus. Der erhöhte Kontrast- und Farbumfang sorgt dafür, dass helle Inhalte viel heller dargestellt werden, dunkle oder schwarze Flächen aber ebenfalls satt wirken. Der Unterschied in der Praxis ist enorm.

Allerdings: Noch ist HDR teuer und auch die Medien müssen die Technik unterstützen. Theoretisch kann die 4K-Blu-Ray das leisten — wenn sie denn verfügbar ist. Bislang gibt es nur wenige HDR-Demoinhalte, aber immerhin bietet die Streamingplattform M-Go schon einige Filme mit HDR an (z.B. The Martian, X-Men).

Daneben setzen auch nicht alle Hersteller auf den selben HDR-Standard (z.B. Dolby Vision) und die Umsetzung in den TV-Geräten ist nicht immer gleich beeindruckend. So kann bei Samsung derzeit etwa nur der sehr teure UNJS9500 die HDR-Inhalte wirklich beeindruckend darstellen. Man darf deshalb gespannt sein, was die Hersteller Neues zu HDR auf der CES zu zeigen haben.

Ein neues Konzept zur intelligenten Navigation plant dagegen Toyota mit dem Map Generation System. Dazu erfassen Serienfahrzeuge per GPS und Bordkamera laufend Bilder der Umgebung, die anschließend in der Cloud aufbereitet und allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden.

Wenn genügend Fahrzeuge mit der Technik ausgestattet sind, soll so eine Navigation mit verzögerungsfreier Aktualisierung möglich sein. So können Staus oder Unfälle in Echtzeit erfasst und umfahren werden. Toyota möchte das System ab 2020 zunächst auf Autobahnen und Landstraßen, später auch im Stadtverkehr einsetzen.

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