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Management Statement "Viele kleine Unternehmen gehen Veränderungen zu Recht sehr besonnen an"

Autor / Redakteur: IoT Redaktion / Matthias Brandstätter

Denn bei Industrie 4.0 handelt es sich nach Meinung von Klaus Stark, Vice President, Sales International bei Pilz, eher um eine Evolution als um eine Revolution. Zudem haben wir den Experten zu den Themen Mensch-Maschinen-Interaktion, Sicherheit im IT- und Industrieumfeld sowie zu der aktuellen Lage der Unternehmen befragt.

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Vernetzte Produktion bei Pilz
Vernetzte Produktion bei Pilz
(Bild: Pilz)

Industrie 4.0 ist in aller Munde, aber gerade der deutsche Mittelstand hinkt nach Ansicht vieler Experten noch bei der Umsetzung hinterher. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich denke, es geht nicht darum, sich von dem allgemeinen Hype um Industrie 4.0 anstecken zu lassen und dadurch Getriebener zu sein. Viele kleine und mittelständische Unternehmen gehen zu Recht sehr besonnen Veränderungen an. Industrie 4.0 ist keine Revolution, eher eine Evolution. Nur, wenn sich Geschäftsmodelle im Rahmen von Industrie 4.0 auf dem Markt nachhaltig behaupten können, steigen die mittelständischen und kleineren Unternehmen mit ins Boot.

Was bedeutet für Sie „Digitalisierung“ und worin sehen Sie für Ihr Unternehmen die besonderen Chancen?

Die fortschreitende Digitalisierung ist nur Mittel zum Zweck, effizient zu produzieren und Produkte international erfolgreich vermarkten zu können. In der industriellen Produktion nimmt die Komplexität und Variantenvielfalt stetig zu. Entscheidender Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen ist daher der Zugriff auf Informationen über die eigenen Produktionsprozesse und -einrichtungen sowie die informationstechnische Vernetzung mit Partnerunternehmen und Kunden. Das Thema sichere Vernetzung im Sinne von Safety&Security wird dadurch immer wichtiger.

Welches sind dabei die drei größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Ich sage nur eins dazu: Der Kunde, der Kunde, der Kunde. Als innovatives Unternehmen geht Pilz schon immer den Weg mit seinen Kunden und arbeitet gemeinsam heraus, was für den zukünftigen Produkterfolg wirklich relevant ist. Wir starten konsequent auch erst mit der Entwicklung, wenn wir unseren Kunden, dazugehörige Märkte und die tatsächlichen Produktanwender umfassend verstanden haben.

Wie kritisch sehen Sie rechtliche Fragen bei der Interaktion von Mensch und Roboter im Umfeld von Industrie 4.0?

Mit der neuen Art von Robotern, den sogenannten Cobots, ändern sich die normativen und somit die rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Name Cobots stammt aus der Verbindung der Worte „Collaboration“ und „Robot“. Im Unterschied zur Kooperation teilen sich bei der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) Mensch und Roboter einen Arbeitsraum. Bei solchen Mensch-Roboter-Kollaborationen überschneiden sich die Arbeitsräume von Mensch und Roboter räumlich und zeitlich. Voraussetzungen für ein verletzungsfreies Miteinander sind zum einen zuverlässigere Steuerungen und intelligente, dynamische Sensoren am Roboter selbst. Zum anderen müssen durch normative Grundlagen verlässliche Sicherheits-Standards gesetzt sein. Eine zentrale Bedeutung spielt dabei die in diesem Frühjahr veröffentlichte Technische Spezifikation ISO/TS 15066 „Robots and Robotic Devices - Collaborative industrial robots“.

Weshalb ist Sicherheit ein übergeordnetes Thema bei der Umsetzung von Industrie 4.0 Konzepten?

Mit der Weiterentwicklung der Automatisierungslandschaft zur Industrie 4.0 kommen neue Sicherheitsanforderungen auf Unternehmen zu. Die Welt der Automatisierung verschmilzt mit der IT-Welt. Die jeweiligen Sichtweisen auf das Thema Sicherheit unterscheiden sich deutlich: Die international verwendeten Begriffe „Safety“ für Maschinensicherheit und „Security“ für IT-und Datensicherheit helfen zunächst bei der grundlegenden Differenzierung. Safety & Security besitzen deutliche Parallelen in der Standardisierung und der Vorgehensweise im Engineering-Prozess. Wir wollen mit unserer Erfahrung aus Maschinensicherheit und Automation diese wichtige Arbeit voranbringen.

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